Sorgen um Rente

28. August 2018 08:39; Akt: 29.08.2018 13:34 Print

Das tun die Jungparteien gegen die AHV-Ängste

von J. Käser - Die Altersvorsorge macht einer Mehrheit der unter 25-Jährigen Bauchweh. Jungpolitiker präsentieren ihre Rezepte, wie sie die Renten sichern wollen.

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Laut dem CS-Jugendbarometer ist die Altersvorsorge derzeit die Hauptsorge der 16- bis 25-Jährigen in der Schweiz. 53 Prozent machen sich Sorgen um ihre Rente. Das hat die repräsentative Befragung von 1021 Männern und Frauen ergeben. In den anderen Studien-Ländern, den USA, Brasilien und Singapur, schaffte es die Angst um die Rente nicht in die Top Ten.

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Gemäss Manuel Rybach, Leiter Public Affairs and Policy bei der Credit Suisse, haben die abgeschmetterte Reform der Altersvorsorge 2020 sowie die dazugehörige Debatte die Problematik stärker ins Bewusstsein der Jugendlichen gerufen. Rybach vermutet, dass die jungen Leute von den Politikern zeitnahe Lösungen erwarten. Doch welche Rezepte haben die Jungparteien von links bis rechts? Die Präsidenten sagen, wie sie dafür sorgen wollen, dass es auch in ein paar Jahrzehnten noch eine Rente gibt.

«Interessen der Jungen in Bern zu wenig wahrgenommen»

Der Präsident der Jungfreisinnigen, Andri Silberschmidt, hat an zahlreichen Schulpodien festgestellt, wie stark das Thema bewegt. «Es braucht eine strukturelle Reform, doch die Politiker in Bern weigern sich, nachhaltige Lösungen zu finden.» Die Jungen seien es, die noch am längsten in die AHV einzahlen müssten und schliesslich am wenigsten Gelder ausbezahlt bekommen würden. Die JFDP fordere deshalb eine generationengerechte Vorsorge, bei der sichergestellt werde, dass jeder, der ins System einzahle, auch AHV-Beträge zurückerhalte, so Silberschmidt.

Konkret sollen Anreize geschaffen werden, damit diejenigen, die wollen und können, bis einige Jahre über 65 arbeiten dürften. Zudem sei eine Schuldenbremse erforderlich, die wirke, sobald die AHV zu wenig Geld habe. «Die Stimme und die Interessen der Jungen werden in Bern zu wenig wahrgenommen. Die meisten Parlamentarier sind über 50», sagt der Präsident der Jungfreisinnigen und fordert: «Wir müssen uns mehr zu Wort melden.»

Juso fordert die Volkspension

Anders sieht das Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Ihrer Meinung nach besteht der Konflikt nicht zwischen Jung und Alt, sondern zwischen unten und oben. Die Reichsten hätten ein Interesse daran, die AHV austrocknen zu lassen, da man ab einem bestimmten Einkommen nicht mehr von der Altersvorsorge profitiere. «Die 300 reichsten Schweizer besitzen rund 674 Milliarden Franken und werden laufend noch reicher. Das merken auch die Jungen.»

Die Juso fordere die Abschaffung der Pensionskasse und eine sogenannte Volkspension, die nur aus der AHV bestehe. «Die AHV ist viel gerechter und benachteiligt weder Frauen noch Leute mit tiefem Einkommen», so Funiciello. Die Volkspension solle dafür sorgen, dass alle Menschen rund 5000 Franken pro Monat ausbezahlt bekommen. Eine Erhöhung des Rentenalters lehne die Juso entschieden ab.

Flexibilisierung des Rentenalters gefordert

JSVP-Präsident Benjamin Fischer sagt: «Momentan zahlen wir Jungen für die Alten. Die Altersvorsorge, wie sie jetzt ist, ist ein Versprechen an die jungen Leute, das niemals eingehalten werden kann.» Trotzdem sei er optimistisch, dass sich Jung und Alt bezüglich der Altersvorsorge finden werden. So habe er in letzter Zeit immer mehr ältere Politiker getroffen, die die Sorge der Jugendlichen verstehen würden.

«Wir brauchen ein AHV-System, das in sich funktioniert. Heute werden immer wieder neue, systemfremde Geldquellen hinzugezogen, das ist alles andere als nachhaltig», sagt Fischer. Die JSVP fordere deshalb eine Flexibilisierung des Rentenalters, wobei die Renten je nach Alter bei Renteneintritt tiefer oder höher ausfallen sollten. Zudem befürworte die JSVP eine Senkung des Umwandlungssatzes. Mit dem Umwandlungssatz wird die Höhe der jährlich ausbezahlten Rente in Abhängigkeit von der restlichen Lebenserwartung berechnet.

«Die Jungen müssen kämpfen»

Eine Flexibilisierung des Rentenalters wünscht sich auch Pascal Vuichard, Co-Präsident der JGLP: «Beispielsweise könnte eingeführt werden, dass ab nächstem Jahr jeder pro Jahr, das er noch arbeiten muss, einen Monat länger arbeitet.» Weiter sollte die Branche berücksichtigt werden. Jemand, der sein Leben lang auf dem Bau gearbeitet hat, wird mit 65 nicht mehr gleich fit sein wie jemand in einem KV-Job.

Wie Silberschmidt sieht auch Vuichard den Konflikt zwischen Jung und Alt. Er appelliert deshalb an die jungen Leute: «Wir müssen uns politisch einsetzen und kämpfen, damit die älteren Herren im Ständerat erkennen, dass sie die Interessen der Jugendlichen ernst nehmen und vor allem etwas verändern müssen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris84 am 28.08.2018 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umverteilung? Nein danke

    Die JUSO studiert einmal mehr keinen Meter weit. Was soll genau daran gerecht sein? Ich glaube kaum dass es fair wäre, wenn jemand der sich weitergebildet hat gleich viel Rente erhält, wie jemand, der nicht so viel Zeit und Geld in seine Zukunft investierte. Das nennt man Umverteilung und das ist Gift für den gesellschaftlichen Frieden. Weiterbildung täte auch den JUSO gut, dann würde die Zeit für solchen Schwachsinn fehlen.

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  • Marion am 28.08.2018 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Transparenz hilft erst mal

    Es werden immer mehr EL aus der AHV bezahlt und das an Leute, die nie adäquat in die AHV eingezahlt haben. So kann das nicht weiter gehen. Die EL sind von der AHV auszuschliessen. Dies als erster Schritt zu mehr Transparenz, was alles aus dem grossen Topf AHV bezahlt wird.

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  • Armin am 28.08.2018 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr arbeiten, anstatt schreien

    Was haben die 300 reichsten Schweizer mit der AHV eines Volkes zu tun? Das Geschwätz von der Funiciello geht wieder mal meilenweit an der Realität vorbei und ist katastrophal für den Mittelstand. Stattdessen täte sie und ihre teilweise schwer erziehbaren MitgenossInnen besser daran, möglichst viel zu Arbeiten und möglichst viel AHV und Pensionskasse zu bezahlen, anstatt diese abzuschaffen und/oder in der Reithalle und Kochareal etc. illegale Bars zu betreiben, die keinen Rappen an den Staatshaushalt leisten (AHV, MwSt., EO, etc.) und sich dann perverserweise gar noch als "sozial" bezeichnen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Brändu am 28.08.2018 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    100%

    ja ich hätte auch Angst wenn ich sehe dass viele Junge nicht mehr 100% arbeiten wollen mit einem Arbeitspensum von 60 - 80% wird das ein Problem geben

  • wie ist deine Meinung? am 28.08.2018 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung ist:

    Fuzinello gehört nicht in die Politik.

  • Fred am 28.08.2018 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Richtung

    rechts ist, wenn jeder die gleichen Chancen hat und die gleichen Möglichkeiten, was draus zu machen hängt von einem selber ab. Links ist wenn jeder am Ende gleich ist, egal ob er Zeit seines Lebens in der Hängematte liegt oder im Stress gearbeitet hat. So sieht man das bei den Parteien. Ich denke dass es eine Mischung braucht weil jeder kann Pech haben und die Gesellschaft sollte Menschen auffangen. Extrem links sah man in der Sovietunion, niemand strengt sich mehr an, extrem rechts sieht man in Schwellenländern und wo es keinerlei sozialen Netz gibt. Je weiter links desto weniger Freiheit.

  • Amadeus99 am 28.08.2018 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat nicht Fähig!

    Sorry, es heisst immer nur die Jungen! Zwei Generationen vor uns zahlten nie oder nur wenig in die AHV ein, damals musste die nächste und übernächste Generation für sie Bezahlen, uns ging es nicht anders als den Jungen heute und damals verdienten wir viel weniger! Es ist ein Solidarisches Werk und wer nicht versteht was Solidarisch heisst oder ist, der soll sich bitte mal informieren! Heute sind nur noch Egoisten auf der Welt, die nur für sich schauen, so kann es aber nicht Funktionieren! In anderen Länder gibt es weder AHV, Pension oder Sozialämter, mal schon daran gefacht?

  • PJM am 28.08.2018 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Differenz 10 Milliarden Franken

    Die Frauen zahlen jährlich weniger als 10 Milliarden Franken in die AHV ein beziehen aber 19,4 Milliarden Franken. Das macht eine Differenz von ca. 10 Milliarden Franken.