AKW-Debatte

22. März 2011 11:47; Akt: 22.03.2011 13:26 Print

Aargau bleibt der Atomenergie treu

Der Kanton Aargau will an der Atomenergie festhalten. Der Grosse Rat hat die Forderung von SP und Grünen für einen AKW-Ausstieg deutlich abgelehnt.

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Der Entscheid fiel nach einer anderthalbstündigen Diskussion mit 82 zu 48 Stimmen. Für die Standesinitiative «Ausstieg aus der Atomenergie» sprachen sich neben der SP und den Grünen auch die Grünliberalen und die EVP aus.

Gegen die Forderung votierten die Fraktionen der SVP, FDP und CVP sowie der BDP. Auch der Regierungsrat lehnte die Standesinitiative an die eidgenössischen Räte ab. Im Aargau sind drei der fünf Schweizer Atomkraftwerke in Betrieb.

Die Mehrheit der bürgerlichen Parteien im Grossen Rat hatte bereits in der Vergangenheit atomkritische Vorstösse der Linken und Grünen verworfen und die AKW-Gegner gegeisselt. Am Dienstag machte die bürgerliche Mehrheit die AKW-Gegner jedoch nicht mehr wie früher lächerlich.

Linke wollen «Energierevolution»

Die Befürworter der Forderung nach einem Ausstieg wiesen im Grossen Rat darauf hin, es gebe «keine kontrollierte Nutzung der Atomenergie ohne Risiko für Mensch und Umwelt». Die Aargauerinnen und Aargauer wollten in Sicherheit leben, sagte ein SP-Grossrat.

Es sei «Zeit für eine Energierevolution», hielt ein grüner Grossrat fest. Eine «Anbauschlacht für erneuerbare Energien» sei nötig und die Energieverschwendung müsse gestoppt werden.

AKW-Befürworter gegen «Schnellschüsse»

Die Gegner des Ausstiegs warnten vor «Schnellschüssen» und mahnten zur Besonnenheit. Man stehe weiterhin zur Atomenergie. Vor Entscheiden über die Energiezukunft sollten die Ergebnisse der vom Bund eingeleiteten Sicherheitsüberprüfungen der Atomkraftwerke abgewartet werden.

Die Versorgungssicherheit mit preiswertem Strom müsse gewährleistet bleiben, sagte ein SVP-Grossrat. Die CVP bezeichnete es als «Utopie», den AKW-Strom durch erneuerbare Energien zu ersetzen. SP und Grüne würden die «Ängste ausnutzen», meinte ein FDP- Grossrat.

Regierung wartet ab

Landammann Peter C. Beyeler (FDP) sagte, aus der Sicht des Regierungsrates brauche es gerade bei schweren Ereignissen ein überlegtes Handeln aufgrund von klaren Sachverhalten. «Davon ist im öffentlichen Diskurs wenig zu erkennen.»

Der Regierungsrat begrüsst es, «dass die friedliche Nutzung der Kernenergie nach den Ereignissen in Fukushima überprüft werden muss». Er stelle sich auch hinter den Entscheid des Bundesrates, die Rahmenbewilligungsgesuche für den Ersatz der älteren AKW zu sistieren, hielt Beyeler fest.

Vorstösse auch in Bern und Solothurn

SP und Grüne hatten ihren Vorstoss vergangene Woche unter dem Eindruck der Nuklearkatastrophe in Japan eingereicht. Alle Atomkraftwerke sollten «möglichst schnell» vom Netz genommen werden, lautete die Forderung.

Auch solle die Schweiz auf den Bau neuer AKW verzichten und dafür Möglichkeiten zur nachhaltigen, erneuerbaren Energiegewinnung sowie zum Energiesparen fördern.

SP-Vorstösse mit gleichlautenden Forderungen nach einer Standesinitiativen stehen auch in den AKW-Standortkantonen Bern und Solothurn auf der politischen Traktandenliste.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 22.03.2011 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts überstürzen

    Erst muss jetzt der Ausgand des Unglücks in Japan abgewartet und untersucht werden, erst dann ist es möglich, eine sachliche Debatte über die Zukunft der Stromversorgung in der Schweiz zu führen. Angst ist ein schlechter Ratgeber.

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  • stefan am 22.03.2011 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    ohne akw?

    ohne akw kann man gar nicht genug stom produzieren wenn man wasserkraftwerke baut was die grünen eher wollen dan kommt das problem mit den Fischen in den flüssen fischtreppen sind ja auch nicht billig

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  • Alzheimer am 22.03.2011 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wird ehh Vergessen

    Esw wird gar nix Passieren. Das dauert Solange bis wir das vergessen haben und dan werden doch neue gebaut. Bei einer Volksabstimmung jetzt würde es durch kommenn.Das man Aussteigt. Aber der Entscheid wird durch all die Gutachten so sehr Verzögert das die Volksabstimmung dan möglichst nicht an Japan gedacht wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tobias Giebel am 24.03.2011 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Auf nimmerwiedersehen Atompolitiker

    1. Natur- und Heimatschutz müssen etwas zugunsten erneuerbarer Energie zurückstecken. Lieber Windmühlen + Stauseen in den Bergen als AKWs an Flussufern und Siedlungsgebieten, oder? 2. Atomstrom soll ab sofort mit einer Steuer belegt werden, um a.) Stromsparen zu fördern b.) Erneuerbare Energien zu fördern, c) um das Management ihrer eigenen Drecklager für die nächsten 1000 Jahre zu garantieren. 3. Die Lüge "AKW sind sicher" ist nicht mehr salonfähig 4. Die Lüge "....ähm....der Umstieg geht nicht....ähm....Stromlücke..." entlarvt Experten als "Ewiggestrige"

  • Noro am 24.03.2011 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Politik wird uns hintergehen

    Schaut Leute, es wird laufen wie immer.Die Politiker sind keines wegs neutral und vorallem sind sie fast alle Firmenbesitzer,die an günstigen Strompreisen interessiert sind.Zudem sind die AKW Besitzer sicher mal gute Kollegen von ihnen.Ihr wisst ja wie das läuft.Auf jeden Fall werden sie jetzt einfach zuwarten, bis das Thema wieder abflaut und die Leute nicht mehr daran denken, dann werden sie klammheimlich hinter unseren Rücken gegen einen Ausstieg stimmen-fertig.So läuft dass immer in der CH.Das Volk wird am Laufmeter hintergangen.

    • August Augur am 24.03.2011 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      Deine Worte in des Volkes Ohr

      @Noro: Wie lange dauert es, bis das Volk begreift, dass wir die wahre Macht besitzen? Bis es sich die Mühe macht sich zu notieren, wer in Bern über die gesamte Legislaturperiode wie abstimmt, und bei den Wahlen entsprechend die Quittung ausstellt? Sich merkt, welcher Politiker woher gesponsert wird? Du sprichst mir aus der Seele!

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  • Merlin am 23.03.2011 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Einspruch, Einspruch, Einspruch

    Ausstieg aus Kernkraft? Ok, dann erhöhen wir doch die Grimselstaumauer - Einspruch Grüne. Ok, dann ersetzen wir die Turbinen im Wasserkraftwerk - Einspruch Naturschutzverband. Ok, dann bauen wir eine Windpark auf einem Freiburger Hügel - Einspruch Naturschutzverband. Ihr habt wirklich das Gefühl, dass ein Ausstieg aus Kernkraft möglich ist?

  • Ralph am 23.03.2011 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wind?Sonne?

    Wenn mir jemand wirklich mit guten argumenten sagen kann, durch was die akw's zu ersetzen sind, dann wäre ich vielleicht bereit meine meinung zu ändern. aber solange keine konkreten ideen existieren, sind akw's nun mal die beste lösung. alle streben nach alternativen wie wind und sonne, haben aber keine ahnung wieviel energie erzeugt werden muss um die entsprechenden technlogien zu produzieren.statt gelder in alternativen wie sonne und wind zuverschwenden, sollte man doch diese millionen besser in die atommüll entsorgung investieren, dann wäre das problem mit der entsorgung schon gelöst.

    • Manuela am 23.03.2011 09:19 Report Diesen Beitrag melden

      Müllberge wachsen

      Aber nicht, wenn es immer mehr Müll gibt: Blöde Idee, echt. Und nachhaltige Technologien gibt es ja! Wir müssten sie nur nutzen.

    • Calahari am 23.03.2011 09:28 Report Diesen Beitrag melden

      Restrisiko

      Das Restrisiko ist einfach ZU HOCH! Meine Idee wäre Enegie aus Blitzen.

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  • Thomas Gärtner am 22.03.2011 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    macht keinen Sinn

    Seltsamer Entscheid, wo doch jeder weiss, dass über Generationen Riesenkosten auflaufen werden, ganz abgesehen von den künstlichen Gefahren.