XXL-Ausflug

20. Mai 2011 15:49; Akt: 23.05.2011 12:05 Print

3500 Inder stürmen die Schweiz

von Joel Bedetti - 5 Hotels, 26 Cars, 32 Reiseleiter und indisches Catering auf Berggipfeln: So ein «Firmenreisli» sieht man nicht alle Tage. Doch das Gastgewerbe ist für die indische Invasion gewappnet.

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Reiseleiterin Uma Somia wartet auf dem Flughafen Kloten ZH auf die nächste Maschine, die wieder ein paar Dutzend indische Touristen abladen wird. Sie werden mit Cars auf fünf Viersterne-Business-Hotels in der Nähe des Flughafens verteilt, wo schon mehrere hundert Mitreisende warten. Abends um acht Uhr, wenn die letzte Maschine aus Indien ankommt, wird sich eine Karawane von 26 Cars mit 1300 Indern ins Zürcher Kongresshaus zum «Welcome Dinner» bewegen.

Es ist eine Gruppenreise der etwas anderen Dimension: 3500 Mitarbeiter der Firma Amway besuchen in drei Tranchen für jeweils fünf Tage die Schweiz. Die erste, 1300-köpfige Gruppe kam vergangene Woche an. Doch die Touristiker haben keine Zeit zum Verschnaufen: Heute Nachmittag landet in Kloten die zweite Welle mit 1000 bis 1300 Touristen. Ende Monat macht die dritte Tranche den Abschluss.

Fructarier und Vegetarier

Geplant wurde der Trip von Amway und Schweiz Tourismus, die operative Leitung jedoch hat die Londoner Reiseagentur Incoming Europe inne. Die Agentur stellt 26 Reiseleiter, die Hotels, in denen die Touristen untergebracht sind, weitere sechs. Sie werden von den lokalen Tourismusbehörden unterstützt. Eine Gruppenreise mit 1300 Köpfen stellt die touristische Infrastruktur auf die Probe.

So gibt es in der Schweiz kein Hotel, dass eine derartige Gruppe beherbergen könnte. Deshalb werden die Inder auf fünf grosse, nahe beieinanderliegende Vierstern-Hotels in der Nähe des Flughafens verteilt. «Von den Kapazitäten her ist das in dieser Jahreszeit kein Problem», sagt Véronique Kanel von Schweiz Tourismus. Verstärkung brauchten die Hotels in Sachen Gastronomie. Neben den Continental-Buffets des Hotels hat die Reiseleitung einen indischen Caterer aus Rüti ZH engagiert, der die fünf Hotels mit indischen und vegetarischen Buffets versorgt - denn die Hälfte der indischen Touristen isst religionsbedingt fleischlos.

VIPs in Taxis

Einige sind auch Fructarier, essen also nur, was Bäumen und Pflanzen hergeben. In einem Hotel ist deshalb auch ein solches Buffet eingerichtet – nur wohnen nicht alle Fructarier in diesem Hotel. «Das wäre organisatorisch zu schwierig geworden», sagt Reiseleiterin Uma Somia. Sie würden am Morgen aber von Taxis ins betreffende Hotel gekarrt. Die Inder würden aber europäisches Essen nicht verschmähen, sagt Somia. «Manchmal essen sie vom italienischen Büffet Gemüse oder gegrillten Fisch.»

Transportiert wird die Gruppe in 26 Cars des Reiseunternehmers Taxi Jung. «Bis jetzt haben wir noch immer genug Parkplätze gefunden», sagt Uma Somia. Eine Handvoll Amway-VIPs wird auch in Taxis umherchauffiert.

Kein Stau im Nadelöhr

An zwei Tagen teilt sich die Reisegesellschaft in zwei 650er-Gruppen auf, welche abwechselnd das Jungfraujoch und Interlaken sowie den Titlis und Luzern besuchen. An den Gondelstationen, traditionelle Nadelöhre, ist es bisher kaum zu Staus gekommen. «Die Reisebusse kamen im Abstand von einigen Minuten an. Wir verteilten dann gleich Tickets und Wollmützen und schickten sie nach oben», sagt Peter Reinle von den Titlis-Bahnen.» Logistisch sei das kein Problem gewesen, auch normale Tagestouristen hätten Platz im Bähnli gefunden.

Kein grosses Problem war auch die Gipfelverpflegung. Da der Titlis ein beliebtes Reiseziel für Touris aus dem Subkontinent ist, haben die Bergrestaurants ganzjährig indische Köche angestellt. «Wir mussten bloss die Skihütte und den Picknickraum reservieren, dann brachten wir die Gruppe gut unter», sagt Reinle.

Andere Dimensionen

Ähnlich gelassen tönt es bei den Jungfraujoch-Bahnen. «Wir sind uns Grossanlässe wie den Jungfrau-Marathon oder das Lauberhorn gewöhnt. Das sind dann nochmals andere Dimensionen», sagt Sprecher Simon Bickel. Auf dem Bergrestaurant, das ebenfalls indische Küche führt, ass die Gruppe in drei Schichten.

Nach einem Tag in Zürich, wo die Inder mit einer Tageskarte und Stadtplan ausgerüstet auf eigene Faust losziehen (sofern die VBZ gerade nicht streikt), ist dann auch schon das «Farewell Dinner» angesagt. Dafür mietete Europe Incoming die Stadthalle Bülach. Das Catering besorgt dasselbe Restaurant, das auch die Hotels mit Curry und Co. versorgt.

«Alles hat bei der ersten Gruppe so gut geklappt, dass wir nichts ändern werden», sagt Reiseleiterin Uma Somia. Schwierig sei nur eines gewesen: Die schneebegeisterten Inder auf den Bergen einigermassen zusammenzuhalten.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • HansFritz am 21.05.2011 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gäste

    Ich arbeite in der Hotellerie/Gastronomie und da sind Inder die MIT ABSTAND unbeliebtesten Gäste ..Ja das ist ist tatsächlich so. Aber keine Panik vonwegen Xenophobie, ich war selber 6 Monate in Indien und die 3500 Inder vom Artikel da oben waren bestimmt alle sehr anständig und freundlich hehe

  • Martin am 20.05.2011 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    die Schweiz...

    ... das Paradies Europas (nicht der EU). Ich danke Gott, dass ich hier geboren bin, hier leben darf, hier arbeiten kann.

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  • gelöscht am 20.05.2011 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    gelöscht

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sabine Ben Hamida am 25.05.2011 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin begeistert!

    3500 indische Geschäftspartner, die sich diese Reise als Belohnung für viel Arbeit, Engagement und Einsatz verdient haben. Mein Mann und ich sind selbst Amway Geschäftspartner hier in der Schweiz und sind sehr stolz darauf, Teil dieser innovativen Frima zu sein.

  • MArco am 24.05.2011 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Eiltempo durch die CH

    Wieviel sieht man wohl von der Schweiz in 3 Tagen? Ob das durchorganisert von A-Z und Essen aus der Heimat wirklich was bringt...

    • Braun Olivier am 25.05.2011 23:44 Report Diesen Beitrag melden

      supper

      lieber eine solche gratis reise als garnichts

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  • Silvia am 23.05.2011 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer

    Das freut mich nicht !Macht unsere Lebensart noch schneller kaputt.

    • Tino am 23.05.2011 21:54 Report Diesen Beitrag melden

      Ekelerregende Fremdenfeindlichkeit

      Wieviele Inder kennen Sie denn, Silvia? Wieviele Bollywood-Filme haben Sie gesehen? Wieviele Worte Hindi können Sie sprechen? Haben Sie schon mal von unserer gemeinsamen Ursprache Indo-Germanisch gehört? Ihre Fremdenfeindlichkeit ist ekelerregend. Schämen Sie sich!

    • Marco am 24.05.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      Stupide Kommentare

      Ist schon klar das Indogermanisch nicht bewiesener Massen aus Indien stammt? Gibt diesbezüglich sehr viele Theorien und jede ist von Ideologien gefärbt. Grundsätzlich macht weder der Kommentar von Silvia viel Sinn (sind turisten) aber auch der Kommentar von Tino, da niemand gesagt hat die Inder zu kennen etc. Sachlich bleiben würde vieles erleichtern.

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  • HansFritz am 21.05.2011 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gäste

    Ich arbeite in der Hotellerie/Gastronomie und da sind Inder die MIT ABSTAND unbeliebtesten Gäste ..Ja das ist ist tatsächlich so. Aber keine Panik vonwegen Xenophobie, ich war selber 6 Monate in Indien und die 3500 Inder vom Artikel da oben waren bestimmt alle sehr anständig und freundlich hehe

  • alice gurini am 20.05.2011 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    auf claire grubs komentar Antworten

    weil die Inder kein Fondue ver dauen wie Milchprodukte *die sind anders im Magen aber trotzdem sehr Liebenswert ,Herzlich Willkommen

    • Fredi am 20.05.2011 21:14 Report Diesen Beitrag melden

      Inder und Michprodukte

      Ach ja? Was ist denn mit Lassi, dem indischen Milch-Mixgetränk?

    • claire grube am 21.05.2011 08:01 Report Diesen Beitrag melden

      @alice

      ich habe mich zu diesem thema überhaupt nicht geäussert.

    • jj m am 23.05.2011 22:11 Report Diesen Beitrag melden

      urban legend

      bin inder, ich liebe fondue oder raclette... ... wir haben viele milchprodukte (paneer=> Weichkäse)

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