Auf und davon

11. Juli 2018 07:56; Akt: 11.07.2018 09:36 Print

«Ich bin nur wegen der Liebe ausgewandert»

Laut einer Typologie gibt es sieben häufige Gründe, um auszuwandern. Drei Leser mit unterschiedlichen Beweggründen erzählen.

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Die Expat-Plattform Internations hat über 18'000 Auswanderer aus 187 Ländern befragt, warum es sie ins Ausland gezogen hat. Internations machte sieben Auswanderertypen aus. Drei Leser erzählen, was sie dazu bewogen hat, ihr Glück in der Fremde zu suchen.

Typ Romantikerin: Aline Hovagimian (26)

«Ich bin wegen meines Verlobten nach Sydney ausgewandert. Vor vier Jahren hatte ich dort einen Sprachaufenthalt gemacht und wollte ein Jahr bleiben – doch dann habe ich im Ausgang meinen zukünftigen Mann kennen gelernt. Wir haben diesen Sommer ein Haus in der Nähe von Sydney gekauft und werden bald heiraten.

Das Land ist sehr schön und ich hatte Glück, einen guten Job zu finden. Da ich entfernte Verwandte in Australien habe, war es für mich einfach, eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. Ich arbeite als Geldwäscherei-Ermittlerin für eine Bank. So gut es mir in Australien gefällt, ich möchte gern zurück in die Schweiz. Ich vermisse meine Familie. Mein Verlobter, der an der Universität im Bereich Naturwissenschaften forscht, hat jedoch Angst, dort keinen Job zu finden, deshalb ist er noch zurückhaltend.

Immerhin feiern wir unsere Hochzeit in der Schweiz. Mein Verlobter hat das vorgeschlagen, damit seine Verwandten sehen, wo ich aufgewachsen bin.»

Typ Karrieremensch: M. F.* (37)

«Ich habe in der Schweiz eine Lehre als Informatiker gemacht. Nach einigen Jahren Berufserfahrung wollte ich mich als Teamleiter bewerben, bekam jedoch nur Absagen, weil ein Studium gefordert wurde. Nach Gesprächen mit Kollegen war mir klar: In der Schweiz komme ich trotz Erfahrung nicht weiter. Deshalb bin ich 2010 nach London ausgewandert. Schon nach kurzer Suche fand ich einen Job als IT-Supporter.

Zwar war der Job unter meinen Fähigkeiten. Aber ich habe ihn angenommen, weil ich wusste, dass ich profitierte und in London schnell aufsteigen kann. Tatsächlich legen Firmen in England viel weniger den Fokus auf den Abschluss auf dem Papier: Nach zwei Jahren führte ich fünf Leute, heute ist es ein globales Team von 27 Personen. Und das Beste: Momentan mache ich an der London Business School noch einen Master, was hier problemlos neben einem Vollzeitjob möglich ist.

Ich bereue den Schritt keine Sekunde. Von Freunden und Familie wurde ich stets dazu ermuntert, zu tun, was mir guttut. Doch nicht nur aus Karrieresicht hat sich der Schritt gelohnt: Ich habe viele gute Freunde hier gefunden. Und eine Pointe zum Schluss: Ich bin derzeit in einer Beziehung mit einer Frau, die in der Schweiz lebt. Ich reise nun also alle paar Wochen zurück in die alte Heimat.»

Typ Optimierer: Familie L*. (28 und 29)

«Wir sind als Familie mit zwei Kindern vor einem Jahr nach Norwegen ausgewandert und sehen uns als Optimierer. Wir sind ausgewandert, weil wir unseren Kindern Chancen im Leben geben wollen, ohne dabei uns selber zu überarbeiten und damit wichtige Familienzeit zu verlieren.

Meine Frau (29) und ich (28) waren im unteren Mittelstand und kämpften uns durch die Monate nach der Geburt unserer Tochter. Das Einkommen meiner Partnerin hat geradeso gereicht für den Kinderhort, dazu kamen noch die Kosten für Versicherungen und Lebenskosten. Deshalb sind wir ausgewandert, und das war die beste Entscheidung. In Norwegen können wir beide arbeiten: ich 100 Prozent und meine Frau 80 Prozent. Der Kinderhort wird zum grössten Teil vom Staat subventioniert, Familien werden ebenfalls finanziell gefördert. Die Lebensqualität ist höher. Und wir sind den Stress los, wie wir unseren Haushalt nur über die Runden bringen können. Die maximale Arbeitszeit pro Woche beträgt 37,5 Stunden, und im Sommer sind es sogar nur 28 Stunden. Das ist für mich als Vater ein extremes Plus, da ich meine Kinder so oft wie noch nie zuvor sehen kann.

Auch wenn wir die Schweiz als Ganzes sehr vermissen, war es für uns die beste Entscheidung. Wir kaufen uns jetzt unser erstes eigenes Heim, das wäre in der Schweiz in den nächsten zehn Jahren nie ein Thema gewesen.»

* Namen der Redaktion bekannt.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susy Meier am 11.07.2018 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Keine gesunde work/life balance

    So schön es in der Schweiz ist, unsere Fixkosten sind zu hoch, und die meisten leben um zu arbeiten damit alle Rechnungen bezahlt werden können. Unser work/life balance ist schlecht verglichen mit vielen anderen Ländern.

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  • Hylios am 11.07.2018 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ich muss

    Und ich mussmal auswandern ..weil mir die Pension nicht reicht..

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  • emma am 11.07.2018 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auch ich wandere aus

    Und all die Rentner, die die Schweiz verlassen müssen, weil die AHV zum Leben in diesem Land nicht mehr genügt. Die Jungen haben recht, wenn sie sich anderweitig umsehen, meine Tochter ist auch nach Australien ausgewandert, verdient mehr auf ihrem Beruf, als in der Schweiz, wo der Lohn dank Deutschen so gedrückt wurde. Im Mai hat sie geheiratet, und holt mich, Ausgesteuert 59,nun nach. Bin bereits am packen, habe den halben Hausstand schon verkauft oder verschenkt, Ende Monat sage auch ich alte, anscheinend nicht mehr gebrauchte in diesem Land, Tschüss , natürlich nehme ich die PFK mit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Coca - Cola am 11.07.2018 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Südliche Hemisphäre

    Vor 4 Jahren wusste ich noch nicht dass ich gleich auf dem Südamerikanischen kontinent bleiben werde. Ich hatte damals alles vorbereitet und weg gegeben. Eines habe ich gelernt, ich nehme mich überall und immer mit, ich bin für mein erleben zu grossem Anteil verantwortlich. Die Veränderung der Wahrnehmung verändert das komplette erleben. Und ja, hier ist die matrix anders. Weniger eng. Dafür halt andere Herausforderungen. An und für sich behandelt mich Südamerika und das Leben gut. Grüsse in die Schweiz. Vermisse die Schweiz zwischen durch.

  • Realist am 11.07.2018 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Hmm Norwegen...

    maximale Arbeitszeit 37,5h, im Sommer nur 28h....Hmm wäre sehr reizvoll. Nur ist der Winter in Norwegen der Horror. Ewigs lang dunkel und monatelang bitterkalt. Aber an alle Schweizer Angsthasen, glaubt bei der nächsten Abstimmung wenn es z.B. um mehr Ferien oder höhere Kinderzulagen geht nicht mehr der Politik und ihren Befehlsgebern, den Wirtschaftsbossen! Was die Norweger sich leisten können, könnten sich die Schweiz locker leisten!

  • Sparfuchs am 11.07.2018 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich ev. auch

    Ich werde nach meiner Pensionierung ev. nach Italien oder Portugal auswandern. Warum? Spiele mit dem Gedanke es wie die Konzerne zu machen: um Steuern zu sparen. Hier habe ich eine Eigentumswohnung und behalte sie um z.B. die Wintermonaten in der Schweiz zu verbringen. Übrigens in Italien zahlt man für die schw. Pension 5% Steuern, in Portugal für die ersten 10 Jahre überhaubt keine.

  • K.ritiker am 11.07.2018 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich lass es auf mich zukomme

    Ich habe 2015 mein Studium abgschlossen und dachte mir stünde die Welt offen. Ich war damals richtig happy. Der Einstieg in die Berufswelt war hart und momentan fühle ich mich trotz gutem Lohn leer und so als ob ich nur funktioniere anstatt lebe. Ich spare zurzeit, dass ich möglichst bald ein Jahr auf Reisen gehen kann. Wer weiss vielleicht gefällt mir dann ein Land so gut, dass ich dort hinziehen will.

  • Kathrin Meyer am 11.07.2018 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Noname

    Es gibt kein Paradies auf dieser Welt. Glaubt mir, ich bin aus Russland.