Millionenloch

03. Juli 2016 19:28; Akt: 03.07.2016 19:28 Print

300'000 Schwarzfahrer zahlen SBB-Bussen nicht

Kaum ein Billettsünder begleicht seine Busse. Den SBB entgeht so jährlich ein zweistelliger Millionenbetrag.

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Ein Fahrgast zeigt sein Generalabonnement: SBB-Zugbegleiterin bei der Billettkontrolle im ICN von Zürich nach Genf. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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So peinlich es vielen Menschen auch sein mag, ohne Billett im voll besetzten Zug erwischt zu werden: Notorische Schwarzfahrer sind keine Seltenheit. Wer den Billett-Fahndern in die Fänge gerät, muss zahlen. Eigentlich – denn oft bleiben die SBB auf den entstandenen Kosten sitzen und sind machtlos, wenn es um die Ahndung der Zahlungsverweigerung geht. Das berichtet die «SonntagsZeitung» in ihrer aktuellen Ausgabe.

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Zwei von drei prellen die Busse

Insgesamt haben Kontrolleure im Auftrag der SBB 2015 knapp eine halbe Million Schwarzfahrer erwischt. Zwar sind darunter auch immer Personen, die lediglich ihr Abonnement vergessen haben. Doch rund 80 Prozent der 460'ooo Kontrollierten waren mit einem ungültigen oder sogar ganz ohne Billett unterwegs. Je nach Zugtyp erhalten sie eine Busse von 70 oder 90 Franken.

Doch am Ende bezahlt haben die – «Zuschläge gemäss dem geltenden Tarif» – nur wenige. 2015 beglich nur jeder dritte, 2013 sogar nur jeder vierte Schwarzfahrer seine Rechnung. SBB-Sprecherin Franziska Rey spricht gegenüber der «SonntagsZeitung» von 300'000 offenen Bussen allein 2015. Durch die Forderungen entginge den SBB jährlich etwa ein zweistelliger Millionenbetrag. Für den Schaden aufkommen müssten am Ende die anderen SBB-Nutzer, letztlich zahle «die Öffentlichkeit», so Frey.

Schwarzfahrer sind oft arm

Beileibe nicht jeder Wiederholungstäter ist jedoch so dickfellig wie dieser Mann: Ganze 17 Mal innerhalb von drei Monaten ging er den Kontrolleuren der SBB auf der Strecke Luzern–Olten ohne gültigen Fahrausweis ins Netz. Billettsünder wie er bekommen eine Anzeige und müssen tief in die Tasche greifen – im obigen Fall beliefen sich die Forderungen der SBB auf saftige 4300 Franken.

Besonders dreistes Schwarzfahren ahnden die SBB mit einer stufenweise höheren Busse. Generell gilt: Wer seine Forderung nicht begleicht, dem geht zunächst eine Mahnung ins Haus. Irgendwann muss der Nichtzahler dann mit einer Betreibung rechnen. Doch oft treffen die Betreibungen am Ende Personen, bei denen ohnehin wenig zu holen ist. Ihnen droht im schlimmsten Fall Haft.

(jros)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jan1987 am 03.07.2016 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bei U-Bahnen

    eigentlich müsste man es so machen wie bei manchen U-Bahnen. Ohne gültigen Fahrausweis kommt man nicht in den Zug weil eine Schranke dies verhindert.

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  • Dani am 03.07.2016 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich...?

    Ich bin mit sicher, dass ein großer Teil von all denen die sagen, das sie nicht zahlen können mit einem iPhone oder sonst einem schönen Smartphone unterwegs sind. Hierfür kann man die Rechnung zahlen. Auch hat man einen TV im Haus ein Fahrzeug in der Garage und ein Bike, aber anscheinend zu wenig Geld für ein Ticket. Ich denke eher das es eine Frage der grundsätzlichen Haltung, Ja schon fast der Kultur geworden ist...

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  • SP am 03.07.2016 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal Gefängnis bitte..

    Vor einiger Zeit,war ich an einem Bahnhof, der Automat nahm meine Noten nicht an. Die Schalter waren geschlossen und kein Kiosk weit und breit. Ich wollte nach Hause und stieg in den Zug,suchte den Kontrolleur auf um alles zu erklären. Er selber war nett und nahm meine Daten auf,konnte mir aber kein Ticket geben. Paar Tage später kam ein Schreiben der SBB, die Noten funktionieren und somit muss man mir eine Busse ausstellen. Ich weigerte mich, dies zu bezahlen !!! Mit den Mahnungen wuchs die Busse. Ich war kurz darauf Zwei Tage im Regional Gefängnis.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mumi Bumi am 05.07.2016 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Büssen

    Einwanderer zahlen ja so oder so nicht!Und Geld nehmen können sie ihnen auch nicht ! Es tut leider nur dehnen weh ,die Arbeiten und Bezahlen können !

    • Emanuele am 24.07.2016 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      Liebe mumi bumi

      Ich bin ein steuerzahlender, arbeitender und billetlösender Einwanderer und keiner der nicht bezahlen kann. Danke für ihre pauschalisierende Beleidigung...

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  • Heidi am 05.07.2016 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nächste Station raus

    Warum Bussen? Mehr Kontrolleure und nächste Station raus mit Schwarzfahrern. Ich habe schon gesehen wie lange es dauert, bis die Daten erfasst sind um zu büssen. Datenzusamnenführung? Kosten sind höher als mehr Kontrolleure einzustellen

  • Josef am 04.07.2016 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Bin auch für U-Bahn System

    Ich frage mich auch warum man nicht das gleiche Anwendet, wie bei den U-Bahnen. Ohne Billet kommt man erst gar nicht in den Zug, und wer zu weit fährt, zahlt beim verlassen der Station, die Differenz. Wer die Tarife nicht checkt, wird dann auch nicht wie ein Schwerverbrecher behandelt.

  • Sparer am 04.07.2016 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ist billiger.

    Habe auch eine Bussse bekommen. Jetzt fahre ich einfach nicht mehr Zug.

  • Zweistein am 04.07.2016 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Relativität

    Würde man keinen kontrollieren, gäbe es auch keine Schwarzfahrer. So einfach!

    • BernEr am 04.07.2016 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zweistein

      Also Ihre "so einfache" Logik ist mir zu hoch. Oder anders ausgedrückt: Würden SBB keinen anstellen, gäbe es auch keine Züge....

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