Rettungsaktion

09. November 2018 10:46; Akt: 09.11.2018 11:03 Print

30 Tonnen Rüebli sollten untergepflügt werden

Ein Verein hat verhindert, dass 30 Tonnen prächtige Bio-Rüebli verkommen, weil sie zu gross sind. Nun gibt es Saft – ein Teil wird frisch verkauft.

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«Jeden Tag werden in der Schweiz tonnenweise Rüebli vernichtet, weil sie nicht der Norm entsprechen. Hier stehen wir auf einem solchen Feld: 30 Tonnen farbige Rüebli, die gar nie in den Verkauf hätten gelangen sollen», sagt Dominik Waser in einem Facebook-Video. Er engagiert sich beim Verein Grassrooted gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.

Das Video wurde am Donnerstagabend bereits 190’000-mal angeschaut. Wie Waser zu 20 Minuten sagt, hat der Bauer aus dem Zürcher Weinland keinen Abnehmer gefunden, weil die Rüebli nicht in die üblichen Kartonverpackungen passten. Es gebe offenbar ein Überangebot, akzentuiert durch den schönen Sommer. Der Bauer habe die Rüebli unter die Erde pflügen wollen, obwohl sie den ganzen Sommer über gehegt und gepflegt und wegen der Trockenheit sogar notbewässert worden seien. «Die Rüebli sind gross, aber nicht holzig und auch nicht aufgeplatzt. Sie sind einwandfrei.»

Saft und Verkauf

25 Tonnen sollen nun zu Saft verarbeitet werden. Die übrigen 5 Tonnen will der Verein am Samstag am Martinimarkt in Zürich verkaufen.

Waser betont, dass er nicht mit dem Finger auf den Detailhändler zeigen wolle, sondern das System verändern wolle. «Es bringt nichts, wenn Detailhändler die Schuld den Konsumenten zuschieben, die nicht so grosse Rüebli wollen und diese den schwarzen Peter wieder zurückschieben. Unsere Botschaft ist, dass wir den Lebensmitteln wieder mehr Wertschätzung entgegenbringen sollten.»

«Zu grosse Karotten können nicht in den Frischkonsum»

Matija Nuic, Direktor des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), sagt, man wisse nicht, wie viele Rüebli in der Schweiz nicht geerntet würden. «Wir empfehlen den Produzenten immer, die Übernahme der Produkte im Voraus zu sichern.» Aber: «Erfüllt die Ware nicht die vereinbarte Qualität, kann das problematisch sein. Zu grosse Karotten können nicht in den Frischkonsum, sondern gehen im Normalfall in die Gastronomie oder Verarbeitung.»

Wenn die Mengen und Qualität der Planung entsprechen, sollte es keine Probleme geben. «Da wir es mit einem Naturprodukt zu tun haben, kann es aber zu Abweichungen kommen. Dann ist die Frage, ob der ursprünglich vorgesehene Abnehmer einen entsprechenden Verwendungszweck hat.»

Schwierige Planung

Auch Walter Leuzinger, Präsident der Zürcher Gemüseproduzentenvereinigung, sagt: «Die im Video gezeigten Karotten sind in der Tat von sehr grossem Kaliber und entsprechen sehr wahrscheinlich nicht den schweizerischen Qualitätsrichtlinien.» Bei einem Überangebot sinke der Preis auf dem Gemüsemarkt sehr rasch unter die Produktionskosten. «Dieses Jahr zum Beispiel hat das warme Wetter dazu geführt, dass gestaffelt angepflanzte Kulturen praktisch gleichzeitig erntereif waren. Es kam also eine viel grössere Menge auf den Markt als geplant.» Ein Hagelzug hingegen könne innert Minuten grosse Ernten zerstören und eine Situation von Überproduktion in eine Mangelsituation verwandeln.

Der Verein Grassrooted hatte schon im Juni mit einer Anti-Food-Waste-Aktion für Aufsehen gesorgt: Damals rettete er 30 Tonnen reife Bio-Tomaten vor der Biogasanlage. Der Bauer fand keinen Abnehmer, weil sie nicht genügend lang haltbar gewesen sein sollen.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yves am 09.11.2018 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zu grosse Rüebli?!?

    Ich als Konsument kaufe in der Regel das, was mir im Geschäft angeboten wird. Den meisten Konsumenten dürfte es völlig egal sein, wie gross die Rüebli sind. Oder gibt es ernsthaft Menschen da draussen die denken: Wow, diese Rüebli sind aber gross, sowas kaufe ich nicht?!? Das wusste ich gar nicht. Ich kannte es bis anhin nur von den Eier, die ebenfalls nicht in den Handel kommen wenn sie zu gross sind. Ein Bauer in der Nähe hatte solch grosse Eier immer günstig abgegeben - einen geschmacklichen Unterschied merkte ich nicht.

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  • Sina Anis am 09.11.2018 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    SCHULEN UND MITTAGSTISCHE

    Bitte liebe Schweizer hört auf Lebensmittel zu vernichten. Wusstet ihr, dass in allen Schulhäusern beim Mittagstisch, alles, was die Kinder nicht essen, weggeworfen wird. Es gibt keine Restenverwertung. Jeden Tag alles frisch und gesund. Aber die Kinder essen es gar nicht. Sie sind verwöhnt und schlecht erzogen. Das ist Geldverschwendung und falsche soziale Erziehung.

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  • Frau am 09.11.2018 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Köchin

    Jedes Unternehmen muss mit Verlusten Rechnen und niemand anderes hilft. Ich kaufe immer grössere Rüebli,denn die geben weniger Abfall beim Rüsten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 10.11.2018 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wo und wann?

    Es wäre doch toll wenn es eine Website geben würde, auf der man lesen könnte wo und wann solche überdimensoinierte, nicht vom Handel akzeptierte Bioware zu kaufen sind. Ich würde ganz vorne anstehen. Wie ich hier lese wäre ich nicht der einzige.

  • Flørign am 10.11.2018 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbetrug

    Wer mal beim Verteiler schaut wie Gemüse gekauft wird stellt fest, dass sich die Leute immer die schönen Sachen raussuchen und die hässlichen liegenlassen. DAS ist der Grund dafür, dass hässliches Gemüse nicht verkauft wird! Was hier im Forum geschrieben wird und im Alltag gelebt wird, sind 2 völlig verschiedene Dinge. Wenn wir dieses Problem nachhaltig beseitigen wollen, müssen wir den Konsumenten die Freiheit nehmen die hässlichen Pflanzem "nicht zu wollen". (schlechte Erziehung!)

  • Blup am 10.11.2018 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Blup

    Zu gross oder zu klein ist hier doch völlig egal. Es geht um eine Überproduktion, wir retten diese Tonnen Rüebli jetzt und verarbeiten sie. Dafür gehen genaugleich viele andere Rüebli im Laden dahin. Überproduktion lässt sich nicht durch ein verschieben des bezugsortes lösen. Einzige lösung ist das längstmögliche haltbarmachen / Verarbeiten der Überproduktion. Gutgemeinte Aktion mit 0 effektiv geretteten Lebensmittel. Doch zeigt es, dass es hier handlungsbedarf braucht. Wären die Rüebli verarbeitet als Hilfsgüter in Arme Regionen geschickt worden (auch innerhalb der Schweiz) wäre es toll.

  • whynot am 10.11.2018 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    futterrüebli oder spenden

    wie wäre es Diese Rüeblis als Futterrüeblis zu verkaufen? meine Eltern kaufen jedes Jahr fürs Pferd einige 100 kilos auch die Kaninchen werden glücklich und ich habe diese auch verkocht. machen keinen unterschied. oder man könnte sie für karitative Einrichtungen spenden

  • Never Vegan am 10.11.2018 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Und dann wollen ein Paar

    Menschen dass alle Vegan leben? Bei allem Respekt, das wäre niemals möglich wie schon ein kleines Beispiel mit Karotten zeigt!