Numerus clausus

29. August 2015 20:43; Akt: 30.08.2015 11:24 Print

Abfuhr für SVP – Bundesrat hilft Ethnologen

Die SVP befürchtet, dass es in der Schweiz kaum Arbeit für Sozial- und Geisteswissenschaftler gibt. Jetzt hat der Bundesrat die Argumente vom Tisch gewischt.

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Geht es nach der SVP, sollen sich hier weniger Geisteswissenschaftler tummeln: Studenten im Lichthof an der Uni Zürich. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Für die SVP werden hierzulande zu viele Psychologen, Ethnologen, Soziologen oder Historiker ausgebildet. Schon im Frühjahr hatte sich Fraktionschef Adrian Amstutz für einen Numerus clausus bei diesen Fächern ausgesprochen.

Es könne nicht sein, dass 45‘000 Studierende an Schweizer Unis Fächer der Geistes- und Sozialwissenschaften belegten, während es an Medizinern, Ingenieuren oder Informatikern fehle.

«Nur begrenzte Arbeitsmöglichkeiten»

Die SVP-Fraktion wandte sich deshalb an den Bundesrat. In der Begründung des parlamentarischen Vorstosses schreibt die Partei, dass die heutigen «Massen-Studiengänge» der Sozial- und Geisteswissenschaften an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes vorbeizielten. Es sei auch aus der Sicht der Studenten ungerecht, Akademiker auszubilden, die «nur begrenzte Arbeitsmöglichkeiten haben».

So wollte die SVP vom Bundesrat wissen, wie hoch die Arbeitslosenquote bei Studienabgängern der Geistes- und Sozialwissenschaftlern ist. Zudem sollte der Bundesrat Zahlen liefern, wie viele dieser Studierenden nur beim Staat einen Job finden.

Bundesrat zerpflückt Argumente

In den diese Woche veröffentlichten Antworten erteilt der Bundesrat dem Anliegen der SVP eine Abfuhr. Es bestünden «keine Anhaltspunkte, dass Absolventen der Sozial- und Geisteswissenschaften in unserem Land über keine oder nur begrenzte Anstellungsmöglichkeiten verfügen». Im Gegenteil sei die Erwerbslosenquote von Abgängern dieser Fachrichtungen tief und es bestünden Anstellungsmöglichkeiten sowohl im öffentlichen Dienst als auch in der Privatwirtschaft. Man sehe keinen Anlass, das Thema in der kantonalen Hochschulkonferenz aufs Tapet zu bringen, wie es die SVP verlangt hat.

Der Bundesrat untermauert seine Antworten mit Zahlen des Bundesamts für Statistik: 2013 seien fünf Jahre nach Studienabschluss 2,8 Prozent der Absolventen auf Masterstufe und 0,5 jener der Doktoratsstufe ohne Erwerb gewesen. Damit liege die Erwerbslosenquote nur leicht über dem Durchschnitt aller Fachrichtungen (2,3 Prozent). Zudem sei die Quote weniger hoch als bei der Gesamtbevölkerung, wo sie 2013 4,4 Prozent betrug.

SVP-Offensive in Kantonen

Auch dass die Geisteswissenschaftler besonders oft bei Papa Staat eine Anstellung finden, will der Bundesrat nur teilweise bestätigen. Zwar sei ein Jahr nach Masterabschluss die Mehrheit (61 Prozent) im öffentlichen Dienst angestellt, doch decke sich dies ungefähr mit dem Anteil der Naturwissenschaftler, der 60 Prozent beträgt. Im Durchschnitt aller Fachrichtungen arbeiten 51 Prozent beim Staat.

SVP-Fraktionschef Amstutz war wegen der Von-Wattenwyl-Gespräche nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Thema bleibt aber aktuell: In mehreren Kantonen wollen SVP-Politiker den Numerus clausus für Geisteswissenschaftler ins Parlament bringen. Der Berner Grossrat Ueli Augstburger hat laut «Blick» einen entsprechenden Vorstoss ausgearbeitet.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • citoyen am 29.08.2015 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Rudolf Strahm (SP) ist gleicher Meinung

    Schon Ende 2012 hat Strahm im TA geschrieben: "An den Universitäten zeigt sich eine Entwicklung am Arbeitsmarkt vorbei." Er erwähnt besonders: Psychologie 8000 Studenten, Politologie 4500 -insgesamt 44'000 Studenten in Geisteswissenschaften und nur die Hälfte in Naturwissenschaften, die wir so dringend benötigen. Pro Jahr gebe es 3500 Doktoranden-Abschlüsse. 2337 seien arbeitslos gemeldet. Er kommt zum exakt gleichen Schluss wie die SVP: "Es braucht dringend eine gewisse Steuerung im Bildungsbereich." Und, wie eine Antwort an den Bundesrat: "Das wird nicht allen passen."

  • Marc Meier am 29.08.2015 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jo mei... Nur 60% beim staat

    Aha... 60% der 45000 jährlichen Absolventen arbeiten beim Staat. Was die wohl so alles nützliches tun? Kostet ja auch nix.

  • Markus M am 29.08.2015 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie doof muss man sein?

    Es fehlt an medizinern ja absolut! Ändert da etwas wenn man einen NC in den Geistes und sozialwiss. Einführt? Nein! Es gibt ja trotzdem nicht mehr medizinätze an den Unis!

Die neusten Leser-Kommentare

  • abc am 30.08.2015 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genug Informatiker

    Es gibt genug Informatiker! Aber nicht zu einem McDonalds-Lohn, damit die Manager noch mehr Boni bekommen!

  • Amos am 30.08.2015 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Vorbild voran?

    Kann mir mal jemand einen SVP-Politiker (sagen wir auf Nationalebene) nennen, der Naturwissenschaften studiert hat?

  • MF am 30.08.2015 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Augen zu und durch

    Die SVP hat recht! Und es hat zu viele im Volk , die die Augen verschließen, vieles nicht sehen wollen...

  • A.Rettus / Egnach am 30.08.2015 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Astabsäger

    Es ja wohl klar,dass die Antwort vom Bundesrat so ausfiel.Denn diese Statistiken fertigen ja gerade diese Geistes und Sozialwissenschaftler an.Sie würden ja sonst den Ast absägen,worauf sie ja sitzen.Tatsache ist einfach,dass diese Studienrichtungen der Schweizer Bevölkerung nichts bringt und enorm viel Geld kostet.Und für die meisten der45000 Absolventen ist das eine traumhafte Aussicht,für nichts!! tun,soviel Geld zu erhalten.Dafür tausende von Ingenieuren und Fachkräfte importieren.

  • same süfi am 30.08.2015 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein zur insel CH

    SVP no go. Die Nein-Sager Partei bekommt ein verdientes Nein. Man kann nicht unbegrenzt fremdenfeindlich, konservativ eingestellt sein. Vom Anderen profitieren und ihn ablehnen geht nicht. Ein positives Mit und Nebeneinander geht mit dieser Ausschlusspartei auf die Länge nicht.