Kernenergie

05. Mai 2011 14:30; Akt: 05.05.2011 17:27 Print

AKW laufen trotz Mängeln bei Sicherheit weiter

Die Sicherheit der Schweizer Atomkraftwerke ist laut der Aufsichtsbehörde ENSI ungenügend. Die AKW-Betreiberfirmen müssen nachbessern. Eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht.

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Die Nuklear-Aufsichtsbehörde verlangt von den Schweizer AKW-Betreibern Sicherheitsverbesserungen. (Bild: Keystone)

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Die Schweizer Kernkraftwerke müssen sicherer werden. Zu diesem Schluss kommt das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI), das am Donnerstagnachmittag die Ergebnisse ihrer AKW-Überprüfungen präsentierte. Kritisiert wird insbesondere die Lagerung der Brennelemente in den Abkühlbecken. «Die Schweizer Kernkraftwerke weisen einen international hohen Sicherheitsstandard auf, aber wir haben Schwachstellen entdeckt», sagte ENSI-Chef Hans Wanner vor den Medien in Brugg.

Aufgrund der von den Betreiberfirmen eingereichten Berichten stellt das ENSI folgende Mängel fest:

KKW Beznau: Die Kühlung der Brennelementbecken ist nicht genügend gegen Erdbeben und Überflutung geschützt. Die Notfallmassnahmen zur Wiederherstellung der Kühlung sind unvollständig.

KKW Mühleberg: Die Kühlwasserversorgung im Notfall geschieht nur über die Aare. Bei Erdbeben und Überflutung sind die Brennelementbecken nicht genügend geschützt und die Notfallmassnahmen zur Wiederherstellung der Kühlung sind unvollständig.

KKW Gösgen: Füllstand und Temperatur der Brennelementbecken werden im Notfallleitstand nicht angezeigt.

KKW Leibstadt: Füllstand und Temperatur der Brennelementbecken werden im Kommandoraum nicht störfallsicher angezeigt, im Notleitstand gar nicht.

Eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht, wie das ENSI schreibt. Die AKW-Betreiberfirmen haben nun Zeit, bis am 31. August 2011 Massnahmen einzureichen, wie sie diese Mängel beheben wollen.

Die AKW-Firmen müssen zudem mehrere Nachweise über die Sicherheit ihrer Anlagen erbringen. Bis Ende Juni 2011 müssen sie aufzeigen, dass sie ein Hochwasser beherrschen, wie es alle 10 000 Jahre vorkommt. Bis Ende August 2012 ist nachzuweisen, dass sie ein 10 000-jähriges Erdbeben beherrschen sowie ein Erdbeben in Kombination mit einem Ausfall der Stauanlagen im Einflussbereich.

Bereits am 18. März hatte das ENSI als Sofortmassnahme verfügt, dass ab dem 1. Juni bei allen AKW ein externes Lager bereitstehen muss, in dem für den Notfall zusätzliche Sicherheitsausrüstungen bereitstehen. Dort sollen etwa Notstromaggregate, mobile Pumpen und Treibstoff zur Bekämpfung von schweren Unfällen vorhanden sein.

Kein extremes Erdbeben mit Tsunami

Die Ereignisse von Fukushima stellen die Sicherheit der Schweizer Kernkraftwerke laut ENSI nicht grundsätzlich in Frage. Ein Extrem-Erdbeben mit Tsunami kann in der Schweiz praktisch ausgeschlossen werden, sagte ENSI-Chef Wanner. Deshalb habe sich die Gefahrenlage nach Fukushima nicht verändert und eine vorsorgliche Abschaltung der AKW sei nicht notwendig.

Die Schweiz werde sich in den AKW-Stresstest der EU einklinken, wie Wanner sagte. Die Betreiber müssen den Nachweis dafür bis Mitte September erbringen. Bundesrätin Doris Leuthard hatte sich lange dagegen ausgesprochen, die Schweizer AKW dem EU-Stresstest zu unterziehen.

Mobile Geräte müssen bereitstehen

Hintergrund der Sicherheitsüberprüfungen ist die Atomkatastrophe in Japan. Nach dem verheerenden Erdbeben vom 11. März und dem darauf folgenden Tsunami wurden in der Atomanlage Fukushima 1 mehrere Reaktoren derart beschädigt, dass eine grosse Menge Radioaktivität freigesetzt wurde. Die umliegende Gegend wird noch jahrelang unbewohnbar bleiben.

Das ENSI verfügte daraufhin die Überprüfung aller Schweizer Kernkraftwerke auf ihre Sicherheit bei Erdbeben und Hochwasser. Zudem wurden von den AKW-Betreibern Sofortmassnahmen verlangt, unter anderem die Verfügbarkeit zusätzlicher mobiler Geräte zur Bekämpfung schwerer Unfälle.

(fum/mdr)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Isotop am 05.05.2011 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Haufen Fragen

    Und wieso fällt sowas erst jetzt auf? Wurde das denn nie kontrolliert? Ach ja, da war es ja noch sicher. Wieso wird nicht erklärt was der Stresstest genau ist? Ein Programm aufm Computer, für ein AKW (ja, oder habt ihr das Gefühl die beschwören extra Tschernobyl 2 herauf?), und daraus ziehen die Schlüse für die Realität? Wieso gibts keine Kleinst-Testreaktoren (ala Lucens) für sowas? Wieso werden solche Fragen praktisch nie von Journalisten gestellt? Und wieso informiert sich niemand selbst sondern plappert alles nach was halbwegs intelligent tönt?

  • Gret am 05.05.2011 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich das Paradoxon behalten?

    Hm? Schwachstellen aber keine Gefahr? Ich dachte eigentlich immer eine Schwachstelle würde egal in welchem Bereich eine Gefahr darstellen. Wäre dem nicht so, müsste man sie ja auch nicht beheben. Also entweder besteht eine Gefahr für die Bevölkerung weil es Schwachstellen gibt oder es besteht keine Gefahr, weil es keine Schwachstellen gibt. Oder werden Frauen in unmittelbarer Umgebung zu den AKW's auch nur ein bisschen schwanger?

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  • Peschä am 05.05.2011 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht sicher aber doch sicher?

    Eine Überprüfung der Sicherheitsstandards und entsprechende Nachbesserungen sind sinnvoll. Ein baldiger Bau von neuen AKWs würde die Sicherheit noch viel mehr verbessern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • 80687 am 05.05.2011 23:40 Report Diesen Beitrag melden

    So ist der Mensch eben:

    Das Risiko wird bewusst in Kauf genommen, denn was zählt ist nur der Gewinn, und auch das nur kurzfristig.

  • Erno Meier am 05.05.2011 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Das ENSI ist unglaubwürdig

    Das ist wieder einmal unglaublich. Anstatt sofort abzuschalten und die Betriebsbewilligung zu entziehen, lässt das ensi die schrott AKWs einfach weiterlaufen.

  • Daniel am 05.05.2011 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    GLAUBEN + BETEN MACHT SEELIG

    Nach den Politiker + den Betreibern müssen wir wohl mit diesem Rest-Risko weiterleben bis zum geht nicht mehr.

  • Aaron Adriano am 05.05.2011 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Abhängigkeit von Wasser = Risiko?

    KKW Mühleberg wird im Notfall nur mit dem Wasser der Aare gekühlt? Wieso reden alle über Flutwellen? Ich mache mir primär sorgen über die Wasserknappheit - zu wenig Wasser heisst doch = Probleme mit der Notfallkühlung oder? Erdbeben in Kombination mit einer lang anhaltender Wasserknappheit. Ich stelle grundsätzlich die Frage. Wie weit sind die Atomreaktoren vom Wasser abhängig - in Bezug auf die immer stärkere Wasserknappheit der Flüsse? Die Frage ist bewusst, da ja alle AKW's in der Nähe von grösseren Flüssen gebaut sind.

  • Daniel Gerber am 05.05.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Stoppt die Atomenergie!

    Eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht. (Aussage gesponsert von BK?) Schön, dass es bei uns keine Tsunamis gibt. So können wir in Ruhe weiter leben. Diese einfache Denkweise bringt uns nicht weiter. Es ist nun endlich an der Zeit, dass wir in zukunftstaugliche Energiesysteme investieren. Es ist nicht zu verantworten, dass wir unseren Energiekonsum auf Kosten unserer Nachkommen aufrechterhalten. Das solare Zeitalter hat begonnen. Machen Sie mit!

    • Steve-O am 05.05.2011 17:52 Report Diesen Beitrag melden

      Stoppt die Atomenergie!!!!

      Gefällt mir! Und zudem: Gefahr für die Bevölkerung besteht nicht: Wer garantiert mir das? Niemand! Das immer zuerst was passieren muss bis man handelt und manchmal lehren wir nicht mal das -> Tschernobyl -> Fukushima-> wer ist der nächste? Handelt endlich! Meinen Teil habe ich bereits beigetragen -> ich zahle mehr für Wasserkraft und das ist es mir wert!

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