Initiativ-Text

15. Oktober 2019 09:59; Akt: 15.10.2019 10:15 Print

5G-Gegner wollen ÖV-Plätze mit Handyverbot

Im Bundesblatt wurde heute ein Initiativ-Text veröffentlicht, der sich mit dem Thema 5G befasst. Die Initianten wollen das Netz künftig verstärkt regulieren.

Bildstrecke im Grossformat »
5G ist der Nachfolger von 4G. Mit dem neuen Mobilfunkstandard können Daten bis zu 100-mal schneller als mit 4G gesendet werden. Dank einer verringerten Reaktionszeit können Prozesse in Echtzeit aus der Ferne gesteuert werden. Das macht neue Technologien wie etwa selbstfahrende Autos in der Zukunft erst möglich. Für 5G in der Schweiz werden aktuell die Frequenzen um 3,5 GHz genutzt. Für 2G, 3G und 4G sind oder waren Frequenzen zwischen 800 MHz und 2,6 GHz im Einsatz. Demonstranten protestieren gegen den Ausbau des 5G-Netzes bei der nationalen Kundgebung «Stop 5G» am Freitag, 10. Mai 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer) Die aktuellen 5G-Frequenzen befinden sich laut dem Bundesamt für Kommunikation im gleichen Spektrum wie jene von 4G. Vergleichbar sind sie mit Frequenzen von drahtlosen Netzwerken (WLAN). Längerfristig könnten hierzulande für 5G zudem Millimeterwellen – über 24 GHz – dazukommen. Zurzeit sind diese aber nicht für den Mobilfunk freigegeben. Ein aktuelles Einsatzgebiet für Millimeterwellen sind zum Beispiel die Körperscanner am Flughafen, die auf 77 GHz betrieben werden. Doch der Mobilfunkstandard 5G ist umstritten. So gab es hierzulande Kundgebungen, die einen Ausbaustop fordern. Zum Thema existieren einerseits berechtigte Ängste, aber auch wilde Befürchtungen. Das Magazin «Pro Natura» berichtet in der aktuellen Ausgabe, dass Insekten, insbesondere Honigbienen, die elektromagnetische Strahlung im Bereich der 5G-Strahlung stärker absorbieren. «Es gibt eine reine Modellierungsstudie zu Insekten, die zeigt, dass im Millimeterwellenbereich – nicht das heutige 5G – die Absorption bei Insekten etwas höher ist, da die kleinen Strukturen, dann in Resonanz mit der Wellenlänge sind und wie eine Antenne funktionieren. Ob das ein Problem für die Insekten ist, ist aber unklar und konnte noch nie gezeigt werden», so Martin Röösli, Professor für Umweltepidemiologie des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts.. Demonstranten protestieren gegen den Ausbau des 5G-Netzes bei der nationalen Kundgebung «Stop 5G» am Freitag, 10. Mai 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer) Zwar strahlt eine Antenne viel stärker, als ein Handy. Doch sind wir unseren Smartphones viel näher als den Antennen. «Für die Handynutzer ist das Gerät die Hauptstrahlungsquelle. Nutzt man das Gerät pro Tag eine Stunde für Internet und 5 Minuten, um zu telefonieren, so stammen 90 bis 95 Prozent der Strahlenbelastung vom eigenen Handy», so Röösli. Je weiter das Handy vom Körper entfernt ist, desto besser – und desto weniger Strahlung kriegt man ab. Dies kann erreicht werden, wenn man fürs Telefonieren zum Beispiel die im Telefon integrierte Freisprecheinrichtung oder einen Kopfhörer nutzt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Gegner von 5G wollen den neuen Mobilfunkstandard mit einer Volksinitiative stoppen. Die Bundeskanzlei hat den Initiativtext vorgeprüft und am Dienstag im Bundesblatt veröffentlicht. Damit ist der Startschuss für die Unterschriftensammlung gefallen.

Umfrage
Was halten Sie von 5G?

Die Initiative «Für einen gesundheitsverträglichen und stromsparenden Mobilfunk» will die Erhöhung der Anlagegrenzwerte für nichtionisierende Strahlung verbieten. Dieses Verbot soll auch nicht durch neue Messverfahren umgangen werden können.

Zudem soll die Versorgung mit Mobilfunk und Internet in draussen und drinnen aufgeteilt werden. Die Leistung von Mobilfunksendern und drahtlosen lokalen Netzwerken müsste bei einer Annahme so herabgesetzt werden, dass die Strahlung die Gebäudehülle nicht durchdringen kann. Im Gebäudeinneren sollen Daten funkfrei durch Glasfaser- oder Koaxialkabel übertragen werden.

Einwilligung nötig

Private hochfrequente Strahlungsquellen sollen so reglementiert werden, dass keine Funkstrahlung in benachbarte Räume dringen kann. Nicht sichtbare Sendestationen müssten markiert und deren Daten veröffentlicht werden. Wenn Fernmeldefirmen neue Anlagen aufstellen oder die Leistung bestehender Anlagen erhöhen wollen, müssten sie die schriftliche Einwilligung der Anwohner in einem Umkreis von 400 Metern einholen.

Weiter verlangt die Initiative Sitzplätze in öffentlichen Verkehrsmitteln, an welchen die Verwendung elektronischer Geräte untersagt ist. In öffentlichen Gebäuden müssten Räume eingerichtet werden, die frei von elektromagnetischer Strahlung sind.

Den Initiantinnen und Initianten geht es unter anderem um den Schutz von Personen, die unter Elektrosensibilität leiden. Gemäss Initiative müssen diese unentgeltlich Zugang zu unabhängigen Beratungsstellen haben. Der Bund soll die Bevölkerung über die Gesundheitsgefährdung durch nichtionisierende Strahlung, mögliche Schutzvorkehrungen und die Symptome einer Elektrosensibilität aufklären müssen.

Mehr Leistung

Die Sammelfrist läuft bis am 15. April 2021. Hinter der Initiative steht das Bürgerkomitee «Mobilfunk-Initiative». Der neue Mobilfunkstandard erregt die Gemüter seit Jahren. Vor einem Monat hatten mehrere tausend Menschen in Bern gegen dessen Einführung protestiert. 5G sei «ein Verbrechen gegen Menschenrechte», hiess es.

Der Mobilfunkstandard macht das mobile Surfen im Internet etwa 100 Mal schneller als 4G. Zudem werden die Antwortzeiten viel kürzer, was eine Voraussetzung für autonomes Fahren mit vernetzten Autos und andere Technologien ist. Andererseits dringen die hohen Frequenzen weniger gut ins Gebäudeinnere, weshalb tendenziell höhere Sendeleistungen oder ein dichteres Netz nötig sind.

(doz/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani B. am 15.10.2019 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schritt Eins wäre dann

    ...überhaupt Plätze im ÖV zu haben.

    einklappen einklappen
  • Samy am 15.10.2019 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr übertreibt es!

    Plätze mit Mobilfunkfreien Zonen? Strahlung herabsetzen, dass es nicht mehr in die Gebäude dringt? Sorry, aber dann kann man das Handynetz ganz abschalten. Man kann es langsam auch übertreiben. Ich hoffe nur, dass jeder dieser Initiaten der Initiative kein Handy nutzt. Die Wahrheit wird ziemlich sicher ganz anders aussehen. Oh wehe, man hat mal kein Empfang und kann nichts auf Facebook posten usw. Achtet mal im ÖV, gerade morgens und abends. Praktisch jeder, ohne zu übertreiben, fast jeder sitzt auf dem Sitz im Bus/Zug/Tram und hat das Smartphone zur Hand.

    einklappen einklappen
  • Pascal B. am 15.10.2019 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Zuhause nur noch LAN?

    Zuhause nur noch per Koaxial Kabel? Und was macht man mit allen mobilen Geräten, Smart Home, Smartphones, Tablets, modernen Laptops (mein MacBook hat keinen Anschluss mehr) und Konsolen? Hört doch mal auf 20 Jahre technologischen Fortschritt wieder ins Mittelalter zu katapultieren. Schlimm genug dass es wieder Leute gibt die denken die Erde wäre ein Scheibe...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • A. Hecht am 16.10.2019 20:16 Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
    • Bartli am 16.10.2019 23:34 Report Diesen Beitrag melden

      Tiefenpsychologie?

      Die Wirkung des Bildes, toll was? Was soll das bezwecken?

    einklappen einklappen
  • Kinta Kunte am 16.10.2019 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    7x24 365 Tage gesund ?

    Gute Nachrichten. Handysucht kann geheilt werden. Bekommen alle Krebs und sterben.

  • Lady Unantastbar am 16.10.2019 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Handyfreie Zonen im ÖV?! Dann nehme ich lieber etwas Geld in die Hand und steige aufs Auto um! Sonst muss ich mich ja noch mit Menschen unterhalten!

  • David am 16.10.2019 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    wer hat dies finanziert?

    Schaue mal genau wer dahinter steckt, USA! wir sind einfach ausgenutzt.

    • Rufer in der Wüste am 16.10.2019 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      @David

      Ähm..? Was genau wollen Sie uns denn damit sagen? Das uns die USA "todstrahlen" will oder was?

    • Toni K. am 16.10.2019 21:23 Report Diesen Beitrag melden

      @David

      Ich denke Trumps Sanktionen gegen Huawei ist das einzige was G5 stoppen kann. Die Neue Weltordnung ist nach China umgezogen, da wird wohl die Spionage und das wahnsinnig machen auch von China aus gesteuert.

    einklappen einklappen
  • Guggi am 16.10.2019 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Technikgegner anno 1800

    Ebenso gestrickte Technikgegner wollten anno 18irgendwas die Eisenbahn verbieten, weil die "unglaubliche" Geschwindigkeit von 35km/h die Gesundheit der Menschen ernstlich gefährden würde. Think about that. Ausserdem müsste es einem ja auch zu denken geben, dass seit über 20 Jahre nun die Geschichte mit den Handystrahlen bearbeitet wird, und entgegen aller Prognosen weder Krebserkrankungen exponentiell zugenommen haben, noch andere Prophezeiungen wie zunehmende Unfruchtbarkeit der Männer eingetroffen wären.

    • 1234 am 16.10.2019 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Guggi

      Vergleich doch nicht physikalische Grundgesetzte wie Geschwindigkeit mit etwas wie Strahlung die ins innere des Gewebes eindringen kann. Apfel mit Bananen vergleichen ist sinnlos. Und künstliche, pulsirende Strahlung muss man auch nicht mit der Sonnenstrahlung vergleichen mit welcher das Leben seither auf der Erde aufgewachsen ist. Wir machen etwas neues was es bisher noch nicht gab.

    • Olimimus am 16.10.2019 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @1234

      ähm? es gibt keine künstliche strahlung.. jegliche art von strahlung ist natürlich. auch gepulste energie ist natürlich - was meinst du, woher haben die Pulsare ihren namen? Es ist reine physik - nicht mehr und auch nicht weniger. An dem Ganzen gibt es nichts mystisches, kein Zauber, keine Magie.

    • Rufer in der Wüste am 16.10.2019 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Guggi

      Also bitte? Physikalische Grundgesetze finden auch auf Strahlung Anwendung. Wenn Sie schon zum Thema Grundgesetze der Phyisk etwas sagen wollen, dann aber bitte schon korrekt. Im Übrigen sind Lichtwellen auch "pulsierend" und das nennt man Wellenlänge. Das für uns sichtbare Licht ist ein Spektrum von elektromagnetischen Wellen die ebenfalls zur nicht-ionisierenden Strahlung gehört. Die Wellenlänge beinflusst direkt die Frequenz. Und nein wir machen nichts Neues. Unser Universum strahlt in sämtlichen uns bekannten Wellenlängen Frequenzbereichen.

    • dave am 16.10.2019 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Guggi

      Wow, einen sachlich korrekten Kommentar sieht man leider selten, gut dass wenigstens einer vernünftig ist ;)

    • Club Greta am 16.10.2019 18:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Guggi - Krebserregend in Tierversuchen

      Das Handystrahlung krebserregend ist wurde bereits mit Tierversuchen bestätigt. Die WHO hat Hamdystrahlung als bedingt Krebserregend taxiert.

    • Olimimus am 16.10.2019 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Club Greta

      Sory, aber wieso wird das immer wieder so zurecht gelogen wie es den gegnern passt?Weder die Messmethodik, noch die ässeren Umstände waren sauber dokumentert. Reproduktion der Ergebnisse gelang nicht. Ergebnis nur bei Ratten, nicht bei Möusen.. nur bei männlichen Tieren, nicht bei weiblichen. Und selbst da waren alle Tiere der Control Gruppe vor den Tieren der Case Gruppe gestorben. Zusätzlich: Welche Frequenzen? Welche Leistungen? Distanzen zu der Quelle? Dauer der Bestrahlung? unter beweisen erwarte ich etwas weltweit mehrfach reproduzierbares... keine haltlosen Behauptungen.

    • Bartli am 16.10.2019 23:40 Report Diesen Beitrag melden

      Grösstes Experiment ever, kriminell

      Olimimus alles natürlich, auch das Pulisieren der Microwellentechnologie. Klar doch. Nur aber noch zusätzlich zum dem was natürlich und das millionenfach!!! Braucht das unser Organismus? Denek eher nicht.

    einklappen einklappen