Tamedia-Nachbefragung

27. September 2016 11:47; Akt: 27.09.2016 11:47 Print

80 Prozent der Jungen sagten Nein zu mehr Rente

von D. Pomper - Die 18- bis 34-jährigen Bürger haben der AHVplus-Initiative eine saftige Abfuhr erteilt. Die Jungen zitterten um ihre eigene Vorsorge, sagt ein Experte.

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Das Votum der jungen Stimmbürger ist deutlich: 79 Prozent der 18- bis 34-Jährigen haben «Nein» gesagt zur AHVplus-Initiative. Auch Personen in Ausbildung (83 Prozent) und Bürger, die auf dem Land leben (62 Prozent), waren gegen zehn Prozent mehr Rente. Das zeigt die Tamedia-Nachbefragung mit über 15'000 Teilnehmern. Die grösste Unterstützung erfuhr die Initiative erwartungsgemäss von den Pensionierten (59 Prozent). Die Zustimmung war höher bei Männern, Haushalten mit tieferen und mittleren Einkommen sowie Städtern. Die AHVplus-Initiative ist am Sonntag mit knapp 60 Prozent abgelehnt worden.

Lukas Rühli, Demokratie- und AHV-Experte beim Think Tank Avenir Suisse, stellt fest: «Für die jungen Stimmbürger waren die eigenen finanziellen Interessen ausschlaggebend.» Sie hätten grosse Zweifel, dass der Wohlstand im Land konstant bleibe, geschweige denn weiter wachse. Sie fragten sich: «Warum soll ich noch mehr in die AHV einzahlen, wenn ich nicht weiss, wie es mit meiner eigenen AHV weitergeht?» Viele zweifelten daran, sich in Zukunft einen angenehmen Lebensabend leisten zu können. Unter diesen Umständen wollten die Jungen der älteren Generation keine höhere Rente finanzieren. Rühli: «Die Generation, die jetzt in die Pension kommt, hat es sehr gut.» Sie habe in einer wirtschaftlich sorgenfreien Zeit mit Vollbeschäftigung gelebt und müsse sich nicht um ihre AHV sorgen.

«Bürgerliche Wähler vom Nein überzeugt»

Nicht nur die Jungen, auch die Wähler der bürgerlichen Parteien haben die AHVplus-Initiative sehr deutlich verworfen: 67 Prozent der SVP-Wähler, 77 Prozent der FDP-Wähler und 70 Prozent der CVP-Wähler sagten Nein zu zehnt Prozent mehr Rente. Erstaunlich ist das laut Politikwissenschafler Fabio Wasserfallen vor allem bei den SVP-Wählern, die anfänglich noch mit der Initiative sympathisiert hatten. «Den Exponenten der bürgerlichen Parteien ist es gelungen, ihre Basis von einem Nein zu überzeugen», so Wasserfallen.

«Grüne Wirtschaft» punktet bei Jungen, NDG bei Älteren

Auch bei der «Grünen Wirtschaft» waren Wähler aller Parteien ausser der SP und der grünen Partei klar gegen die Initiative. Über 65-Jährige, die Landbevölkerung, Vollzeit-Erwerbstätige und sehr gut Verdienende waren deutlich dagegen. Anklang fand die Initiative bei Frauen, Städtern und Wählern zwischen 18 und 34 Jahren. Die «Grüne Wirtschaft» wurde am Sonntag mit 63,6 Prozent abgelehnt.

Ein Altersgraben zeigt sich, wie bei der AHVplus-Initiative, auch beim neuen Nachrichtendienstgesetz, das mit 65,5 Prozent deutlich angenommen wurde. Wie die Tamedia-Nachbefragung zeigt, wächst die Zustimmung für das Gesetz mit steigendem Alter. Sagten bei den 18- bis 34-Jährigen 56 Prozent «Ja», waren es bei den über 65-Jährigen 77 Prozent. Eher dagegen waren Städter. Deutlich dagegen waren Wähler der grünen Partei.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. Meier am 27.09.2016 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Tamedia

    Na ja, immer die Tamedia-Befragungen. Anfangs hiess es noch, die Initiative hätte Chancen, nun zu 60% abgelehnt. Nun find ich's schon recht selbstbewusst, noch mit einer Nachbefragung nachzulegen.

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  • Oli Oppliger am 27.09.2016 07:13 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Interessant finde ich vorallem die Ja-Anteile beim NDG. Je älter, desto wahrscheinlicher war es das sie Ja stimmen. Frage mich da, ob das aufwachsen mit dem Internet oder das Verständnis vom Internet da ausschlagebend war.

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  • Berger am 27.09.2016 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Angst

    Wenn das so läuft wie bei der MEI, dann wird keine von diesen Initiativen umgesetzt :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinz Butz am 28.09.2016 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    SUPER AHV

    Da bleibt für uns Alten nur noch das Leerschlucken, aber vielleicht können wir doch noch etwas retten: Ich habe eine Facebook Gruppe gegründet, die zum Ziel hat, dass die AHV nicht mehr besteuert wird. Das wäre eine Entlastung für uns. SUPER AHV Tretet bei, denn nur so können wir etwas bewirken !

  • NachMirDieSintflut am 28.09.2016 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor

    Jetzt kommt eine Generation auf uns zu, die sich niemals über eigene Altersarmut beklagen darf! Beim unmenschlichen Stress der heutigen Ellenbogengesellschaft werden viele von euch nicht annähernd so lange wie wir auf dem Arbeitsmarkt bestehen können und somit vorzeitig noch mehr in die Armut abrutschen (Tendenz besteht schon heute). Es wird noch weniger Geld in der Altersvorsorge sein. Ein stetiger Ausbau der Leistungen wäre für euch deshalb dringend nötig. Zum Glück geht mich das aber nichts mehr an!

  • Carlos am 27.09.2016 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wer soll es bezahlen?

    Das Problem kommt nicht zuletzt daher, dass die Babyboom Generation im Vergleich zur Generation Ihrer Eltern zu wenig Kinder auf die Welt gesetzt hat um das AHV System wie damals ursprünglich vorgesehen in der gleiche Form weiterzuführen. Da Geld nicht an Bäumen wächst, bleibt aufgrund der demographischen Entwicklung eigentlich nichts anderes übrig, als entweder die AHV Beiträge zu erhöhen, andere Einnahmequellen zu erschliessen, oder dann halt andererseits das Rentenalter zu erhöhen oder die Renten zu senken.

  • Andreas Huber am 27.09.2016 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Renten steigen

    Die AHV-Renten stiegen ja in den letzten Jahren sowieso. Verglichen mit 2004 stiegen die Vollrenten von (Minimum) CHF 1055 auf CHF 1175 und von (Maximum) CHF 2110 auf CHF 2350. Die Erhöhung übersteigt sogar die Teuerung von CHF 1101 und CHF 2201.

  • Der Reformer am 27.09.2016 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Rentenerhöhung durch Steuerverzicht

    Die Vorlage war nicht durchgedacht. Ich (56) hab auch nein gestimmt, weil die Finanzierung einfach nicht stimmt. Ich bin durchaus für mehr AHV-Rente, aber indem man zum Beispiel auf die Besteuerung der Renten (auch der PK) verzichtet. Das hätte ALLEN etwas gebracht.

    • Fairplayer am 27.09.2016 22:15 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht durchdacht

      Wenn gewisse Einkommensarten steuerpflichtig sind und andere nicht, führt dies zu ungerechten Schwelleneffekten und Fehlanreizen. Grundsätzlich sollte jegliches Einkommen zur Ermittlung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden, jedoch sollte dann die Eintrittsgrenze in die Steuerpflicht für alle gleichermassen angehoben werden.

    • heinz Butz am 28.09.2016 10:17 Report Diesen Beitrag melden

      Komm zu uns

      Genau dieses Anliegen hat unsere Gruppe "Super AHV" in Facebook. Reformer komm zu uns und wir werden in einiger Zeit vielleicht etwas bewirken. Es sind übrigens alle eingeladen beizutreten - je mehr desto besser

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