Umstrittene Entwicklung

14. Juni 2011 10:20; Akt: 14.06.2011 11:33 Print

5445 Personen zahlen pauschal Steuern

Die Anzahl Pauschalbesteuerter in der Schweiz nimmt weiter zu. Damit auch die Erträge. Jedoch verlangsamt sich die Zunahme, wie die neuesten Zahlen zeigen.

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Die Zahl der Pauschalbesteuerten ist 2010 weiterhin gestiegen, aber langsamer als früher. Das zeigen Erhebungen der kantonalen Finanzdirektoren für 2006, 2008 und 2010. Auch der Ertrag aus pauschalen Besteuerungen hat langsamer zugenommen.

Ende 2010 gab es insgesamt 5445 nach Aufwand oder pauschal Besteuerte. Das waren 8,8 Prozent mehr als 2008, wie die Konferenz der kantonalen Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren (FDK) am Dienstag mitteilte. Im Zeitraum 2006 bis 2008 hatte die Zunahme noch mehr als 20 Prozent betragen.

FDK hat keine Erklärung

Der Ertrag der Pauschalbesteuerungen stieg zwischen 2008 und 2010 um 15,6 Prozent auf 668 Millionen Franken für Bund, Kantone und Gemeinden zusammen. Auch bei den Einnahmen verlangsamte sich das Wachstum: Von 2006 bis 2008 hatte der Ertrag aus den Besteuerungen nach Aufwand noch um 47,5 Prozent zugenommen.

Für die verlangsamte Zunahme hat die FDK keine Erklärung, wie Sekretär Andreas Huber-Schlatter der Nachrichtenagentur SDA sagte. Ob die Diskussionen über die Abschaffung oder die Reform der Pauschalbesteuerung Zuzüger abhalte oder ob es an geeigneten Liegenschaften fehle - darüber lasse sich nur spekulieren.

Im Kanton Zürich, der die Besteuerung nach Aufwand 2010 abschaffte, wirkte sich dies aus: Von den 201 Steuerpflichtigen, die Ende 2008 nach Aufwand besteuert wurden, verliessen 92 bis Ende 2010 den Kanton, wie bei der Finanzdirektion zu erfahren war. Zu den Auswirkungen auf den Zürcher Steuerertrag gab es keine Angaben.

Umstritten

Die Pauschalbesteuerung bleibt umstritten: In verschiedenen weiteren Kantonen sind Initiativen zu deren Abschaffung hängig, und auf Bundesebene sammelt die Alternative Linke seit Mitte April Unterschriften. Ihre Volksinitiative trägt den Titel «Schluss mit Steuerprivilegien für Millionäre (Abschaffung der Pauschalbesteuerung)».

Der Bundesrat und die FDK wollen die Pauschalbesteuerung nicht abschaffen, aber reformieren. Die Änderungen sollen zusätzliche Steuereinnahmen generieren. Die Finanzdirektoren hatten nach dem Nein in Zürich zur Pauschalbesteuerung Reformen vorgeschlagen.

Höhere Mindestansätze

Konkret soll der besteuerte Aufwand für die direkte Bundessteuer und die kantonalen Steuern mindestens das Siebenfache der Wohnkosten (heute: das Fünffache) beziehungsweise das Dreifache des Pensionspreises (heute: das Doppelte) betragen.

Weiter soll bei der direkten Bundessteuer ein minimales steuerbares Einkommen von 400 000 Franken gelten. Auch die Kantone sollen einen Mindestbetrag für das anzurechnende steuerbare Einkommen festlegen müssen. Berücksichtigen müssen die Kantone bei der Pauschalbesteuerung künftig auch die Vermögenssteuer.

Der entsprechende Gesetzesvorschlag des Bundesrates befand sich bis Dezember 2010 in der Vernehmlassung.

Mehr Ertrag pro Person

Zugenommen hat über die Jahre der Steuerertrag pro besteuerte Person: Lieferte jede von ihnen 2006 im Mittel noch 94 549 Franken ab, waren es 2008 115 531 und 2010 122 681 Franken. Die tiefste abgelieferte Steuer belief sich 2010 auf 10 000 Franken, die höchste auf knapp 12 Millionen, nämlich 11 969 000 Franken.

Die Zahl der Pauschalbesteuerten variiert von Kanton zu Kanton stark: Spitzenreiter waren 2010 die Waadt mit 1397 und das Wallis mit 1162 nach Aufwand Besteuerten.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urban Egloff am 14.06.2011 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Verfassung ausgehebelt?

    Ich dachte eigentlich immer unsere Verfassung garantiert gleiches Recht und Pflichten für Alle, eigenartig wie unsere Regierung mit unserer Verfassung umgeht, bei den Steuern soll das nicht mehr gelten?

  • Peter Müller am 14.06.2011 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Steuer ist ungesetzlich!

    Unsere Gesetze sehen vor, dass jede Person aufgrund ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit besteuert wird. Die Pauschalbesteuerung ist daher nicht nur ungesetzlich, sondern auch unfair. Es ist in der Tat diskriminierend gegen die Einheimischen und legitmiert diese, sich auch nicht an die Gesetze zu halten, sprich Steuern und sonstige Abgaben zu hinterziehen wo immer sie die Möglichkeit dazu haben, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

  • Marc-Andrè am 14.06.2011 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Beibehalten aber erhöhen

    Die Pauschalbesteuerung hat durchaus ihre Berechtigung, aber wir sollten uns auch nicht zu billig verkaufen. Deshalb: beibehalten, aber in Zukunft die Ansätze verfünffachen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc-Andrè am 14.06.2011 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Beibehalten aber erhöhen

    Die Pauschalbesteuerung hat durchaus ihre Berechtigung, aber wir sollten uns auch nicht zu billig verkaufen. Deshalb: beibehalten, aber in Zukunft die Ansätze verfünffachen!

  • Pedro am 14.06.2011 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Pauschalbesteuerung beibehalten ....

    Eigentlich schon verrückt, dass man wegen 0.07% der CH-Bevölkerung einen solchen Aufstand macht. Nicht zu vergessen, dass es sich dabei um Leute handelt, die Ihr Geld in Ihrem Arbeitsleben verdient haben und jetzt in der Schweiz ausgeben wollen. Warum eigentlich nicht? Es handelt sich dabei um Personen deren Kaufkraft um einiges höher liegt und unserer Wirtschaft und dem BSP nur gut tun kann.

    • dixi am 14.06.2011 15:01 Report Diesen Beitrag melden

      jaja

      und auf der anderen Seite wird gejammert, dass die Bodenpreise immer teurer werden!

    einklappen einklappen
  • Alex H. am 14.06.2011 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Pauschalbesteuerung ist gut.

    Aufgrund von Neid möchten die Linken die Pauschalbesteuerung abschaffen. Dabei werden so viele Arbeitsplätze geschaffen und gäbe bei Abschaffung viele Steuerausfälle. Lassen wir uns nicht verführen von linkem Populismus!

    • Hansjakobli am 14.06.2011 12:39 Report Diesen Beitrag melden

      Volle Zustimmug

      Genau !! Die Linken sind schuld!!!

    • Michael B. am 14.06.2011 14:51 Report Diesen Beitrag melden

      Genau :D

      Natürlich, die Linken sind schuld. Super Arrgumentation! Denken, nicht nachplappern!!!

    einklappen einklappen
  • (S)Teuer Paradies am 14.06.2011 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    tiefste abgelieferte Steuer 10'000 !!!

    Soviel bezahlt ja jeder Normalbürger. Es sollte ebenso eine Mindest Steuer geben. Wo Herr und Frau Schweizer dann sagen können. Ja der bezahlt ja 10x so viel, dann ist es ok. Aber sicher nicht der bezahlt noch weniger als ich! Gehts noch!

    • Roger am 14.06.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      Nun, wer sagt denn, dass derjenige, der 10000 abliefert mehr verdient als der Normalbürger? Die Pauschalsteuer wurde seinerzeit eingeführt um den Ablauf zu vereinfachen und zwar nicht nur bei Top-Shots sondern bei Ausländern ohne Erwerbseinkommen in der Schweiz generell.

    einklappen einklappen
  • Urban Egloff am 14.06.2011 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Verfassung ausgehebelt?

    Ich dachte eigentlich immer unsere Verfassung garantiert gleiches Recht und Pflichten für Alle, eigenartig wie unsere Regierung mit unserer Verfassung umgeht, bei den Steuern soll das nicht mehr gelten?