Bern

19. Dezember 2018 14:29; Akt: 19.12.2018 18:21 Print

Aare plötzlich giftgrün – das steckt dahinter

Das Aarewasser in Bern leuchtet grell. Schuld daran sind nicht Giftmischer, sondern Jungpolitiker.

So sieht es aus, wenn man sieben Kilo Uranin in die Aare kippt. (Video: JGLP/Leser-Reporter)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Statt blau-grün oder braun zeigte sich die Aare am Mittwochnachmittag in Bern in grellem Giftgrün – weil Mitglieder der Jungen Grünliberalen in einer unbewilligten Guerilla-Aktion sieben Kilogramm Uranin in den Fluss gekippt haben. Die Jungpolitiker wollen damit aber nicht die Berner Bevölkerung vergiften, der Farbstoff ist ungefährlich.

Die Polizei war beim Schwellenmätteli vor Ort: «Gegen 13.50 Uhr wurde uns gemeldet, dass Unbekannte eine Flüssigkeit in die Aare geschüttet hätten. Mehrere Personen wurden zur näheren Kontrolle angehalten», sagt Dino Dal Farra, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, zu 20 Minuten. Für Umwelt und Bevölkerung bestehe nach aktuellem Kenntnisstand keine Gefahr. «Wir haben nun Wasserproben genommen. Auch Spezialisten vom Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern stehen im Einsatz.»

Darum ist die Aare jetzt giftgrün

Ziel ist, auf die Explosionsgefahr des Munitionslagers in Mitholz BE aufmerksam zu machen. Dort kam es vor genau 71 Jahren zu einer Explosionskatastrophe mit neun Todesopfern. Aus immer noch ungeklärten Gründen gab es dort mehrere schwere Explosionen. Die Felswand, in der sich das Munitionslager befand, stürzte ein, riesige Felsbrocken wurden teils mehrere Hundert Meter durch die Luft geschleudert.

«Ein unglaublich gefährliches Pulverfass»

Aufgrund einer Schätzung befinden sich in den eingestürzten Anlageteilen und im Schuttkegel davor noch bis zu rund 3500 Bruttotonnen Munition mit mehreren hundert Tonnen Sprengstoff. Letztes Jahr schlug das Verteidigungsdepartement VBS Alarm: In dem ehemaligen Lager bestehe weiterhin ein höheres Risiko für eine weitere Explosion von Munitionsrückständen als bisher angenommen. Der Bundesrat hat darum eine Expertengruppe eingesetzt, die nun verschiedene Handlungsoptionen prüft.

Tobias Vögeli von den Jungen Grünliberalen geht das aber nicht schnell genug. Seine Partei fordert von Bundesrat Parmelin die sofortige Räumung. «Das Munitionslager Mitholz ist ein unglaublich gefährliches Pulverfass», so Vögeli. Werde es nicht geräumt, werde der Sprengstoff immer reaktiver. «Das heisst, dass die Wahrscheinlichkeit, dass alles in die Luft fliegt, jeden Tag grösser wird.

Hindernisse bei der Räumung

Selbst wenn die Munition nicht explodiert, droht die Verschmutzung des Trinkwassers, denn bei der Zersetzung der Munition werden Giftstoffe frei, die ins Grundwasser gelangen könnten.» Dass der Bundesrat keine Sofortmassnahmen beschliesse, sei «an Verantwortungslosigkeit kaum zu überbieten», so Vögeli.

Eine Räumung gestaltet sich jedoch schwierig. Zum einen gebe es in der Schweiz kein geeignetes Kampfmittelräumfahrzeug, um die 50 bis 70 Kilogramm schweren Fliegerbomben zu räumen, wie Reto Luginbühl vom Bundesamt für Rüstung Armasuisse bei einer Informationsveranstaltung im Oktober sagte.

Erschwerend komme hinzu, dass die meisten der untersuchten Granaten weiterhin funktionstüchtig seien. Es bestehe also bei einer Räumung eine erhöhte Explosionsgefahr. Erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 könne überhaupt entschieden werden, wie man bei der Räumung vorgehe.

(the)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DEEPDIVER1291 am 19.12.2018 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Hätte die SVP sowas gemacht wäre das geschrei wieder riesengross. Aber linke dürfen scheinbar alles.

    einklappen einklappen
  • Xsasan am 19.12.2018 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geltungsdrang?

    Um auf diese Gefahr aufmerksam zu machen muss man nicht gleich die Aare färben. Total unnötiger Schrei nach medialer Aufmerksamkeit.

    einklappen einklappen
  • Edelweiss am 19.12.2018 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grüne

    und dann sowas... es schadet nicht? Klar, das ist auch der Grund, dass man das immer und überall in der Natur sieht. Wieder einmal eine sinnlose und 'dumme' Aktion

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gruss aus Bern am 20.12.2018 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinnige Idee

    einer schwachsinnigen Partei, die weder grün noch liberal ist, dafür aber augescheinlich mediengeil.

  • Nicolas B am 20.12.2018 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortungslos!

    Vor 4 Jahren in dieser Anlage noch WK geleistet und auch geschlafen! Leider wurde der kompletten Kompanie verschwiegen, dass wir auf einem Pulverfass liegen.. Katastrophe!

  • Bergler am 20.12.2018 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    70 Jahre !!!

    Genau das Abbild unserer Politlandschaft und Verantworlichen. Laaaaaange Zeit (70 Jahre) nichts machen und dann kann man sich vor Aktivismus kaum retten. Siehe auch Klima, Abgasthema und ... und.... und... Mit den heutigen Möglichkeiten sollte es absolut kein Problem sein diese Munition zu bergen. Ein paar Millionen bei der Ruag oder Armasuisse in ein endlich brauchbares Projekt investiert, die RICHTIGEN Leute eingesetzt und das Problem ist innert kurzer Zeit gelöst, ohne das Anwohner Ihr Land und Haus verlassen müssen.

  • Edmo am 20.12.2018 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wo soll das hinführen?

    So sind die Jungpolitiker heute. Immer laut fordern, fordern, fordern und dazu noch medienwirksamen Krawall veranstalten. Die Eigenleistung dieser Politiker beschränkt sich in der Regel auf destruktiven Aktionismus. Diese Nullnummern können doch nicht unsere politische Zukunft werden! Es ist ja jetzt schon schlimm genung mit den Energie-, Klima-, und Verkehrswendern, mit den EU- und Migrations-Turbos, die uns unverdrossen täglich neue Milliardengräber öffnen und die Wirtschaft abwürgen.

  • Kornpic am 20.12.2018 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Drinkwasser?

    Zwingt den Verursacher, diesen Umweltverschmutzer einfach, dieses Wasser zu trinken, gerade unterhalb der Ausbringung, wetten, dass ers nie wieder macht!