Traurige Statistik

10. Mai 2010 13:49; Akt: 10.05.2010 14:39 Print

785 misshandelte Kinder pro Jahr in der Schweiz

Erstmals bringt eine Statistik etwas Licht ins Ausmass der Kindesmisshandlungen in der Schweiz. Mindestens 785 Kinder waren 2009 betroffen.

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Die Kindesmisshandlung sei eine häufige Diagnose an Kinderkliniken oder Kinderabteilungen, teilte die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) am Montag mit. Die Diagnose der Kindesmisshandlung sei etwa vier Mal häufiger als neue Fälle von Krebserkrankungen bei Kindern.

Knapp 30 Prozent der 785 Kinder mussten von den Ärzten wegen körperlicher Misshandlungen behandelt werden. Als Gründe für Behandlungen folgen sexueller Missbrauch (28 Prozent), Vernachlässigung (27 Prozent) und psychische Misshandlung (15 Prozent).

Mehr Mädchen betroffen

Die Hälfte der betroffenen Kinder war jünger als sechs Jahre. Jedes fünfte Kind war noch kein Jahr alt. 59 Prozent der Kinder waren Mädchen, 41 Prozent Knaben. Je die Hälfte der jungen Opfer musste sich stationär oder ambulant behandeln lassen.

Die Statistik der SPG-Fachgruppe Kinderschutz basiert auf den freiwilligen Angaben von 14 der 30 Schweizer Institutionen. Mit zwei Ausnahmen machten alle Kliniken in der Deutschschweiz mit, ebenso die Kliniken im Kanton Tessin.

Aus der Westschweiz flossen einzig die Angaben von Genf in die Statistik ein. Die 785 Fälle dürften jedoch einen grossen Teil der Kinderschutzfälle an den Kinderkliniken darstellen, hält Markus Wopmann fest. Er ist Leiter der SPG-Fachgruppe und Chefarzt am Kantonsspital Baden AG.

Familienangehörige als Täter

Vier von fünf Täterinnen und Tätern sind Familienangehörige, wie aus der Statistik hervorgeht. Weitere 14 Prozent der Täter sind Bekannte des Kindes, während Fremdtäter einen Anteil von 6,7 Prozent ausmachen.

Männer sind häufiger als Frauen für eine Kindesmisshandlung verantwortlich. In jedem zweiten Fall wird die Verantwortung einem Mann zugeschrieben, in knapp jedem dritten Fall einer Frau.

Konsequenzen für die Täter

In einem von fünf Fällen sind zugleich Männer und Frauen - meistens die Eltern - verantwortlich. Zehn Prozent der Täter oder der Täterinnen sind jünger als 18 Jahre.

Die Kindesmisshandlungen haben für die Täterinnen und Täter Konsequenzen. Entweder wurden die Vormundschaftsbehörden eingeschaltet oder eine Strafanzeige eingereicht. Oft waren die Behördenstellen über eine Kindesmisshandlung bereits informiert.

(sda)