Atomenergie

06. Oktober 2016 12:23; Akt: 06.10.2016 13:12 Print

AKW Leibstadt muss bis Februar 2017 vom Netz

Bei Untersuchungen sind auf mehreren Brennstäben Oxidablagerungen entdeckt worden. Somit muss die Jahreshauptrevision verlängert werden.

storybild

Die Oxidschicht auf den Brennstäben bewege sich im Mikrometerbereich: Das Kernkraftwerk Leibstadt. (Archiv) (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach Block 1 des AKW Beznau fällt nun auch das AKW Leibstadt für längere Zeit aus. Wegen Oxidablagerungen auf Brennstäben und einer damit notwendigen Neubeladung des Reaktorkerns bleibt das Kraftwerk voraussichtlich bis Februar nächsten Jahres vom Netz.

Während der Jahreshauptrevision seien lokale Verfärbungen an mehreren Hüllrohren der Brennelemente bzw. der Brennstäbe entdeckt worden, schreibt die Kernkraftwerk Leibstadt AG (KKL) heute in einer Mitteilung. Die notwendigen Untersuchungen hätten zu einer Verlängerung der Jahreshauptrevision geführt.

Mehrere Brennelemente betroffen

Die 0,6 Millimeter dicken Rohre der Brennstäbe, welche den Brennstoff umlagern und als Bündel die Brennelemente bilden, bestehen aus Zirconium, einem korrosionsbeständigen Schwermetall. Darauf habe sich eine Oxidschicht abgelagert, die sich im Mikrometerbereich bewege, hiess es beim AKW Leibstadt auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Seit August wurden mehrere visuelle Inspektionen und Oxidschichtmessungen durchgeführt. Nun hat sich laut der KKL-Mitteilung gezeigt, dass mehr Brennelemente Anzeichen für eine Oxidation aufweisen und die Wiederinbetriebnahme der Anlage nur mit einer neuen Kernauslegung möglich ist.

In den nächsten Wochen werden die betroffenen Brennelemente in Stand gestellt oder ausgetauscht. Parallel dazu werden die Berechnungen der neuen Reaktorkernbeladung dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) zur Prüfung eingereicht. Die Beladung soll im Januar 2017 erfolgen.

Greenpeace besorgt

Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace Schweiz, ist besorgt über den Befund. Der Brennelement-Schaden im AKW Leibstadt sei noch gravierender als bisher bekannt. «Dass noch mehr Brennelemente beschädigt sind, nährt die Vermutung, dass der Betreiber die Schuld an diesem Schlamassel trägt», heisst es in einer Mitteilung.

Es stelle sich die Frage, ob die Leistungserhöhung des AKW Leibstadt das Problem versursache oder dazu beitrage. Seit der Inbetriebnahme sei die Leistung um rund einen Drittel erhöht worden. Dies hätte dazu geführt, dass der Reaktor stärker beansprucht werde als ursprünglich vorgesehen. «Möglicherweise erhält Leibstadt nun die Quittung für den Versuch, die Zitrone bis zum letzten Tropfen auszupressen», so Florian Kasser.

(nag/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BZ am 06.10.2016 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    strahlende ansichten

    und es gibt tatsächlich noch (gut bezahlte/manipulierbare) leute welche unsere klapperakws bis zum gau betreiben wollen

    einklappen einklappen
  • Tomi am 06.10.2016 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Für immer abschalten und Geld sparen

    Der Betreiber dieses AKW würde vermutlich Geld sparen, wenn er dieses Kraftwerk sofort abschalten würde und mit dem Rückbau anfangen würde. Jedoch hätte er dann das Problem, dass er diesen Rückbau selber bezahlen muss und nicht auf Steuergelder zurückgreifen kann.

    einklappen einklappen
  • Susanne am 06.10.2016 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armer Steuerzahler-Fass ohne Boden

    Unglaublich in was für einem Maroden Zustand unsere Kernkraftwerke sind, die übrigens die ältesten der Welt sind. Meine Heizung musste ich nach 21 Jahren ersetzen, aber diese verrosteten Schrottreaktoren sollen 60 jahre und mehr laufen dürfen. Wie lange müssen wir Steuer und Stromkonsumenten noch für die Fehlentscheide der Politiker bezahlen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maximilian von Altenburg am 08.10.2016 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von der Stromversorgung

    Ja klar! Runter vom Netz! Was brauche ich AKWs, mein Strom kommt zuverlässig Tag für Tag, Nacht für Nacht - aus der Steckdose!

  • Dr.Kern am 07.10.2016 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kohle bringt Kohle

    An alle die jetz sagen es funktioniert ja trotzdem. In diesem moment werden 2.4 Gw importiert. Was denkt ihr ist dies bei dieser Wetterlage für Strom? Nur mal so als Denkanstoss...

  • A.Müller am 06.10.2016 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Es sind doch sichersten AKW der Welt??

    Stimmt doch alles nicht, unsere AKW sind doch die sichersten der Welt. Zumindest wenn man der EW/AKW Lobby inkl. ENSI glauben soll.

  • marko 31 am 06.10.2016 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abstellen

    Richtig so

    • Radix am 06.10.2016 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @marko 31

      Gell, der Strom kommt ja einfach so aus der Steckdose, wie und woher ist ja egal.

    • marko 31 am 07.10.2016 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Radix

      Auf die Umwelt schaut niemand

    • Elephteria von Dammerkirch am 08.10.2016 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Radix

      Eben: Aus der Steckdose! Sie sagen es ja!

    einklappen einklappen
  • M.P. am 06.10.2016 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschalten - sifort!

    Wenn wir nicht handeln und diese alten Dinger sofort und definitiv abschalten, wird uns das KKW--Fiasko Milliarden kosten. Wir Steuerzahler sind wie immer die Dummen. Von mir ein deutliches JA zur Initiative für einen geordneter Atomausstieg!