Übergewicht

23. Mai 2015 06:05; Akt: 23.05.2015 06:05 Print

Abspeck-Camps boomen in der Schweiz

von Th. Bigliel - In den USA sind sie längst Alltag: Fat Camps für übergewichtige Kinder. Auch in der Schweiz werden solche Programme immer beliebter.

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Bildungs- und Ferienzentrum Neu-Schönstatt in Quarten: Hier sollen demnächst die Pfunde purzeln. (Bild: PD)

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In Weight Loss Camps sagen übergewichtige Kinder in den USA ihren Pfunden den Kampf an. Auch hierzulande stösst die amerikanische Idee auf immer grösser werdendes Interesse. Kein Wunder: Neue Zahlen des Bundesamts für Gesundheit belegen, dass 20 Prozent der Schweizer Kinder zu viele Kilos auf die Waage bringen.

In Quarten SG findet dieses Jahr zum ersten Mal ein Sommercamp für übergewichtige Kinder statt. Hinter dem Projekt stehen zwei junge Betriebsökonomen aus Chur. Das an einem Berghang gelegene Dorf Quarten «eigne sich perfekt», sagt Projektleiter Hannes Elmer. Im Gegensatz zu anderen Adipositas-Projekten wollen Elmer und seine Kollegin Sereine Vischer ohne Steuergelder über die Runden kommen. Dass das funktioniert, zeigt der Blick in die Spendenkasse: Mehrere tausend Franken hat das Team bereits zusammentragen können. Eine Crowd-Funding-Kampagne soll nun weitere Mittel in die Kasse spülen.

Prominente Unterstützung

Der Kampf gegen die Fettleibigkeit kommt auch bei Profisportlern gut an. Mit Langstrecken-Europameister Viktor Röthlin und Kunstturnerin Ariella Käslin wird das Projekt gleich von zwei prominenten Spitzensportlern unterstützt. Viel Zeit für Autogramme werden die Kinder jedoch nicht haben, denn neben dem körperlichen Training soll in Quarten auch gepaukt werden. Die Kinder sollen lernen, wie sie neben der Bewegung auch gesunde Ernährung in ihr Leben integrieren können. Eine Idee, die Röthlin gefällt: «Diese Kombination bildet für viele Kids den Startschuss in ein gesundes Leben», lässt sich Röthlin auf der Homepage des Projekts zitieren.

Wird Quarten in Zukunft zu einem Drill-Mekka für Fettleibige? «Nein», sagt Elmer. Ein Bootcamp nach amerikanischem Vorbild wolle man nicht sein. Zwar gehe man mit den Kindern wandern und schwimmen, doch Nachwuchsathleten werden im Camp keine geformt. «Da sich das Programm an 10- bis 13-Jährige richtet und eine Woche dauert, wäre das zu hoch gegriffen», meint Elmer lachend. Im Vordergrund stehe der Spass und der spielerische Umgang mit der eigenen Sportlichkeit.

Kids müssen Gürtel enger schnallen

Auch in anderen Teilen der Schweiz sagt man dem Übergewicht bei Kindern den Kampf an. So etwa im Aargau, in Basel und Zürich. Angela Batschelet vom Sportamt des Kantons Zürich führt sogar bereits seit sieben Jahren Abspeck-Camps durch. Sie sagt: «Das hat sich bewährt.» Wenn bei den Kindern nach einer Woche die Hosen zu rutschen beginnen, sei das für die Betroffenen ein «Riesenerfolg». «Manche Kinder bringen deswegen sogar einen Gürtel ins Camp mit», meint die Sportwissenschaftlerin lachend.

Ein Erfolgserlebnis hatte auch der 14-jährige Malik aus Zürich. Weil er sich nach dem Tod seines Vaters aus Frust Kilo um Kilo angegessen hatte, brachte er bis vor Kurzem 100 Kilo auf die Waage. Mit dem vom Kanton Zürich organisierten Fat Camp konnte er bereits einige Pfunde purzeln lassen. Die Kosten: rund 800 Franken. Im Quartener Projekt sollen es pro Kind nur 400 Franken sein. «Als Privatprojekt und Dank der Hilfe von Sponsoren können wir die Teilnahmegebühren relativ tief halten», sagt Elmer. Der Organisator des Abspeck-Camps ist zuversichtlich, im Sommer bis zu 80 Kinder in Quarten unterbringen zu können.

Das Quartner Adipositas Camp für Kinder (QUACK) findet vom 11. bis 18. Juli im Bildungs- und Ferienzentrum Neu-Schönstatt in Quarten statt. Eltern können ihre Kinder unter www.quack-sg.ch anmelden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dario am 23.05.2015 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Vlt. sollte man besser ein Camp für Eltern machen "wie erziehe ich ein kind, Schwerpunkt Ernährung und Bewegung"

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  • Steff am 23.05.2015 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unvernünftig

    Also das wäre nicht nötig,würden Eltern sich mehr um ihre Kinder kümmern! Aber heute bekommen die Kids einfach alles und der Sport musste dem Smartphone weichen! Denkt mal nach was ihr da züchtet!

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  • Yann am 23.05.2015 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    Gute Sache, schade dass es sowas überhaupt braucht

Die neusten Leser-Kommentare

  • F. M. am 24.05.2015 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    In der Gruppe geht's leichter

    Finde ich grundsätzlich eine gute Sache.

  • angelina am 24.05.2015 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    die eltern sollten ins so ein camp

    tja genauso kommts raus wenn eltern den ganzen tag arbeiten und keine zeit mehr für ihre kinder haben wollen. aber es ist ja wichtiger materiell genug zu haben und mindestens einmal im jahr in die ferien fliegen zu können. aber das sieht ja niemand ein, im gegenteil, es geht ja so gar nicht ohne das beide arbeiten, weils sonst nicht reicht. jajajaja............ wie wärs mal mit einschränkungen. dafür dem kind täglich gesund kochen können und ihm zuhören können wenns was zu erzählen hat. das ist wichtig!!!!!!

    • Tanja am 24.05.2015 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Arrogant

      Diese Meinung Angelina ist kleinkariertund arrogant! Denken Sie wirklich, dass alle Mütter die arbeiten es tun um sich ein Luxusleben zu ermöglichen? Denken Sie wirklich, dass dieser Spagat zwischen schlechtem Gewissen und der Notwendigkeit mitzuverdienen in der Präferenz nach Überflüssigem liegt! Ich wette, dass der zusätzliche Spruch eines solchen Snobs auch sein könnte " wenn man es sich nicht leisten kann, dann soll man auch keine Kinder kriegen !" Traurig von einer Frau so was über andere Frauen zu hören. By the way: bin berufstätig, keine Kinder - mit grossem Respekt vor diesen Mamis!

    • Simon am 24.05.2015 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Arriganter Kommentar

      Dieser Kommentar kann nur von einer frustrierten Singlefrau kommen, die keine Ahnung von Familie und Kindern hat. Es ist nun mal so, dass wenn eine Familie 2'300.- Miete (Bsp. Zürich), Krankenkassen, Versicherungen, Essen, Kleider, usw. bezahlen muss, oft ein einzelner Lohn von 5800.- nicht reicht. Da müssen beide Eltern arbeiten. Und es geht nicht um tolle Simmerferien, Smartphones und Selbstverwirklichung. Es geht ums Durchkommen bis Ende Monat.

    • Roger Kuhn am 24.05.2015 12:22 Report Diesen Beitrag melden

      @angelina ... immer wieder amüsant

      festzustellen, wenn jemand in der Schweiz das Problem beim Namen nennt und es auf den Punkt bringt, wird er mit dem Adjektiv "Arrogant" betitelt, die Deutschen in der Schweiz können davon ein Lied singen.

    • Tanja am 24.05.2015 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roger Kuhn

      @ Roger Kuhn: sie nennt das Problem beim Namen in dem sie sagt, dass die Mütter lieber Luxus nachrennen statt für ihre Kinder zu kochen? Tolles Frauenbild haben Sie da!

    • Snow White am 24.05.2015 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Es gibt solche und solche

      Sorry, aber ich kenne Mütter die genau das machen! Sie rennen dem Geld hinterher. Von Kochen haben sie keine Ahnung. Also wird halt eine Tiefkühlpizza in den Ofen geschoben. Wie gesagt ich kenne solche, sage aber nicht, dass alle so sind.

    • Dexter am 24.05.2015 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      @ Snow White

      Schon mal dran gedacht, dass auch der Vater gerne kochen darf? Wieso geben sie nur den Müttern die Schuld?

    • Foifermocke am 24.05.2015 14:52 Report Diesen Beitrag melden

      Frage?

      @ Dexter! Also der Vater muss noch Kochen am Abend wenn er nach 10 Stunden Arbeitstag nach Hause kommt? Was machen Sie als Frau den ganzen Tag? Im migros Kafi sitzen?

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  • Silvia am 24.05.2015 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch Erwachsene brauchen Hilfe

    Schade, dass es solche Camps nur für Kinder gibt. Ich (40) würde gerne die Chance haben abseits vom Berufsalltag einen Neustart mit mehr Bewegung und gesunder Ernährung beginnen. Formate wie Biggest Loser oder soche Camps finde ich optimal! Ich war früher sehr sportlich, bis zu 5 mal pro Woche Tennis gespielt, Inlines, Schwimmen und sonstiges. Nach einem Unfall musste ich ein Jahr aussetzen und hatte anschliessend wegen Beruf und Berufsbegleitendem Studium den Wiedereinstieg in den Sport verpasst.

    • just do it am 24.05.2015 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nicht Jammern

      Nur eine Frage des Willens. Also Fernseher aus, Sportkleider anziehen und los gehts. Wenn es Sie wirklich so stört dann sind Sie auch dazu bereit etwas zu machen.

    • Wave am 24.05.2015 10:49 Report Diesen Beitrag melden

      Viel Glück

      ich wünsche dir viel Kraft um all das wieder machen zu können was dir gefällt!! Und dass deine Gesundheit sich sehr gut erholt!

    • Mirjam am 24.05.2015 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Innerer Schweinehund

      Ich hatte mein Leben lang Normalgewicht und nach einem Unfall habe ich dann innert kurzer Zeit über 20 Kilos zugenommen. Man muss den inneren Schweinehund besiegen! Ich übe zwar nicht mehr meinen früheren Sport aus, doch ich gehe 2-3 Mal pro Woche joggen; vor oder nach der Arbeit, bei Sonne, Regen und Schnee. Das kostet fast nichts und in Verbindung mit einer gesunden Ernährung bin ich die 20kg schon fast wieder los geworden und fühle mich zudem topfit. Man findet leicht auch Laufgruppen, wenn es alleine langweilig ist, oder man gründet eine.

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  • Nicole am 24.05.2015 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern nicht die Kinder

    Ich stell es mir jetzt schon vor: Sagt der 10-Jährige Knirps nach dem Camp seiner Mutter welche nur Fertigprodukte zubereitet, wie und was sie kochen soll, dass es ausgewogen und gesund ist. Schnallt das den niemand von den Organisatoren, dass nicht die Kinder, sondern die Eltern in diesem Camp ausgewogen kochen und sich ernähren lernen sollten? Ausserdem sollten auch Tipps mit auf den Weg gegeben werden, wie man möglichst schnell und zeitsparend gesund kocht, da viele Eltern aus Zeitmangel zu Fertigprodukten greifen.

  • Hanna am 24.05.2015 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dankbar sein und normal essen

    Es ist schon ungerecht.Ein paar Tausen Kilometer entfernt von uns verhungern Täglich Kinder und bei uns sind die Medien voll mit Ernährungsproblemen,Diäten und eben übergewichtigen Kindern.Wir sollten mal dankbarer sein dass es uns gut geht und mal wieder die normalen Lebensmittel schätzen lernen und diese Industrieprodukte meiden.

    • MissSeventeen am 24.05.2015 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ....

      Nur sind wir als Einzelpersonen nicht schuld, dass die anderen verhungern. Wir können spenden und so helfen. Jedoch hat es hier trotzdem mehr als genug Essen. So wie es logisch ist, dass Leute mit wenig oder keinem Essen abmagern/verhungern, ist es auch logisch, dass Leute mit zu viel Essen dick werden (können). Ich finde es deshalb gut stellt man sich diesem Problem. Man sollte übergewichtigen Menschen helfen wieder abzunehmen! Mich nervt dieses Vergleichen mit Armen... Sollen wir extra auch kaum noch essen wegen den Armen? Das bringt ihnen genau nichts. Lieber hier den Übergewichtigen helfen und den Armen zu mehr Essen verhelfen.

    • Hanna am 24.05.2015 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @miss

      Mir ist auch klar dass es den Hungernden kein Nutzen bringt wenn wir weniger essen.Es bringt aber auch nichts wenn wir wahllos Essen in uns stopfen nur weil wir im Überfluss leben. Bin auch nicht ganz ihrer Meinung dass man den Übergewichtigen unbedingt helfen soll.D2 Kindern ja, aber Erwachsene stopfen die Süssen und fetten Sachen selber rein also

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