Cannabis-Tests erlaubt

28. Februar 2019 20:38; Akt: 01.03.2019 13:36 Print

Ab wann kann ich nun legal kiffen?

Der Bundesrat gibt grünes Licht für Cannabis-Studien. Warum das kein Schritt Richtung Legalisierung sein soll – und wo Sie heute schon ohne Angst kiffen können.

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Wissenschaftliche Studien zu Cannabis sollen zukünftig erlaubt sein. Der Bundesrat möchte das Betäubungsmittelgesetz ändern. Es sollen allerdings starke Rahmenbedingungen für die Projekte gelten. Personen, die über 18 Jahre alt sind und bereits regelmässig Cannabis konsumieren, dürfen an der Studie teilnehmen. Die maximale Teilnehmerzahl ist auf 5000 Personen beschränkt. In der Schweiz ist Cannabis, das mehr als ein Prozent THC enthält, seit 1951 verboten. Das hält die Leute aber nicht vom Kiffen ab: Laut Suchtmonitoring Schweiz haben rund 220'000 Schweizer in den letzten 30 Tagen einen Joint geraucht. Jeder dritte Schweizer ab 15 Jahren hat zudem schon Erfahrungen mit Cannabis gemacht. An der Pressekonferenz hat Bundesrat Alain Berset immer wieder erwähnt, dass die Cannabis-Legalisierung nicht das Ziel des Pilotprojekts sei. Vielmehr gehe es darum, neue Regelungen für den gesellschaftlichen Umgang mit Cannabis zu finden, die die öffentliche Gesundheit am wenigsten belasten würden. In Europa ist Kiffen bis jetzt erst in Portugal und Tschechien legal. Weltweit wird die Legalisierung von Cannabis immer häufiger diskutiert. In Kanada, Uruguay und verschiedenen Bundesstaaten der USA ist es bereits legalisiert worden. 20 Minuten hat bei den Kiffern nachgefragt, woher sie ihr Gras beziehen. Eine grosse Mehrheit gab an, es von Freunden oder aus dem Bekanntenkreis zu beziehen. Nicht wenige bauen es selber an. So könne man sichergehen, dass die Qualität stimme. Schätzungen von Experten scheinen den Eindruck zu bestätigen, dass viele Schweizer auf Gras aus dem nahen oder entfernten Umfeld setzen. Laut der NZZ werden bis zu 75 Prozent des in der Schweiz konsumierten Cannabis im Inland angebaut.

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Wie ist die heutige Situation?
In der Schweiz ist Cannabis, das mehr als ein Prozent THC enthält, seit 1951 verboten. Das hält die Leute aber nicht vom Kiffen ab: Laut Suchtmonitoring Schweiz haben rund 220'000 Schweizer in den letzten 30 Tagen einen Joint geraucht. Jeder dritte Schweizer ab 15 Jahren hat zudem schon Erfahrungen mit Cannabis gemacht. Cannabis ist damit die illegale Substanz, die in der Schweiz am häufigsten konsumiert wird. Entsprechend gross ist der Schwarzmarkt – und auch die Produktqualität, die keiner Kontrolle untersteht, lasse teilweise zu wünschen übrig, so das Bundesamt für Gesundheit.

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Welche Strafen drohen mir, wenn ich kiffe?
Seit sechs Jahren kann der Konsum von Cannabis bei über 18-Jährigen mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken bestraft werden. Der alleinige Besitz von geringfügigen Mengen von bis zu 10 Gramm wird nicht mehr gebüsst. Jugendliche, die mit einem Joint erwischt werden, müssen gemäss Jugendstrafgesetz mit einer Anzeige rechnen. Im Strassenverkehr gilt die Nulltoleranz: Noch 48 Stunden nach dem Konsum muss man mit einem Permis-Entzug rechnen. Wer Cannabis anbaut oder damit handelt, hat eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren oder eine hohe Geldbusse zu befürchten.

Wie sehen die geplanten Pilotprojekte aus?
Der regulierte Verkauf von Cannabis durch Apotheken stellt eine Möglichkeit dar, die in einem Pilotprojekt getestet werden soll. Verschiedene Städte wie Bern, Biel, Luzern und Zürich haben Interesse an einer Teilnahme – unter der Begleitung von Universitäten, die das Ganze evaluieren. Studienteilnehmer erhalten bestimmte Mengen Cannabis, das rund 20 Prozent THC enthält. Dieses dürfen sie weder an Dritte weitergeben noch ist es ihnen erlaubt, anderweitiges Cannabis zu konsumieren.

Wie kann ich an den Versuchen teilnehmen?
Personen, die über 18 Jahre alt sind und bereits regelmässig Cannabis konsumieren, dürfen an der Studie teilnehmen. Die maximale Teilnehmerzahl ist auf 5000 Personen beschränkt. Um sicherzustellen, dass die Versuchspersonen tatsächlich zuvor schon regelmässig kifften, werden Haarproben genommen. Studienteilnehmer müssen schliesslich in einer Gemeinde wohnhaft sein, die am Pilotprojekt teilnimmt. Wo man sich anmelden können wird, ist bisher nicht bekannt.

Wird Kiffen jetzt legal?
An der Pressekonferenz hat Bundesrat Alain Berset immer wieder erwähnt, dass die Cannabis-Legalisierung nicht das Ziel des Pilotprojekts sei. Vielmehr gehe es darum, neue Regelungen für den gesellschaftlichen Umgang mit Cannabis zu finden, die die öffentliche Gesundheit am wenigsten belasten würden. Es gibt jedoch einen anderen Weg, über den der Joint-Genuss in den nächsten Jahren legalisiert werden könnte: Der Verein Legalize it! hat ein Onlineformular erstellt, in dem sich Personen, die eine Volksinitiative für eine Cannabislegalisierung unterschreiben würden, eintragen können. Zurzeit haben das schon über 20'000 Personen getan. Für eine Volksinitiative braucht es 100'000 Unterschriften

Was passiert nach der Pilotstudie?
Die Dauer der Pilotprojekte ist vorerst auf zehn Jahre beschränkt. Danach sollen die Studienergebnisse sorgfältig ausgewertet werden. Mindestens bis dahin sollen die gegenwärtigen rechtlichen Regelungen zum Cannabis-Konsum laut dem Bundesrat bestehen bleiben.

Wo ist der Cannabiskonsum bereits legalisiert worden?
In Europa ist Kiffen bis jetzt erst in Portugal und Tschechien legal. Weltweit wird die Legalisierung von Cannabis immer häufiger diskutiert. In Kanada, Uruguay und verschiedenen Bundesstaaten der USA ist es bereits legalisiert worden. Verschiedene weitere Staaten diskutieren den legalen medizinischen Gebrauch von Cannabis. Im asiatischen und arabischen Raum hingegen gehen viele Staaten sehr strikt gegen Cannabis-Besitzer vor. Einige sehen gar die Todesstrafe vor: Wird man in Singapur mit mehr als 500 Gramm Cannabis erwischt, droht der Tod am Strang.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Spock am 28.02.2019 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seit Jahren ein Drama

    um das Legalisieren von Canabis. Gleichzeitig kann sich jeder mit Staatlicher Genehmigung zu Tode saufen.

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  • Captain am 28.02.2019 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerisch

    Seit nicht so heuchlerisch, Alkohol ist für weit mehr Unfälle im Straßenverkehr verantwortlich als Cannabis, nur kann man es eben nicht 48 Stunden lang nachweisen. Egal wie gut das Gras ist, es wirkt nicht 48 Stunden lang! Also, seit nicht so heuchlerisch!

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  • Der Gärtner am 28.02.2019 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Illegal, Legal?

    Mir doch egal.. gekifft wird so oder so.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der B am 01.03.2019 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Diese Studie wird nichts neues zu Tage bringen, reine Geldverschwendung. Wichtiger wäre den Cannabis Anbau und konsum im Privaten bereich zu legalisieren. So würde auch das Cannabis zu medizienischen zwecken extrem schnell legalisiert werden. Der momentane zustand ist echt unhaltbar "Syntetisches THC ist legal aber Natürliche Cannabisblüten die nachweislich besser wirken, sind Verboten"

  • chrigi am 01.03.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naturmensch

    Niemand verbietet mir eine Pflanze anzupflanzen, es ist natur und Gott hat uns ein einfaches Mittel gegen viele leiden gegeben. Chemische Tableten sind pures Gifd und zerstört die Natur. Lieben gruss chrigi

  • Zumbi am 01.03.2019 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Alles sinnlos

    Naja Haarproben auf cannabis nützen halt nichts. ist man in einem raum in dem gekifft wird und man selber nicht mitraucht nehmen die haare trotzdem die gleichen botenstoffe auf, so als würde man es selbst rauchen. da müssen bessere lösungen her!

  • Ladina am 01.03.2019 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Frage?

    Nachts in einer dunklen Gasse: Wehm würdet ihr lieber begegnen? Einer Gruppe von 10 Betrunkenen? Oder einer Gruppe vom 10 bekifften? Lösung: 10 bekiffte. Diese schauen dich etwas verduzzt am aber wenn sie dich anquatschen,wirst du eingelade und kommst mit guter laune und einem freien Kopf nachhause, dabei schläffst du nacher noch wie ein baby ;)

  • Bob am 01.03.2019 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalisieren macht nur sinn!

    Legalisierung hat nur vorteile.. Ich kiffe selber nicht.. aber wie man oben lesen kann haben ca 220'000 leute im letzten monat canabis konsumiert. 220'000 leute die nicht zu 100% wissen was sie da genau geraucht haben. Meistens wird thc gehalt mit "isch easy" "haut ie" "haut di grad weh" bewertet. Das muss aufhören und kontrolliert werden! Wenn ich mal was rauche, dann will ich auch wissen was drin ist! Und ich gebe mein geld lieber dem staat als den illegalen anbauer. Geraucht wird so oder so und da wird sich nie was ändern.