Umfrage

25. September 2018 16:47; Akt: 25.09.2018 16:47 Print

59 Prozent für Initiative gegen Massentierhaltung

Eine Mehrheit will der «Massentierhaltung» ein Ende setzen. Der Bauernverband betont, die Schweiz kenne anders als die EU keine Ställe mit Hunderttausenden von Tieren.

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Nach dem Nein zu Fair Food ist die nächste Initiative für eine tierfreundliche Landwirtschaft bereits lanciert: Derzeit sammelt der Verein Sentience Politics Unterschriften gegen Massentierhaltung in der Schweiz. Konkret verlangt die Initiative, dass nach einer Übergangsfrist von 25 Jahren alle Landwirtschaftsbetriebe die Tiere nach den heutigen Bio-Suisse-Richtlinien halten. Diese Standards sollen auch für importiertes Fleisch gelten.

Laut der Tamedia-Umfrage trifft die Forderung bei den Stimmbürgern einen Nerv: Derzeit würden sie 59 Prozent eher oder sicher unterstützen.

«Bestände sind schon limitiert»

Markus Ritter, CVP-Nationalrat und Präsident des Bauernverbandes, ist überrascht, dass ausgerechnet in der Schweiz Unterschriften gegen «Massentierhaltung» gesammelt werden: «Wir haben ja bereits – als einziges Land in Europa – limitierte Bestände.» Während in der Schweiz beispielsweise gemäss der Höchstbestandesverordnung maximal 18’000 Hühner gehalten werden dürften, gebe es in der EU Betriebe mit mehreren 100’000 Tieren. «In Ostdeutschland kenne ich Betriebe mit über 60’000 Schweinen. Das ist in der Schweiz undenkbar.» In der Schweiz müsse zudem «jeder Betrieb den Nachweis für den bedarfsgerechten Einsatz des anfallenden Hofdüngers auf den landwirtschaftlichen Kulturen nachweisen können».

Das Bio-Huhn lebt auf einer 16-Zentimer-Stange

«Diese Dinge können wir der Bevölkerung gut erklären. Das Resultat der Umfrage beunruhigt mich daher nicht.» Müssten alle Betriebe nach Bio-Standards produzieren, werde das Fleisch tatsächlich um 20 bis 30 Prozent teurer, sagt der Bio-Bauer. Er ist der Meinung, dass sich das Angebot von Bio-Fleisch nach der Nachfrage der Konsumenten richten sollte. «Sie sollen entscheiden, nicht der Staat.»

27’000 Masthühner in einem Stall

Mut macht die Umfrage dagegen Meret Schneider, Grünen-Politikerin und Co-Geschäftsleiterin von Sentience Politics: «Das Anliegen kommt auf der Strasse super an – nicht nur bei Linken. Mir schreiben SVP-Mitglieder, dass sie für unsere Initiative seien.» Die Schweiz sei alles andere als ein Paradies für Nutztiere. Heute könne man in der Schweiz rund 14 Hühner auf einem Quadratmeter, 18’000 Legehennen und 27’000 Masthühner in einem Stall halten. 50 Prozent der Schweine kämen nie ans Tageslicht. «Das Argument, dass es anderswo noch viel schlimmer sei, ist nicht angebracht.»

Man habe bereits über 20’000 Unterschriften gesammelt. Bis November 2019 müssen es 100’000 sein, damit die Initiative vors Volk kommt.

Zur Umfrage: 8499 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 21. und 23. September online an der Tamedia-Nachbefragung zu den eidgenössischen Vorlagen vom 23. September teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 2,7 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen gibts hier.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Logistiker am 25.09.2018 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logik

    Jaja, gegen Massentierhaltung aber keiner möchte mehr für sein Fleisch bezahlen. So eine Rechnung geht nicht auf meine Damen und Herren.

    einklappen einklappen
  • Dario am 25.09.2018 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wird eh auch verworfen

    Alles was im ersten Moment teurer wird für den Schweizer Konsumenten wird eh abgelehnt. Hauptsache die Kohle reicht fürs I-Phone X, und den neusten Flitzer. Fleisch hingegen bitte so billig wie möglich. Wen juckt es da schon wie das Tier vor der Schlachtung gehalten wurde?!

    einklappen einklappen
  • Spitzmaus am 25.09.2018 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    abstimmen gehen!

    ja, ja heute sind alle dagegen und bei der Abstimmung ist dann alles anders

Die neusten Leser-Kommentare

  • Betroffenr am 25.09.2018 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft billig Fleisch aus Polen da interessierts

    Die schweizer Bauern sind schon heute strengen Tierschutzvorschriften und Kontrollen unterstellt. Gewisse Vorschriften z. b. Die Vorschriften für Bio Freilandhennen verursachen Kopfschütteln in Branchen welche sich mit dieser Situation täglich auseinandersetzen, ich inbegriffen, Setzen sie sich zuerst mal selbst mit Ihren eigenen Forderungen PRAKTISCH auseinander bevor Sie sich mit solchen (teils beinahe) unumsetzbaren Ideen an die Öffentlichkeit wenden und wiederholt für einen Aufschrei einer stets Fordernden, unwissenden, Gesellschaft sorgen.

  • T.Rauer am 25.09.2018 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlichtweg egal

    Ich glaube nicht mehr an das Mitgefühl der Menschen gegenüber anderen Lebewesen.Ob die Tiere leiden oder nicht ist den meisten Menschen schlichtweg egal.Hauptsache billig und viel Fleisch.Ich ertrage die Menschen immer weniger,es wird mit jedem Tag schlimmer.

  • Röschu am 25.09.2018 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na klar

    Wollen jetzt eigendlich alle die schweizer wirtschaft zu grunde richten? In anderen teilen der welt sieht es noch viel schlimmer aus aber wir müssen ja unbedingt etwas dagegen machen als könnten wor damit die welt veräbderen

  • Tierlifrönd am 25.09.2018 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Makaber

    Und wenn's ums Geld geht, krebsen die meisten wieder zurück!

  • Techniker am 25.09.2018 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Möglich?

    Jaja genau keine Massentierhaltung. Und dann müssen sich die Tiere auch noch im freien bewegen können und ans Tageslicht... Nur der Konsument will nicht mehr fürs Fleisch bezahlen, und die Geruchs- und Ammoniakemissionen will auch niemand. Liebe Leute das ist nicht möglich... aber unsere Politiker können ja bekanntlich alles!?