Tamedia-Umfrage

11. September 2018 13:41; Akt: 12.09.2018 09:21 Print

Mehrheit ist jetzt gegen die Fair-Food-Initiative

von P. Michel - Die Zustimmung zu den Agrarinitiativen ist deutlich eingebrochen. Ein Argument überzeugt: Dass die Preise steigen würden.

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Der Rückhalt der beiden Agrarinitiativen bei den Stimmberechtigten bröckelt: Zur Fair-Food-Initiative sagen derzeit noch 43 Prozent Ja, bei der Initiative «Für Ernährungssouveränität» sind es gar 39 Prozent, wie die neue Tamedia-Umfrage zeigt. Fair Food verliert damit im Vergleich zur letzten Befragung Ende August 12 Prozentpunkte, bei der Initiative «Für Ernährungssouveränität» sind es 14 Prozentpunkte. Noch deutlicher zeigt der Einbruch ein Vergleich mit der ersten Umfragewelle (siehe Grafiken).

Zum Umschwung bei der Fair-Food-Initiative haben unter anderem die CVP-Wähler beigetragen. Die Initiative verlangt, dass der Bund das Angebot an naturnahen, tierfreundlichen und fair produzierten Lebensmitteln fördert. Wollten bei der zweiten Welle der Befragung noch 53 Prozent der CVP-Wähler die Vorlage annehmen, waren es nun noch 36 Prozent. Mehrheitlich für Fair Food wollen SP- sowie Grünen-Sympathisanten stimmen.

Die Initiative «Für Ernährungssouveränität» hat besonders bei SVP-Wählern an Zuspruch eingebüsst. Die Zustimmung schmolz von 53 Prozent auf 33 Prozent. Am meisten Unterstützung für die Initiative, die unter anderem für «gerechte» Löhne für die Bauern sorgen und die Zahl der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft erhöhen will, gibt es bei Wählern der SP und der Grünen.

Gegner sehen sich auf dem richtigen Weg

SVP-Nationalrat Marcel Dettling vom Komitee gegen die beiden Agrarinitiativen zeigt sich erfreut: «Der massive Einbruch zeigt, dass wir mit unserer Aufklärungsarbeit über die Folgen der Initiativen, die zwar gut klingen, aber Schaden anrichten, auf dem richtigen Weg sind.»

Die Bürger würden erkennen, dass sowohl Fair Food als auch Ernährungssouveränität einschneidende Folgen hätten, die unmittelbar am Preis spürbar wären, sagt Dettling: bei Fair Food durch Kontrollen im Ausland sowie höhere Vorgaben an die Bauern im Inland. Auch die sinkende Zustimmung zur Initiative «Für Ernährungssouveränität» zeige, dass eine reine Planwirtschaft nicht gewünscht sei. Laut Tamedia-Umfrage überzeugt die Gegner der Fair-Food-Initiative besonders das Argument der steigenden Preise, während es bei der Ernährungssouveränität zusätzlich noch die Marktabschottung ist.

Argument der steigenden Preise sei unseriös

Nationalrätin Adèle Thorens (Grüne) begründet die schwindende Zustimmung für die Fair-Food-Initiative mit der aggressiven Gegenkampagne. Das Problem sei, dass der Inhalt ihrer Initiative von den Gegnern verzerrt werde: «Es geht nicht darum, dass es nur noch bio geben soll. Diese Produkte sollen nur gefördert werden.» Und da auch Massnahmen gegen Food-Waste vorgesehen seien, der pro Jahr und Haushalt 2000 Franken koste, sei das Argument der steigenden Preise unseriös.

Für Mathias Stalder von Uniterre ist der deutliche Einbruch bei der Ernährungssouveränitäts-Initiative auf die «Angst-Kampagne» der Gegner zurückzuführen. «Politik funktioniert übers Portemonnaie – und wenn von völlig übertriebenen Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent gewarnt wird, verfängt das leider bei vielen.» Als kleine Bäuerinnen- und Bauerngewerkschaft habe man mit einem Budget von 50'000 Franken wenig Möglichkeiten, der übermächtigen Millionenkampagne etwas entgegenzusetzen. Ein weiterer Grund für den Absturz sei, dass sich die Detailhändler, die eine hohe Glaubwürdigkeit hätten, in den Abstimmungskampf eingemischt hätten, um ihre «Margen zu sichern».

«Geben fürs Essen schon heute nur 6,4 Prozent des Einkommens aus»

Stalder hält die Befürchtung der Abschottung und der steigenden Preise nicht für gerechtfertigt: «Wir wollen nicht die Grenzen dichtmachen, sondern einen fairen Handel und soziale und ökologische Kriterien aufgreifen.» Bei den Warnungen vor höheren Preisen werde übertrieben. «Möglich, das Essen etwas mehr kosten wird, aber sicher nicht 50 Prozent mehr. Wir finden: Fairness und Nachhaltigkeit sollten uns das wert sein.» Schon heute werde nur 6,4 Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben.

Zur Umfrage

10'230 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 6. und dem 7. September 2018 online an der zweiten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zu den eidgenössischen Vorlagen vom 23. September teilgenommen. Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,6 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen gibts hier.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mona am 12.09.2018 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur 6.4???

    Was heisst hier nur? Es gibt Leute, die nicht mehr ausgeben können! Nach Abzug von überteuerten Mieten, der KK und anderen Pflichtabgaben bleibt für viele nicht mehr viel vom Lohn übrig.

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  • sVreneli am 12.09.2018 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Spiel ist schon ueberreizt !

    Noch mehr fuer Lebensmittel bezahlen parallel zu immer teureren Krankenkassenpraemien ? Nein danke - bestimmt nicht. Zudem, die Landwirtschaft hat jetzt schon den Auftrag, gute Produkte zu fairen Preisen im Einklang mit der Natur herzustellen.

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  • bauernfängerei am 12.09.2018 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz kein Schlaraffenland

    So lange wir arbeiten müssen um Geld zu verdienen wird die fairfood Initiative keine Chance haben... und die beiden anderen Initiativen auch nicht denn da geht's schlussendlich auch nur ums abgezockt werden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Burgdorfer P am 23.09.2018 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Warum alles vorschreiben??

    ... warum immer und überall ALLES vorschreiben ?? Es kann ja schon jetzt ein Jeder grün und dunkelgrün einkaufen wenn er dies will (und zu bezahlen vermag)

  • Vevi Schoch am 21.09.2018 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht mit Einschränkungen

    Habe auch mit einem unbedingtem NEIN gestimmt.... Lasst uns einfach unsere Kauffreiheit bestehen - keine Einschränkung mehr!!!!!!

  • ruth m. am 21.09.2018 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann wird endlich Sachpolitik und nicht nur Partei

    Ich verstehe überhaupt nicht um was es wirklich geht. Obwohl ich mich ständig zu informieren versuche. Ich möchte, dass es den Bauern gut geht, ich bin fürs Tierwohl und dagegen dass soviel Chemie verspritzt wird. Wie soll ich mir ein Bild machen wenn sich die Bauern nicht einig sind und die Politik nur Parteipolitik statt Sachpolitik machen. Gerne würde ich etwas mehr für Lebensmittel ausgeben damit die Bauern einen fairen Lohn bekommen. Was soll ich Stimmen?????

  • Thomas Bühlmann am 18.09.2018 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wer denkt an uns?

    Wenn man sich genauer ansieht wer hinter dieser Initative steckt, findet man jede Menge Personen mit überdurschnittlich hohem Einkommen bzw. jetzt schon gesicherten Staats- bzw. Bundespensionen im sechsstelligen Bereich! Aber wer denkt an uns, 4 Personen, 6000.- Brutto, 2000.- Miete, 1000.- KK etc. etc.

  • Iris Sanssoucie am 13.09.2018 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Degeneration

    Keine spezies ist so veranlagt,seine eigene nahrungsquelle zu zerstören!!! a propos geld:coiffeurkosten tolles auto alkohol etc ist den menschen offenbar wichiger als qualität ihrer nahrung.

    • Steuerzahler am 14.09.2018 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Iris Sanssoucie

      Ich denke unsere Lebensmitteln sind gut genug. Und jeder kann selber entscheiden was er kauft. Diese Initiative will einfach uns zwingen ausschliesslich Produkte der CH Bauern zu kaufen. Und da sage ich Stopp! Es reicht langsam. Bauern kaufen auch nicht ausschliesslich CH Produkte. Und ich habe langsam so genug von Monopol, egal SBB, Swisscom oder Bauern. Es sind auch meine Steuern die Bauern unterstützen. Und wie ein Sprichwort sagt: wer zahlt hat das sagen. Punkt.

    • Pesche am 21.09.2018 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Iris Sanssoucie

      Die Bauern werden vergoldet was wird ihnen nicht alles subventioniert wenn ich aber Irischbutter kaufen möchte, muss ich nach Deutschland fahren

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