Starker Franken

10. August 2011 15:42; Akt: 10.08.2011 16:38 Print

Schneider-Ammann wartet weiter ab

Der Runde Tisch zum starken Franken endete ohne konkrete Ergebnisse. «Wir nehmen alle Vorschläge sehr ernst und prüfen diese», sagte Bundesrat Johann Schneider-Ammann nach dem Treffen.

(Video: Keystone)
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Der Franken ist auf Rekordkurs. Am Mittwochnachmittag kostete der Euro trotz der neuerlichen Interventionen der Nationalbank nur gerade 1.03 Franken und der Dollar war gerade mal 72,5 Rappen wert. Trotzdem lautet die Devise des Bundesrats weiterhin «Abwarten und Tee trinken», wie sich nach einem Runden Tisch in Bern zur Frankenstärke zeigte.

Kurzfristig setzt Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann auf die Wettbewerbskommission (WEKO) und den Preisüberwacher. Diese sollten ihren Spielraum vollständig ausschöpfen, sagte der Bundesrat vor den Medien in Bern. Er sei auch bereit, über zusätzliche Kapazitäten zu diskutieren.

Zu den Importpreisen sagte Schneider-Ammann, er habe den Teilnehmenden des Runden Tisches klargemacht, dass er die Importpreise durchgesetzt haben wolle und dass sofort etwas geschehen müsse.

«Wir sind nicht die Gewinner»

Die Teilnehmenden des Runden Tisches stritten allerdings alle ab, vom Wechselkurs zu profitieren, wie die Westschweizer Konsumentenschützerin Monika Dusong kritisierte.

Laut Schneider-Ammann sind die internationalen Hersteller die «Schuldigen»: Er habe zur Kenntnis genommen, dass die Importeure Umsatzeinbussen verzeichneten. Die internationalen Hersteller gäben die Preise für die Schweiz vor, auf Basis früherer Wechselkurse, sagte der Volkswirtschaftsminister.

Dies betonten auch Migros-Chef Herbert Bolliger und AMAG-Chef Morten Hannesbo. Über die Vertriebsstellen in der Schweiz würden die hohen Preise diktiert, und die Parallelimporte funktionierten nicht, kritisierte Bolliger. «Wir sind nicht die Gewinner», sagte Hannesbo.

Industrie fordert definierten Wechselkurs

Obwohl keine konkreten Ergebnisse vorliegen, zeigte sich Schneider-Ammann zufrieden mit dem Runden Tisch. Alle seien gekommen, das allein sei ein gutes Zeichen, sagte er. «Wir haben miteinander festgestellt, dass wir die Herausforderungen nur gemeinsam angehen können.»

Die Vertreter des Detailhandels und der Importbranche sprachen sich für einen Referenzkurs für den Franken aus: Die Wirtschaft brauche Planungssicherheit, und dafür sei es nötig, eine Bandbreite für den Wechselkurs festzulegen, sagte Bolliger. Auch Hannesbo verlangte einen definierten Wechselkurs.

Schneider-Ammann zeigte Verständnis für die Forderung, hielt aber fest, es bleibe ein Wunsch der Industrie. Zudem sei in erster Linie die Nationalbank dafür zuständig. Was weitere mögliche Massnahmen betrifft, hielt sich der Volkswirtschaftsminister ebenfalls bedeckt. Er will dem Bundesrat in einer Woche Massnahmen vorschlagen. Ob er eine Verschärfung des Kartellgesetztes beantragen wird, liess Schneider-Ammann offen.

Das sagte Migros-Chef Herbert Bolliger vor den Medien in Bern:

(uwb/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nebau am 10.08.2011 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Langfristig

    Langfristige Massnahmen? Wie lang denn noch? Der CHF ist ja nicht erst seit gestern hoch, nur höher als davor ...

  • Dänu am 10.08.2011 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Politik vom feinsten..

    Wer glaubt den, dass der Bundesrat ein Interesse daran hat, dass der Franken wieder schwächer wird? Solange sie uns nicht in die EU zwingen können brauchts halt andere Wege um die Schweiz gegen aussen zu öffnen. Also stellt man sie erst mal ins Abseits und wartet bis das Volk angerannt kommt und um eine Lösung bittet. Schnell liegen dann Pläne auf dem Tisch wie es klappen könnte, natürlich unter Verlust einiger Unabhängigkeit aber das ist dann nicht so wichtig, weil es sonst nur noch schlimmer werden würde.... jaja die politischen Spiele wiederholen sich ständig.

  • KUP am 10.08.2011 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe Herr Bundesrat!

    Sehr geehrter Herr Bundesrat Schneider-Ammann, Sie waren als Industrie-erfahrener Politiker ein Hoffnungsträger für Ihre Wähler. Als Leiter des EVD jedoch, sind Sie eine Enttäuschung. Dies bestätigt diese Meldung umso mehr. Es steht dem Leiter des EVD schlecht an, in dieser dynamischen, für viele Schweizer Unternehmer existenziell schwierigen Zeit, immer wieder auf langfristige Massnahmen zu verweisen! Die Schweiz ist ein Land der KMU, mit den Kapitalreserven eines KMU! Das Herunterspielen der anerkanntermassen mittlerweile dramatischen Faktenlage für ganze Wirtschaftszweige wirkt hierbei nicht vertrauensfördernd. Haben Sie die Grösse, Herr Bundesrat Schneider-Ammann, heute zu den faktischen Problemen zu stehen. Sagen Sie die Wahrheit, eine objektive - unternehmerische - Einschätzung Ihrer Spezialisten, erläutern Sie neue, kurzfristig wirksame und mögliche Lösungsansätze. Informieren Sie uns, was ihre EVD-Mannschaft tut um die Probleme der Schweizer KMU anzugehen. Wir sind reife Menschen, können mit der Wahrheit ungeachtet der schlechten bisherigen Ergebnisse umgehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Carlo am 11.08.2011 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    WOHLSTANDS-INSEL SCHWEIZ IST AM ENDE

    Der Runde Tisch muss jetzt mit Ecken und Kanten ersetzt / besetzt werden, sonst wird nur noch im Kreis herum politisiert.

  • Pascal am 11.08.2011 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kapitän an bord, bitte!

    Mangelnde Führungskraft, kein Durchsetzungsvermögen, Konsultation statt Handlung. Die Bilanz wäre vielleicht für einen 18-jährigen KV-Abgänger gut, für einen Bundesrat jedoch wirft es die Frage auf, ob er überhaupt handlungsfähig oder handlungswillig ist. Man hat subjektiv das Gefühl er sei verloren. In schwierigen Zeiten erkennt man den richtigen Kapitän, die Titanic war unsinkbar, es braucht für die schweizer Börse einen Kurswechsel bevor wir im Eisberg landen! Bitte handeln anstatt reden, bitte inkompetente in Kriesenzeiten durch kompetente Führungspersönlichkeiten ersetzen.

  • Felix Frei am 11.08.2011 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Warten auf Was?

    Herr SChneider-Amman, wenn der SChweizer keine Geld mehr hat müssen Sie nciht mehr warten - und solange Sie warten solange verdiene Einige Millionen mehr.. Treibstoffhändler zum Beispiel.... also warten SIe und helfen dene noch mehr Geld zu scheffeln - wenn der Dollar 2 Rappen steigt werden die Preise sicher wieder anziehen... Vielen Dank! Wir warten auch - auf tiefere KK Prämien etc. - aber da warten wr wohl bei der Regierung und bei dem Parlament vergebens...

  • Hugo Springer am 11.08.2011 07:37 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber wahr

    Wie immer es wird viel geredet, viel gewünscht aber machen will niemand wirklich. Ist wirklich eine gute Frage " ist der wirklich einer unserer Bundesräte"

  • Bruno Hürlimann am 11.08.2011 04:38 Report Diesen Beitrag melden

    musste so kommen

    Die Fehler wurdern früher von unserer Regierung gemacht, ja keine paralel Importe, jetzt ist die Zeit gekommen wo abgerechnet wird. Liebe Schweizer, kaufen Sie im Ausland oder sparen Sie für schöne Ferien bei unseren Nachbarn.