Mühleberg

24. April 2011 15:12; Akt: 24.04.2011 15:12 Print

AKW-Betreiberin sponsort Firma ihres Prüfers

von Lukas Mäder - Der oberste AKW-Aufseher Peter Hufschmied und die Mühleberg-Betreiberin BKW sind eng verbandelt. Der Stromkonzern unterstützt Hufschmieds Tropenhaus.

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Wo die BKW als Kernkraftwerktbetreiberin und Peter Hufschmied als oberster Nuklear-Aufsichtsbeamte zusammenarbeiten: Das Tropenhaus in Frutigen.

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Der Schweizer Nuklaraufsicht ENSI wird immer wieder Nähe zur Atomenergiebranche nachgesagt - gibt es doch hierzulande kaum Kernenergie-Spezialisten, die nicht irgendwann auch bei einer AKW-Betreiberfirma gearbeitet haben. Dies ist auch bei Peter Hufschmied der Fall, der als Chef des ENSI-Rates die Tätigkeit der Aufsichtsbehörde überwacht. Hufschmied war früher bei der NAGRA tätig, die zuständig ist für die Endlagerung radioaktiver Abfälle in der Schweiz, und vom ENSI beaufsichtigt wird. Doch deutlich problematischer ist die Verbindung von Hufschmied zur NAGRA sowie insbesondere die nun von der SonntagZeitung publik gemachte Liaison zum Energiekonzern BKW, der das AKW Mühleberg betreibt.

Der Präsident des ENSI-Rats, Hufschmied, unterhält seit Jahren finanzielle Beziehungen zur BKW, wie die Zeitung berichtet. Der Energiekonzern soll laut Insidern drei bis vier Millionen in Hufschmieds Projekt Tropenhaus Frutigen eingeschossen haben. Es bestehe zudem ein Zusammenarbeitsvertrag zwischen der BWK und dem Tropenhaus, dessen Verwaltungsratspräsident Hufschmied ist. Das Tropenhaus nutzt Warmwasser aus dem Lötschberg-Basistunnel unter anderem zur Zucht von Stören für Coop.

Geschäftsbeziehungen bekannt

Die geschäftliche Verbindung ist dabei keineswegs verdeckt: Die BKW ist auf der Website des Tropenhauses neben Coop als Hauptpartnern aufgeführt. In früheren Medienberichten von 2008 wurde die BKW ebenfalls als eine Hauptinvestorin erwähnt für die rund 28 Millionen Franken der ersten Etappe des Projekts. Der Bundesrat wählte Hufschmied Ende 2007 zum Präsidenten des ENSI-Rats.

Hufschmieds Tropenhaus profitiert nicht nur von Investitionen der BWK. Die NAGRA als weitere Institution unter Aufsicht des ENSI beteiligt sich ebenfalls an Hufschmid-Projekten. Die Entsorgungsgenossenschaft ist ein Hauptsponsor der Sonderausstellung «Warum ist die Erde warm?», die dieses Jahr in Frutigen stattfindet. Laut SonntagsZeitung habe die NAGRA neben fachlicher auch finanzielle Unterstützung von 50 000 Franken geleistet.

BKW sieht keine Probleme

Die BKW bestätigt gegenüber 20 Minuten Online die geschäftlichen Beziehungen. «Wir waren aber nie Aktionär des Tropenhauses», widerspricht Sprecher Vogler Angaben der SonntagsZeitung. Dies gehöre nicht zum Kerngeschäft. Die BWK sei hauptsächlich in die Wärmeversorgung und das Energiemanagement involviert. Über das finanzielle Ausmass macht Vogler aber keine Angaben. «Wir sehen kein Problem in dieser Geschäftsbeziehung», sagt er. Von rein kommerziellen Beziehungen spricht in der SonntagsZeitung auch Hufschmied selbst, der in Russland weilen soll und für eine Stellungnahme nicht erreichbar war.

Das Energiedepartement UVEK hat gegen die geschäftlichen Verbindungen des obersten Atomaufsichts-Chef nichts einzuwenden. «Wir haben keinen Anlass, an der Unabhängigkeit von Peter Hufschmied zu zweifeln», sagt ein Sprecher zu 20 Minuten Online. Sei doch das Tropenhaus Frutigen breit abgestützt. Ende Jahr muss sich Hufschmied wie der gesamte ENSI-Rat der Wiederwahl durch den Bundesrat stellen. Laut UVEK-Sprecher überprüft deswegen das Departement die Zusammensetzung des ENSI-Rates.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Guido Nicolaus Poliwoda am 27.04.2011 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Atom und kein Ende

    Das ist ein typisches Vorgehen vonseiten der Atomlobby. Da sieht man einmal mehr, dass unsere nördlichen Nachbarn deutlich weiter sind alos wir, denn die Kraftwerke endgültig stillzulegen, wäre hier doch undenkbar. by the way: In Mühleberg haben die Betreiber Probleme im Notfall die Stromversorgung zu gewährleisten...und wenn jetzt ein heisser Sommer kommt, ist das Wasser dort eventuell zu warm!

  • bobo lyckystrike am 27.04.2011 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Atomaufsichtschef auch nicht besser

    Der Herr Hufschmid sollte sich schämen aber eben immer das gleiche diese Herren machen alles hintendurch und zum Schluss zahlen wir Steuerzahler den ganzen Salat.

  • Daniel Bergler am 24.04.2011 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Korruption

    KORRUPTION gibt es eben auch in der Schweiz

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz W. Seibold am 28.04.2011 03:27 Report Diesen Beitrag melden

    Interessenvertretung

    Sollen denn kategorisch nur die Gegner das Wort zu einer bestimmten Sache haben dürfen? Interessenvertretung ist legal und äusserst sinnvoll, das gilt auch für jegliche Arbeit, jeden Arbeitnehmer, Chefs und Politiker.

  • Guido Nicolaus Poliwoda am 27.04.2011 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Atom und kein Ende

    Das ist ein typisches Vorgehen vonseiten der Atomlobby. Da sieht man einmal mehr, dass unsere nördlichen Nachbarn deutlich weiter sind alos wir, denn die Kraftwerke endgültig stillzulegen, wäre hier doch undenkbar. by the way: In Mühleberg haben die Betreiber Probleme im Notfall die Stromversorgung zu gewährleisten...und wenn jetzt ein heisser Sommer kommt, ist das Wasser dort eventuell zu warm!

  • T.G. am 27.04.2011 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Riesen Aufschrei

    Es passt in's linke thema. geht leuenberger tage nach seinem BR-Amt in die Strassenlobby ist das sein Recht. Wenn sich aber jemand ein Tropenhaus von der Atomlobby zahlen lässt ist es eine katastrophe. Ich schreibe dies weil ich die genossen mal auf ihrem leicht verfälschten Blickwinkel aufmerksam machen will!

  • bobo lyckystrike am 27.04.2011 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Atomaufsichtschef auch nicht besser

    Der Herr Hufschmid sollte sich schämen aber eben immer das gleiche diese Herren machen alles hintendurch und zum Schluss zahlen wir Steuerzahler den ganzen Salat.

  • Bruno Hochuli am 27.04.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wem kann mann noch vertrauen?

    Scheint wieder zu stimmen. Wieviel Sand wird der Bevölkerung in die Augen gestreut?