Atom-Debatte

14. März 2011 13:52; Akt: 14.03.2011 17:18 Print

Abschaltung älterer AKW nicht ausgeschlossen

von Balz Bruppacher, Bern - Nach dem Atom-Unfall in Japan verordnet Bundesrätin Leuthard eine Sicherheitsüberprüfung. Sie schliesst die Abschaltung älterer AKW nicht aus.

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Am 4. Dezember 2008 wurden die Rahmenbewilligungsgesuche für neue AKW in Mühleberg und Beznau eingereicht. Ein halbes Jahr zuvor war bereits ein Gesuch für Gösgen II gestellt worden.

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Der Unfall in Japan bringt die Atomenergie in der Schweiz in Bedrängnis. Gestützt auf die Analyse ihrer Experten verfügte Energieministerin Doris Leuthard am Montagmorgen zwei Massnahmen: Erstens werden alle fünf bestehenden Atomkraftwerke im Lichte der Erkenntnisse aus Japan einer vorzeitigen Sicherheitsprüfung unterzogen. Zweitens werden die Verfahren über die Rahmenbewilligungsgesuche für drei neue Atomkraftwerke sistiert. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) soll den Unfall in Japan genau analysieren und daraus allenfalls neue oder schärfere Sicherheitsstandards ableiten.

Das könnte im Extremfall auch dazu führen, dass bestehende AKW in der Schweiz abgeschaltet werden müssen. «Das ist richtig», sagte Leuthard vor den Medien in Bern auf eine entsprechende Frage. Falls die Sicherheitsstufe heraufgesetzt werden müsste, wäre es vor allem bei den älteren Werken möglich, dass man solche Anlagen vom Netz nehmen müsste. Denn die Investitionen für die Erhöhung der Sicherheit wären in einem solchen Szenario wahrscheinlich zu hoch.

Leuthard über Ausfall des Kühlsystems überrascht

Weil aus Japan noch keine gesicherten Erkenntnisse über die Ursache der gravierenden Probleme vorliegen, lässt sich nach den Worten von Leuthard nicht abschätzen, wie lange die Sistierung und die Überprüfung dauern werden. «Das kann ein paar Wochen dauern, es kann aber auch ein paar Monate dauern», sagte die UVEK-Chefin. Eine zentrale Frage bei der Überprüfung werde die Kühlung sein. Leuthard zeigte sich etwas überrascht über den Ausfall der Kühlsysteme in Japan nach dem Erdbeben und dem Tsunami. Aber auch die Frage der Erdbebensicherheit werde noch einmal unter die Lupe genommen. Bisher sind die Schweizer Vorschriften auf ein Erdbeben der Stärke 7 auf der Richterskala ausgerichtet.

Leuthard sieht das Vertrauen in die Atomenergie generell erschüttert. «Ich glaube schon, dass das Vertrauen unter diesem Unglück leidet», sagte sie. Man dürfe aber auch nicht in Panik verfallen und voreilige Schlüsse ziehen. Dennoch gehe es auch darum, Alternativen zu prüfen. So soll das Bundesamt für Energie abklären, was es bedeuten würde, wenn nur eines oder gar keines der hängigen Gesuche für neue AKW bewilligt würde. Dies sei auch ein Gebot der Fairness gegenüber der Politik. Konsequenzen hat die Sistierung der Verfahren auch für die laufende Vernehmlassung bei den Kantonen über den Sicherheitsbericht des ENSI vom vergangenen Januar. Dort, wo Volksabstimmungen zu dieser Frage geplant waren, ist es an den Kantonen zu entscheiden, ob die Abstimmungen nun verschoben werden.

Auf den Ausstieg aus der Atomenergie angesprochen, erinnerte Leuthard an den Grundsatzentscheid des Bundesrats von 2007. Demnach ist der Bau neuer Grosskraftwerke für die Versorgungssicherheit nötig, wobei neben der Atomenergie auch Gaskombikraftwerke als Übergangslösung in Frage kommen.

Keine Gefahr für die Schweiz

Zur Gefahrenlage für die Schweiz nach dem Atomunfall bekräftigte die Energieministerin die Lagebeurteilung des ENSI. Selbst im schlimmsten anzunehmenden Fall für die Freisetzung von grossen Mengen an Radioaktivität bestünde demnach keine Gefahr für die Bevölkerung in der Schweiz.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eduard J. Belser am 14.03.2011 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Aus für "Rostlauben-Reaktor"

    Das Eidg. Nuklear(un)sicherheitsinspektorat ENSI sollte jetzt schweigen und gründlich über die Bücher gehen, vor allem was sein Gefälligkeitsgutachten zum Weiterbetrieb des maroden "Rostlauben-Reaktors" Mühleberg betrifft. Gutachter die der Atomindustrie weniger nahe stehen als das ENSI sind längst zum Schluss gekommen, dass dieses "Russisch-Roulett-AKW" mit den meterlangen Rissen im Kernmantel hochgefährlich ist und so rasch wie möglich stillgelegt werden müsste.

  • db3 am 14.03.2011 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die handfesten Interessen der Atomlobby

    Würde man die Milliarden statt in AKWs in Solarenergie investieren, könnte man die Ch mehr oder weniger flächendeckend mit Sonnenstrom versorgen. Doch da stehen eben handfeste Interessen dahinter, die diese Entwicklung seit Jahrzehnten bremsen. Jedes Dach, jede Autobahnabgrenzung bietet Fläche genug für Solarstrom. Ach ja, der heimatschutz: Was soll das, wenn es dereinst nichts mehr zu schützen gibt? Dann wird er überflüssig wie ein Kropf.

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  • peter reiner am 14.03.2011 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    uran noch bis 2025

    wenn man genau hinschaut, sind akw's sind überhaupt nicht sauber. dort wo uran abgebaut wird, sind ganze landstriche verstrahlt. und im moment werden pro jahr etwa 68000 tonnen uran in den akw`s weltweit verbraucht.aber es werden nur etwa 40000 tonne pro jahre produziert. im moment können wir noch von den gelagerten reserven zerren, aber bald ist alles aufgebraucht. was dann?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • realist am 15.03.2011 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Spätenstens am Ende werde wir erwachen

    Spätestens wenn die Menschheit unterirdisch oder gar ganz aussterben sind werden wir uns evlt. ändern. Aber ich denke selbst dann gibt es wohl noch ein paar unverbesserliche die noch immer an den schnellen Strom glauben..!!Bendenke, noch SIE oder ICH werden die Personen sein, die das Geld haben werden in den Schutzräumen zu überleben...;o)

  • habi am 15.03.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Super Arbeitsplätze zerstören

    Toll KKW abschaltten, Stellen abbauen, hunderte Arbeitslose. Da stellt sich natürlich die Frage wer sich so einen Schwachsinn ausdenkt. Wohl die gleichen die ständig Predigen etwas gegen Arbeitslosigkeit zuunternehmen. Aber macht ja nichts, da das Angebot an elektrischer Energie sinkt jedoch die Nachfrage bleibt, wird der Energiepreis steigen und dieses Geld können wir dann an die, durch einen derart unüberlegten Schritt enstandenen, Arbeitslosen verteilen.

    • realist am 15.03.2011 13:53 Report Diesen Beitrag melden

      100 arbeitslose Vs. 100000 Tote??

      Ja das ist nun mal so, irgendwann holen uns die Entscheidungen wieder ein. Aber was sind schon ein paar hundert oder tausend Arbeitslose gegen tausend Jahre Vertrahlung und unmengen Krebstote??

    • Markus Laubacher am 07.06.2011 20:16 Report Diesen Beitrag melden

      Genau, es muss das....

      Verhältnis angeschaut werden. Zudem würde vorerst der Ersatz der drei ältesten Meiler Milliarden kosten. Jetzt muss doch endlich begonnen werden genau mit diesem Geld erneuerbare Energien zu etablieren! Atomlobby (Kraftwerksbetreiber, Stromkonzerne u. Kantone) muss endlich beginnen umzudenken!! Auch muss in Brüssel ein Programm auf die Beine gestellt werden wie wir wieder mit mehr handwerklicher Wertarbeit und weniger stromfressenden Maschinen ähnliches produzieren können. So hätten die brüsseler Amtlinge mal eine richtige Aufgabe. Eine bessere als das was sie bis jetzt veranstaltet haben.

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  • Hans am 15.03.2011 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Die Gefahren werden herunter gespielt

    Es ist unerträglich / leichtsinnig die Atomkraftwerke auf einfach auf die leichte Schulter zu nehmen. Unsere Gesellschaft ist sowas von blauäugig, doch wir Schweizer sind nicht Lebensmüde, und wollen die sofortige Atomkraftwerk-Abschaffung Atomkraftwerke

    • Pascal am 15.03.2011 13:46 Report Diesen Beitrag melden

      Keine AKWs, nein DANKE

      Wir können die AKWs nicht abschalten!!! Am besten wäre es, wenn Leute wie du mal für 1Woche den Atomstrom abgeschaltet bekommen (keine Ahnung wie das gehen soll aber es gibt immer eine Lösung). Dann seht ihr wie abhängig wir sind von den AKWs

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  • hot 54 am 15.03.2011 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Verzichten?? Wer denn??

    Dass wir in unserer Wohlstandsgesellschaft Strom brauchen ist wohl allen klar. Sonnenkollektoren auf dem Dach?? der Heimatschutz hat etwas dagegen! Windkraftwerke im Jura? Der Landschaftsschutz verhindert das!! Verzichten ?? Bitte die Anderen, schliesslich will ich mein Strom-Auto, mein Elektrovelo und meinen Computer benutzen!! Baut endlich die drei neuen AKW`s !! Erdbebensicher bis Richterskala 9 und nach neuesten technischen Erkenntnissen und schaltet die 5 alten ab. Dann hat es Strom für alle und unsere Wirtschaft kann weiter blühen!Verzichten uns sparen will nämlich ernsthaft doch niemand

    • Pascal am 15.03.2011 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      AKWs sind Standart

      Also alle die wollen das alle AKWs in der Schweiz sofort abgeschaltet werden haben keine Ahnung was Strom ist. Denn wenn alle abgeschalten wären, dann haben wir keinen Strom mehr. Und wir kaufen den Strom von DE, F, AT, etc. Folgend steigen unsere Strompreise und alle jammern. Und die anderen Länder bauen neue AKWs für uns Schweizer. Also bauen wir doch lieber unsere Beznau 3 und schalten Beznau 1 und Mühleberg ab. Da Beznau 3 mehr Strom produziert als KKB 1+2 und Mühleberg. Und nach Beznau 3 werden Beznau 1+2 sowiso stillgelegt.

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  • WistleBlower am 15.03.2011 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Mogelpackung Atomenergie

    Ohne Atomstrom (Reaktor) keine Plutonium herstellbar, ohne Plutonion keine Atomwaffen. Leute informiert euch und wacht auf, den ob mit oder ohne Strom, werdet ihr immer noch hinters Licht geführt.

    • habi am 15.03.2011 13:07 Report Diesen Beitrag melden

      Probieren kann mans ja

      Es ist zwar korrekt das der grösste Teil an Plutonium in Kernreaktoren hergestellt wird, jedoch nur in Leichtwasserreaktoren da diese mit angerreichertem Uran 238 betrieben werden nicht aber in Schwerwasserreaktornen welche ausschliesslich mit Uran 235 betrieben werden. Weiter ist zu sagen, dass die eine Kernwaffe die ihre wirkung durch Kernspaltung entwickelt auch mit Uran funktioniert und die weit gefährlichere Kernfusion mit den Wasserstoffisotopen Deuterium und Tritium. Trotzdem danke für die Info

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