Zuwanderungs-Gegner

11. Dezember 2013 11:22; Akt: 16.01.2014 11:03 Print

Thomas Minder sucht Arbeitskräfte im Ausland

Thomas Minder ist für die Masseneinwanderungs-Initiative und verurteilt Unternehmen, die im Ausland Fachkräfte suchen. Seine Firma Trybol schreibt aber Stellen in Deutschland aus.

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Ein Widerspruch? Thomas Minder unterstützt die SVP bei ihrer Masseinwanderungsinitiative, sucht aber im Ausland Arbeitskräfte für seine Firma Trybol.

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Er kämpft an vorderster Front und lautstark für die Masseneinwanderungsinitiative der SVP. Der Schaffhauser Ständerat Thomas Minder sagt sogar: «Die Zuwanderung ist für die Schweiz schlimmer als die Abzockerei.» Firmen, die ihre Arbeitskräfte im Ausland suchen, kritisiert er scharf. Es sei sehr wohl möglich, Fachkräfte in der Schweiz zu finden, wenn die Firmen dies nur wollten. «Doch sie sind nur an der Umsatz- und Gewinnmaximierung interessiert.» Wie hoch die Arbeitslosigkeit in der Schweiz ist, sei ihnen egal. Sie wollten lediglich den besten Angestellten zum tiefsten Preis.

Minders Prinzipien gelten aber offensichtlich für seine eigene Firma nicht. Per Inserat sucht Trybol auf mehreren Stellenportalen in Süddeutschland einen Chemikanten/ C-P Technologen, wie die «Schaffhauser Nachrichten» berichten.

«Diejenigen, die wir wirklich brauchen»

Um einen Widerspruch handle es sich dabei nicht, sagt Minder im Interview mit der Zeitung. «Nur weil ich gegen die Zuwanderung bin, verlange ich ja nicht, dass niemand mehr in die Schweiz einwandern darf.» Aber er wolle, dass die Schweiz die Zuwanderung wieder selber kontrolliere. Bei einer Annahme der Initiative würden auch ausländische Arbeitskräfte geholt. «Diejenigen nämlich, die wir wirklich brauchen.»

Gilt für ihn also die eigene Aussage, Firmen könnten Arbeitskräfte in der Schweiz finden, wenn sie nur wollten, nicht? «Ein Grenzkanton wie Schaffhausen war und ist auf die Grenzgänger angewiesen», so Minder. Ein Kanton der Innerschweiz könne in den Nachbarkantonen Arbeitskräfte rekrutieren. Schaffhausen könne das nicht und müsse die Suche deshalb auf den süddeutschen Raum ausweiten: «Das ist doch einleuchtend.»

«Minder hat ein riesiges Glaubwürdigkeitsproblem»

CVP-Nationalrat Gerhard Pfister sieht das anders. Er fordert von Minder, das Inserat sofort zu stoppen. Solange er sich für die SVP-Masseneinwanderungsinitiative einsetzt, solle Minder nur noch Schweizer Mitarbeiter oder Ausländer, die schon hier leben, einstellen. Er habe nichts dagegen, wenn Firmen sich im Ausland diejenigen Arbeitskräfte holen, die sie brauchen, sagt Pfister. «Aber Minder hat ein riesiges Glaubwürdigkeitsproblem, wenn er sich so verhält.»

Auch FDP-Nationalrat und Unternehmer Ruedi Noser kann Minders Argumente nicht nachvollziehen: «Das Inserat demaskiert Minder als Populisten», der dem Volk nach dem Mund rede, sich aber nicht um die wahren Probleme des Landes kümmere. Das Wachstum seiner eigenen Firma, der Noser Gruppe, wäre ohne die Personenfreizügigkeit nicht möglich gewesen. Obwohl sein Unternehmen in den letzten 12 Jahren von 100 auf 500 Personen angewachsen sei, habe er noch nie ein Inserat im Ausland geschaltet.

(tab/cbe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger S. am 11.12.2013 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt mal nicht übertreiben

    Minder sucht genau einen Spezialisten. Das wäre ja auch nach Annahme der Initiative möglich. Mit Masseneinwanderung hat das nichts zu tun. Ist aber für die politischen Gegner immer ein Geschenk wenn man ein Haar in der Suppe findet.

  • Marcel Füllemann am 11.12.2013 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wow Bravur

    an die Redaktion, viele Kommentatoren und den Journalisten. Also wenn die SVP eine Initiative ansetzt, welche dafür sorgen soll, dass auch wir Schweizer anständige Stellen im eigenen Land finden, sind alle dafür also gleich Rassisten. Aber dann kommt einer wie Minder und sagt die Wahrheit, dass wir in gewissen Bereichen auch Ausländer brauchen (was auch so ist!!!), ist er gleich ein Heuchler und Populist, bloss weil er nicht in das radikale SVP-Bild der Linken passt? Bin stets für die SVP, aber lange kein Rassist. Aber Rechts ist ja immer böse, was die Linke aus dem Land macht ist egal

  • Leonard am 11.12.2013 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Aussage von Herrn Noser

    Das Wachstum wäre auch ohne die PFZ möglich gewesen. Es war nämlich auch davor NIE ein Problem, Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutieren zu dürfen/können. Das ganze Gelabere wegen der PFZ-Vorzüge ist nur Augenwischerei. Wir hatten DAVOR schon Grenzgänger und wir hatten DAVOR schon Einwanderunge aufgrund von angebotenen Jobs. JETZT haben wir einfach nur noch eine Schwemme. Und zwar nicht von jenen, die wir brauchen ( man sehe sich das Problem der Sozialschmarrotzer in der EU an, welches derzeit gross debattiert wird).

Die neusten Leser-Kommentare

  • holderer am 12.12.2013 01:10 Report Diesen Beitrag melden

    Personenfreizügigkeit=hoher Profit

    Auch KMU haben sich drastisch der Zeit angepasst.Ziel in 20/30Jahren das maximum herausholen,Generationenwechsel ist ein alter Hut.Habe mehrere Kollegen,Firma verkaufen od.auflösen mit 50/55.Bis dahin nur die billigsten beschäftigen,junge-temporäre möglichst nicht über dreissig.Nebenbei Invest.Immobilien,Bauland,div.Eigentumswohnungen im Wallis zu 100%WIR ect.ect.Haben sich ein fettes Polster nebenher angelegt,kann passieren was will.Ein Trend der sich in 10/20J. bitter rächen wird.Es entsteht eine Arbeitgeberphilosophie,die gar kein Intresse mehr hat,Pers.bis zur Pension zu beschäftigen.

  • Ernst Baumann am 11.12.2013 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    classe politique srf tv

    in der sendung classe p. vom schweizer fernsehen wusste frau br. somaruga keine antwort auf die frage, was denn wäre, wenn es mit der wirtschaft nicht so weitergeht. sie wich aus und antwortete blauägig, dass wenn die wirtschaft nicht soooo boomt, die schweiz ein auswanderungsland würde! ich würde sie behaften und weiter hinterfragen!

  • Daniel H. am 11.12.2013 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    Politik und Wirtschaft

    Nun die Personenfreizügigkeit ist doch gar nicht das Problem. Es geht wie immer und überall um Finanzielle Interessen. Als Unternehmer möchte ich den gröstmöglichen Gewinn für MICH erwirtschaften. Drum Arbeitslöhne tief halten, es finden sich immer " Preiswerte " Arbeitskräfte. Nur Junge Arbeitskräfte einstellen die kosten weniger. Nicht der Ausländer der hier herkommt zum Arbeiten ist das Problem, es sind die hier ansessigen Firmen, die nicht willig sind hohe Löhne zu zahlen.

  • J. Meyer am 11.12.2013 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand will eine zubetonierte CH

    Drum muss ZW auch reglementiert werden u nur jene dürfen eingelassen werden, welche auch wirklich gebraucht werden. Kehrum aber stellt sich auch die Frage, warum werden sie gebraucht. Dieselben Politiker, welche die ZW bekämpfen, fordern auch Einschnitte bei der Bildung. Auf diese Weise kann man keine Probleme lösen, vor allem nicht die Grenzkantone, welche überschwemmt mit Grenzgängern sind, was kein Wunder ist, entledigt man sich ja der CHer, um eben GG einzustellen. Sorry, aber das sind ein paar Schuhe zuviel, die in keinen Schrank mehr passen.

  • verdad am 11.12.2013 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    zubetonierte Schweiz

    Es wird aus allen Rohren gegen diejenigen geschossen, die sich für die Masseneinwanderungs-Initiative einsetzen. Was haben die Journalisten von dieser riesigen Einwanderung. Wollen sie wirklich eine zubetonierte Schweiz oder sind sie einfach gegen die SVP. "Lieber die Schweiz wird zubeniert als die SVP gewinnt" Wie Kopflos!!!