Initiative auf Zielgerade

09. Oktober 2017 15:26; Akt: 09.10.2017 16:17 Print

94'000 wollen Giftbauern die Gelder streichen

von P. Michel - Die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser» stösst auf grossen Anklang: Seit März haben pro Monat über 10'000 Personen unterschrieben.

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Subventionen sollen künftig nur noch Bauern erhalten, die auf den Einsatz von Pestiziden verzichten: Diese Kernforderung der «Initiative für sauberes Trinkwasser» haben bis heute Montag laut den Initianten bereits rund 94'100 Stimmbürger unterschrieben. Unterschriften sammeln die Aktivisten erst seit März. Demnach sind mehr als 10'000 Unterschriften pro Monat zusammengekommen – und das ohne Unterstützung einer Partei.

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Braucht es die Initiative «Für sauberes Trinkwasser»?

Franziska Herren, Präsidentin des Vereins «Sauberes Wasser für alle», ist begeistert: «Damit hatten wir zu Beginn niemals gerechnet. Wir haben damals noch Witze gemacht, dass wir Weihnachten die Unterschriften einreichen können.» Laut Herren, die als Leiterin eines Fitnessstudios arbeitet, will das Komitee bis Anfang Januar 100'000 Unterschriften bei der Bundeskanzlei einreichen.

«Wasser ist nicht so sauber»

Einen Grund für die grosse Unterstützung des Anliegens verortet sie bei der gestiegenen Sensibilität gegenüber der landwirtschaftlichen Produktion. «Die Menschen merken: In der Schweiz ist das Wasser nicht so sauber und das Gemüse nicht so natürlich, wie uns es die Werbung weismachen will.»

Gerade beim Trinkwasser realisierten viele, dass es mit der Verschmutzung unserer Lebensgrundlagen nicht mehr so weitergehen könne, so Herren. Dass sich die Schweizer eine ökologischere Landwirtschaft wünschten, habe zuletzt auch die grosse Zustimmung zur Ernährungssicherheitsinitiative gezeigt.

Dabei erlebt Herren beim Unterschriftensammeln, dass die Befürworter der Initiative für eine pestizidfreie Landwirtschaft auch Geld investieren würden. «Niemand hat mir gesagt, er unterschreibe die Initiative nicht, weil er grundsätzlich die Direktzahlungen an die Bauern anzweifelt», so Herren. Vielmehr habe sich die Ansicht durchgesetzt, dass man zusammen mit den Bauern die Landwirtschaft so umbauen müsse, dass auch in Zukunft sauberes Wasser und gesunde Böden garantiert seien.

«Ohne Pestizide geht es nicht»

Nichts anfangen mit den Forderungen der Initiative kann der Schweizerische Bauernverband. «Sauberes Wasser ist für die Landwirtschaft von zentraler Bedeutung», schreiben die Bauern auf ihrer Homepage. Doch die Forderungen der Initiative seien radikal und teuer, sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter zu 20 Minuten. «Ganz ohne Pflanzenschutzmittel geht es leider nicht. Wir brauchen sie, um die Pflanzen vor Schädlingen und Pilzen zu schützen und die Ernte zu sichern.»

Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches SVGW betont, dass man in der Schweiz weiterhin «sensationelles Trinkwasser» habe. «Heute können 70 Prozent des Trinkwassers natürlich und ohne komplizierte Reinigung oder Aufbereitung verteilt werden», so Sprecher Paul Sicher. Ein flächendeckendes Verbot von Pestiziden sei aus Sicht der Trinkwassersicherheit nicht notwendig – griffige Massnahmen im Einflussbereich der Wassergewinnungsstellen hingegen schon.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mitgiftundgenen am 09.10.2017 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Frankreich

    Frankreich ist uns weit voraus und hat Glyphosat einfach Verboten. Das wäre in der Schweiz längst nötig, wer sich mal mit den Stoffen auseinandersetzte, weiss, dass diese hochtoxischen Substanzen Mensch und Umwelt schadet.

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  • Dä Täll am 09.10.2017 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache!

    Dass es ohne Pestizide geht, machen unzählige Biobauern vor. Da muss endlich das Verursacherprinzip greiffen und sündige Bauern empfindlich treffen. Die vergiften unser Grundwasser wissentlich und willentlich. Leider nehmen es die Kontrollorgane auch nicht so genau und die geltenden Maximalwerte werden regelmässig überschritten, obwohl diese eh schon zu hoch angesetzt sind.

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  • Scientist am 09.10.2017 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grüne Gentechnik

    Die Gentechnik wird innerhalb von den nächsten Jahrzehnten die Landwirtschaft revolutionieren, Pestizideinsatz könnte stark reduziert werden. Allerdings nur wenn wir nicht Multis wie Monsanto das Feld überlassen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lost World am 10.10.2017 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Loos

    Dan sollen sie doch mal machen! Werden es dan schon sehen.... Mit viel würmern und krankheiten sind die früchte und das gemüse ja viel besser.

  • Globi am 10.10.2017 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist doch mal was...

    Juhuu! 94'000 mehr die in Zukunft unansehnliches Obst und Gemüse mit Flecken, Schorf und Würmli kaufen. Das ist vorbildlich und die Bauern wird's freuen da sie künftig nichts mehr wegschmeissen müssen. Und wir haben ja immer noch die Wahl, optisch Schönes in D einzukaufen....

    • Thomas am 10.10.2017 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kluge Einstellung

      Richtig und die Pestizide werden auch Spuren in Ihrem Körper hinterlassen, wenn dann auch Sie optisch nicht mehr einwandfrei sind und den Job verlieren weil alle in D einkaufen, nicht jammern sondern einfach Hartz4 in D anfordern.

    • Ueli am 10.10.2017 23:04 Report Diesen Beitrag melden

      Unglaublicher Kommentar

      Lieber Krebs durch Glyphosat (400t pro Jahr in CH) als ein Apfel mit 1-2 Dellen? Wegen Dir werden zu lange, zu kurze, zu dicke, zu dünne, zu gerade etc. Lebensmittel weggeworfen. Andernorts verhungern Kinder. Schäm Dich.

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  • Igel am 10.10.2017 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Fragen

    Frage mich nur wie viele Male Grenzwerte um ein Mehrfaches ( lange gleich Kurzfristiges) überschritten werden ohne das Publik wegen Panik zu machen.

  • DG99 am 10.10.2017 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahl

    Heute hat man die Wahl isst man Chemie die abgebaut wird von der Natur oder Schwermetall das nicht abgebaut wird...

  • Igel am 10.10.2017 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht mir Angst

    Was noch zu sagen wäre es entwickeln immer mehr Leute Allergien ob das mit den verschiedenen Giftstoffen im laufe der Zeit einen Zusammenhang haben könnte? Es heisst ja immer in so kleinen Mengen unbedenklich? Aber was sich da in Gelenken Leber Nieren Lunge evtl. Gehirn ablagert oder in den Zellen???