4850 Liter Kerosin pro Stunde

25. September 2019 09:20; Akt: 25.09.2019 09:20 Print

Klimaschüler lehnen Kampfjet-Kauf ab

Die Kampfjets verbrauchen im Jahr rund 33 Millionen Liter Kerosin. Die Klimabewegung übt darum Kritik am geplanten Kampfjet-Kauf.

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Die F/A-18 der Schweizer Luftwaffe verbraucht pro Flugstunde durchschnittlich 4850 Liter Kerosin. Insgesamt verbraucht die Luftwaffe zwei Prozent des in der Schweiz getankten Kerosins. 2018 verbrannten Kampfjets laut dem Bundesrat 33'356'966 Liter Kerosin.

Nachdem sich am Dienstag der Ständerat dafür ausgesprochen hat, Kampfjets für sechs Milliarden Franken zu kaufen (siehe Box), kündigt die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) bereits das Referendum an. Im Abstimmungskampf will die GSoA laut deren Sekretär Lewin Lempert das Klima-Argument in den Vordergrund rücken: «Es ist absurd, wenn die Armee die grösste Bedrohung unserer Zeit, die Klimakrise, noch zusätzlich verstärkt. Es kann nicht sein, dass pro Kampfjet-Flugstunde um die 5000 Liter Kerosin verschwendet werden.» Hochleistungskampfjets seien «Dreckschleudern».

«Nicht vereinbar mit den Zielen der Klimabewegung»

Unterstützung erhält die GSoA von der der Klimabewegung Schweiz. Aktivist Jann Kessler der Medien-Arbeitsgruppe sagt: «Auch wenn wir dazu keine offizielle Haltung haben, ist die Anschaffung von Kampfjets nicht vereinbar mit den Forderungen der Klimabewegung.» So widerspreche ein Kauf dem Ziel, dass die Schweiz bis 2030 im Inland unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstosse. Auch unter dem Aspekt der Klimagerechtigkeit, die eine gleiche Verteilung der Reduktion auf alle Länder verlangt, sei die Rüstungsindustrie abzulehnen.

«Jedes Geschäft sollte auch auf seine Klimaverträglichkeit hin überprüft werden», findet Kessler. «Eine Flugstunde stösst so viel CO2 aus, dass ein Auto mehrmals um die Welt fahren kann.» Das zeige, dass die Politik noch viel mehr bewirken könne als das Konsumverhalten des einzelnen Bürgers.

Laut Kessler ist sich die Klimabewegung aber nicht ganz grün beim Thema: «Es gibt auch Stimmen in unserer Bewegung, die aufgrund der Klimakrise mit zunehmenden militärischen Konflikten rechnen. Sie sprechen sich dafür aus, dass die Armee ihre Schlagkraft behält.»

«Klimakrise als Deckmantel»

Für FDP-Nationalrat Marcel Dobler ist klar: «Diese Kreise versuchen jetzt, ihre Interessen unter dem Deckmantel des Klimaschutzes durchzubringen. Sie schieben die Klimakrise vor, um ihre wahren Absichten zu verschleiern – nämlich die Abschaffung der Armee. So ehrlich sollten sie wenigstens sein bei dieser Argumentation.»

Wegen des CO2-Ausstosses keine Kampfflugzeuge zu kaufen, wäre absurd, so Dobler: «Bei einem Kampfjet ist die Leistungsfähigkeit entscheidend, um den Verfassungsauftrag zu erfüllen.» Mit leichteren oder ökologischeren Jets wäre es nicht möglich, Kampfeinsätze zu bestreiten. Dobler betont, VBS-Chefin Viola Amherd sei bemüht, die Armee «grüner» zu machen.

«Ein Kampfflugzeug braucht zudem etwa gleich viel Kerosin wie ein Passagierflugzeug», sagt Dobler. Im Gegensatz dazu dienten aber Kampfjets der nationalen Sicherheit und nicht der schnellen Fortbewegungsmöglichkeit von Privaten.

E-Eurofighter – deutsche Luftwaffe macht sich über Klimadiskussion lustig

Zum Verbrauch der vier möglichen neuen Kampfjet-Typen, die die Schweiz testete, kursieren unterschiedliche Zahlen. So macht Airbus, der Hersteller des Eurofighters, auf Anfrage von 20 Minuten keine Verbrauchsangaben. Beim Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) heisst es nur, man erhebe bei der Evaluation ganz viele Daten.

Die deutsche Luftwaffe hat sich übrigens in einem Aprilscherz über die Verbrauchsdiskussion bei Kampfjets lustig gemacht: Sie berichtet von der Entwicklung eines E-Eurofighters, den man auch an der Haushaltssteckdose laden könne (siehe Video unten).

(daw/rol)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter I am 25.09.2019 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Sonnst noch was?

    Lassen wir in Zukunft alle fremden Flugis einfach rein. Kann ja sein, dass dann eines in ein KKW oder EW einschlägt. Aber Hauptsache klimakonform gestorben. Da überlegen die Brüder und Schwestern der GSOA und die Klimaonkels und -tanten, nicht über die Nasenspitze raus.

    einklappen einklappen
  • Daisydream am 25.09.2019 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasser predigen...

    Ich würde mal vorschlagen, jeder Klimaaktivist gibt sein Smartphone, sein Tablet ab, fliegt schon gar nicht in die Ferien und reist auch nicht in der Weltgeschichte rum, um fürs Klima zu demonstrieren, denn auch das verbraucht Ressourcen. Sie gehen jeden Tag zu Fuss oder mit dem Velo, nein kein E-Velo, zur Schule oder zum Einkaufen oder in den Ausgang. Ausserdem kauft man nur noch Schweizer Produkte, ja auch bei der Kleidung. Denn der Kampf fürs Klima fängt immer bei einem selbst an.

  • Ursli am 25.09.2019 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    So weit weg von der Realität

    Wenn man soweit weg vom letzten Krieg ist, dann kommt man an den Punkt der Degeneration, wo Menschenleben weniger wert sind als die Außentemperatur. Konkret passiert das bei den Alten und Ungeborenen. Die kann man schon jetzt um die Ecke bringen und danach fürs Klima protestieren gehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kück am 25.09.2019 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heimatland

    Gibt es noch keine Elektro Jets?

  • Erich F. am 25.09.2019 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer möchte noch alles mitmachen

    Dank Gerda, hat jeder das Gefühl er müsse auch noch seine Meinung äussern und seinen Senf über alles streichen. Wer sind eigentlich die Drahtzieher und Gewinner in dieser Co 2 und Umweltschutz Kampagne. Der Büezer wohl kaum.

  • Fritz am 25.09.2019 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Lösung

    Interessant ist auch dass nun durch höhere Benzin/Öl-preise für's Klima gehandelt wird. Die mit genug Geld bezahlen die Erhöhung ohne Probleme. Die anderen mit Schwierigkeiten, HERZLICH WILLKOMMEN IN DER SICH IMMER MEHR ABZEICHNENDEN ZWEIKLASSENGESELLSCHAFT.. dazu kommt noch die Schüler fordern ohne zu liefern.

  • Mabon am 25.09.2019 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe....

    Ja, das stimmt die Kampfjets verbrauchen viel.. Jedoch werden wir immer eine Luftpolizei brauchen und haben. Wenn nicht unsere eigene, dann einfach eine Fremde.. und die fliegen auch nicht mit erneuerbarer Energie. Genau die gleichen, die nun demonstrieren, die fliegen danach mit dem Flugzeug in die Ferien..

  • MrX8600 am 25.09.2019 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit

    Und wer motzt als erstes wenn keine Sicherheit da ist? Ich sage mal nichts dazu