Kinderpornografie

19. November 2018 11:55; Akt: 19.11.2018 11:55 Print

Justiz ermittelt wegen Nackt-Selfies von Teenies

Nackt-Selfies gelten als verbotene Kinderpornografie. Im Kanton Zürich laufen deswegen Strafverfahren gegen Jugendliche, die die Bilder selbst machten.

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Die Mädchen versenden laut der Leitenden Jugendanwältin Alexandra Ott Müller die Bilder manchmal, weil sie glauben, ihr Freund wünsche das. (Bild: (Screenshot: Youtube/AdinaRivers/MyTinySecrets) )

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Die Jugendanwaltschaft des Kantons Zürich eröffnete in den letzten drei Jahren gegen 54 Minderjährige Strafverfahren wegen Sexting. Die 34 Jungen und 20 Mädchen hatten Nackt-Selfies, darunter auch Videos, hergestellt und diese weitergeleitet. Der «Tages-Anzeiger» beruft sich dabei auf Zahlen, die der Zeitung exklusiv vorliegen.

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Bei mehr als der Hälfte der Beschuldigten handelt es sich um unter 15-jährige Mädchen. Von den Buben war rund die Hälfte 15-jährig und älter. Der jüngste Beschuldigte war gerade einmal elf Jahre alt.

«Er hatte einen Wunsch: die Beine auseinander»

Ein Mädchen (13) berichtet: «Er hat mir gesagt, ich solle mein Geschlechtsteil fotografieren. Wir haben einander über Whatsapp geschrieben. Er hat mir geschrieben, ich soll ein Föteli machen, ganz. Gemeint war, dass ich mich ausziehe, nackt, und mich fotografiere. Er hatte einen Wunsch: die Beine auseinander. Ich lag auf dem Bett und fotografierte mich zwischen meinen Beinen. Ich habe mehrere Fotos gemacht, also fünf insgesamt mindestens. Die Brüste, die Scheide, die gespreizte Scheide, meinen ganzen nackten Körper.»

Nackt-Selfies von Minderjährigen gelten als verbotene Kinderpornografie. Sowohl Personen, die Nackt-Selfies herstellen oder speichern, als auch Personen, die solche verschicken, machen sich strafbar.

Total eröffnen die Jugendanwälte pro Jahr rund 4500 Strafverfahren gegen Minderjährige. Verbotene Pornografie macht dabei nur einen kleinen Anteil aus. Dennoch dürften die rund 20 Verfahren pro Jahr wegen Kinderpornografie nur die Spitze des Eisbergs sein, sagt die Leitende Jugendanwältin im Bericht. Die Dunkelziffer dürfte um ein Mehrfaches höher liegen.

Mädchen glaubten, Freund wolle Fotos

Seit 2013 liegen die Zahlen zwischen 39 und 99 Beschuldigten pro Jahr. Die Zahl der Beschuldigten schnelle nach oben, wenn die Bilder plötzlich sehr stark gestreut würden, erklärt Sarah Reimann, Sprecherin der Oberjugendanwaltschaft.

Dies war etwa der Fall, als sich ein Mädchen 2012 dabei filmte, wie es mit einer Eisteeflasche onanierte. Dessen rasante Verbreitung zog rund ein Dutzend Strafverfahren nach sich.

Die Mädchen versenden laut der Leitenden Jugendanwältin Alexandra Ott Müller die Bilder manchmal, weil sie glauben, ihr Freund wolle das. «Sie handeln quasi vorauseilend. Aber kaum eines der Mädchen macht die Fotos aus eigenem Antrieb.»

Oft verlangen die Jungs Bilder, indem sie drohen, Schluss zu machen, den Kontakt abzubrechen oder Aufnahmen, die sie bereits besitzen, an andere zu verteilen.

Nackt-Selfie als Trophäe

Für die Jungs sind die Nackt-Selfies eine Art Trophäe, die sie herumzeigen. Nur jeder vierte Beschuldigte behält die Aufnahmen für sich. 22 Prozent der Empfänger sind Kollegen; in jedem dritten Fall werden die Bilder via Chatgruppen an Drittpersonen weitergeleitet.

Die psychischen Folgen seien nicht zu unterschätzen, vor allem, wenn es kein Strafverfahren gebe, sagt Ott Müller. «Das ist wie bei sexuellem Missbrauch, der nicht aufgearbeitet wurde. Die Bilder können jederzeit wieder auftauchen.»

Erwischte werden in der Regel zu einer persönlichen Leistung in Form eines Medienkurses verurteilt. Meistens reicht das, damit die Jugendlichen künftig die Finger vom Sexting lassen.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten.


(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tony 16 am 19.11.2018 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht wie im Artikel

    Bin 16 Jahre alt. Und es ist nicht wie im Artikel geschrieben dass nur Jungs Druck machen, Mädchen genau so. Und die Bilder werden von den Mädels auch rumgezeigt. Verstehe nicht warum die jetzt als Opfer dargestellt werden, es hält sich nämlich die Waage.

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  • Mike Zac am 19.11.2018 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sogar im Erwachsenenalter

    diese Nacktselfie "Trophäe" galt sogar damals als die ersten Handys mit Kameras rauskamen. Heute muss das extreme Ausmasse haben.

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  • Toastbrot16 am 19.11.2018 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe mitmenschen

    Statt das man den 54 Jugendlichen mit einem Strafverfahren das ganze Leben ruiniert könnte man auch nach alternativen Lösungen suchen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Klartext am 19.11.2018 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht Klartext??

    Bitte schreibt doch einfach, dass es in der Schweiz Minderjährigen verboten ist, von sich Nacktaufnahmen zu machen. Das ist nämlich Herstellung von Kinderpornographie und genau darauf läuft die aktuelle Gesetzgebung raus! Also nochmals für alle zum Mitschreiben und Mitdenken: Minderjährigen ist es in der Schweiz VERBOTEN, von sich Nacktaufnahmen zu machen, Punkt, Amen, aus!!

  • Dismas am 19.11.2018 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist sehr wohl dekadent

    @Kathrin Walther Sie finden es also nicht dekant, wenn schon 13-jährige per Handy Nacktfotos ihrer Genitalien und ihres Körpers an Jungs schicken? Warum ist dann wohl das Versenden von Nackfotos Minderjähriger strafbar? Wozu soll das gut sein? Mir wäre es aber nie in den Sinn gekommen sowas zu tun, selbst wenn zu meiner Zeit die technischen Möglichkeiten existiert hätten. Es ist sehr wohl dekadent. Ich bin schon lange aus dem Teenageralter raus, aber trotzdem kommt es mir immer noch nicht in den Sinn Nackfotos per Handy zu versenden, ich kenne auch keinen normalen Menschen, der sowas tut.

  • M Mueller am 19.11.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    Eine 14 jährige Person darf Sex haben, sogar ein Kind zeugen. Aber wenn Sie davon ein Foto macht, ist es kriminell? Nur weil andere diese Bilder dann missbrauchen? Das machte noch nie Sinn.

  • Julian Marti am 19.11.2018 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dadurch das es verboten ist..

    ... Trauen sich betroffene nicht sich jemanden anzuvertrauen.. Das Gesetz soll vor Pädophilie schützen. Aber wen ein 15 jähriger eine 15 jährige Nackt sehen will, hat das rein garnichts mit Pädophilie zu tun.. Besser aufklären und offen über alles reden, anstatt es Gesetzlich zu verbieten, was nichts bringt, und dan keine kontrolle über das geschehen mehr zu haben.

  • Andy am 19.11.2018 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Mangel an Verantwortung

    Sowas passiert wenn man Minderährigen schon Smartphones in die Hand drückt. In dem Alter brauchts das einfach nicht. Besser auf den Sportplatz, Turnverein oder in die Pfadi schicken etc... Da lernt man wenigstens was sinnvolles und es fördert das Sozialleben. Nicht die Kindern gehören bestraft, sondern die Eltern welche sich nicht mehr dafür interessieren was ihre Kinder so treiben.

    • Jja Veve am 19.11.2018 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andy

      Ich hoffe sie haben keine kinder! Das Sozialleben wird ohne handy zu 100% verschlechtert. So traurig es ist aber ohne Handy kann mann mit den andern nicht mitreden und wird ausgegrenzt. Und ich kann das beurteilen bin erst 20ig

    • Bebbi am 19.11.2018 19:56 Report Diesen Beitrag melden

      Wunschdenken

      Ich wünsche mir auch eine Welt ohne Krieg...

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