Provokation

12. Mai 2014 10:37; Akt: 13.05.2014 18:45 Print

Aids-Kampagne zeigt Paare beim Sex

Der Bund bricht ein Tabu: Für die neuste HIV-Kampagne wurden Pärchen in voller Aktion fotografiert und gefilmt. Die Kampagne soll für Gesprächsstoff sorgen.

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Heisse Szenen mit richtigen Paaren: Die neue Kampagne gegen HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen hat es in sich. Das Motto ... ... lautet «Love Life - und bereue nichts». Drei Aussagen sollen das verdeutlichen: «Ich geniesse mein Leben, das bin ich mir schuldig», «Ich liebe meinen Körper, deshalb schütze ich ihn» und «Ich bereue nichts, dafür sorge ich». Lanciert wurde die Kampagne vom Bundesamt für Gesundheit, der Aidshilfe Schweiz und Sexuelle Gesundheit Schweiz. Beim Shooting haben mehrere Paare mitgemacht. Auch im Video sind echte Pärchen zu sehen. Weitere Interessenten können sich auf www.lovelife.ch zu einem Casting melden. Wer Teil der Kampagne werden will, kann einen Love-Life-Silikonring tragen. Auf der Website kann man auch das Versprechen für sich selbst abgeben, sich an die Safer-Sex-Regeln zu halten: das Love-Life-Manifest. Für die Kampagne sind die Safer-Sex-Regeln zentral: «Eindringen immer mit Gummi», «Sperma und Blut nicht in den Mund», und «Bei Juckreiz, Brennen oder Ausfluss zum Arzt». Frühere HIV-Kampagnen waren weit simpler. Hier das erste Plakat der Stop-Aids-Kampagne von 1987. Bei aktuelleren Plakaten setzte das BAG auf Humor ... ... oder auf nackte Tatsachen, wie hier 2006. Die Plakate mit den nackten Sportlern und der Message «Hier schützt man sich ja auch» sorgten für rote Köpfe. Die Aidshilfe hat vor der Euro 08 Safer-Sex-Regeln für Prostituierte und Freier lanciert. In einer anderen Kampagne machten Promis wie Marc Forster (Bild), Didier Cuche oder Stephanie Glaser auf die Diskriminierung von HIV-positiven Menschen aufmerksam.

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Eine Frau reitet auf ihrem Freund, zwei Schwule küssen sich nackt, Pärchen haben Sex in verschiedenen Stellungen: Die neuste Aids-Kampagne dringt weit in die Intimsphäre vor. Sie zeigt echte Paare und echte sexuelle Handlungen. Explizite Pornobilder sind auf den Plakaten und im Video natürlich nicht zu sehen. Gespielt ist aber nichts, wie David Schärer von der für die Kampagne verantwortlichen Werbeagentur Rod Kommunikation verrät: «Wir gaben den Paaren keine Anweisungen, was sie zu tun hatten und überliessen es ihnen, wie weit sie gehen wollten. Einige gingen schon ziemlich weit.»

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So befriedigte sich ein Paar beim Fotoshooting oral, andere machten Heavy Petting. Beim Videodreh, bei dem 20 Minuten dabei war, hörte man Stöhnen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) provoziert mit der ungespielten Leidenschaft bewusst, um die Leute zu erreichen: «Wenn niemand darüber redet, ist es rausgeschmissenes Steuergeld», sagt Roger Staub, stellvertretender Leiter der Sektion übertragbare Krankheiten beim BAG. Zwei Millionen Franken beträgt das Budget für dieses Jahr.

Die Provokation ist bei Aids-Kampagnen inzwischen Programm: Die letzte Kampagne der Aidshilfe schockte mit heftigen Bildern und dem Slogan «Fuck positive». Dass Sex ohne Gummi mit einem HIV-Positiven nur dann okay ist, wenn dieser «therapiert wird und er gut auf die Therapie anspricht», ging dabei fast unter.

Weniger HIV-Neuansteckungen

Die Message der heute lancierten Kampagne ist «Love Life – und bereue nichts». Wer sich an die Safer-Sex-Regeln hält («Eindringen immer mit Gummi», «Sperma und Blut nicht in den Mund», «Bei Juckreiz, Brennen oder Ausfluss zum Arzt»), brauche nach dem Sex kein schlechtes Gewissen zu haben. Es ist eine Mitmach-Kampagne: Das BAG sucht weitere Paare für Fotoshootings. «Wir sind überzeugt, dass Plakate mit echten Menschen stärker wirken als eine Kampagne mit Models», sagt Staub.

Seit 1987 lancieren das BAG und die Aidshilfe regelmässig neue Kampagnen. Die Zahl der HIV-Ansteckungen ist in dieser Zeit deutlich gesunken: Gab es um die 1990er-Jahre noch über 2000 Neuansteckungen pro Jahr, waren es 2013 noch 575. Die heute präsentierten Zahlen sind laut dem BAG erfreulich. Sie würden zeigen, dass der Trend trotz des Ausreissers im letztes Jahr, als 15 Prozent mehr Ansteckungen gezählt wurden, tendenziell weiter abnehme.

Von züchtig zu provokativ

Im Vergleich zu der neusten Kampagne war die erste Plakat-Aktion von 1987 noch richtig züchtig. Auf Plakaten war lediglich in fetten Buchstaben «Stopp Aids» zu lesen – wobei ein Kondom den Buchstaben «O» darstellte. Doch selbst diese Kampagne sorgte für rote Köpfe: Der christlich geprägte Kanton Wallis weigerte sich zuerst, die Plakate aufzuhängen.

Später wurden die Kampagnen frecher. 1996 kam der bekannte Slogan «Ohne Dings kein Bums». 2005 wurde aus der «Stop-Aids»- die «Love Life – Stop Aids»-Kampagne. 2006 gab es nackte Tatsachen: Das BAG zeigte auf grossen Plakate nackte Eishockeyspieler und Fechterinnen und verursachte damit erneut einigen Wirbel.

Jetzt hat die Aids-Kampagne des Bundes ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Wie will das BAG dies das nächste Mal toppen? Mit echten Pornos? «Wir wollen nicht einfach provozieren. Aber wir werden auch in Zukunft Wege finden, um Leute auf HIV-Prävention aufmerksam zu machen», so Staub.

Hier sehen sie das Making-of des neuen Aids-Kampagne-Films
(Video: Roland Schäfli/Lorenz von Meiss)


1996: «Ohne-Dings-Kein-Bums»
Quelle: Youtube/Tom Seinige

2012: «Du kannst es nicht ewig verstecken – sprich über Geschlechtskrankheiten»

Quelle: Youtube/checkyourlovelife

2009: «Ging's zu schnell, um an Gummis zu denken?»

Quelle: Youtube/Maestro Thaivisia

(hal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bretzelesser am 12.05.2014 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ablenkung im Strassenverkehr

    Da musste kürzlich jemand 250 Stutz zahlen weil er ne Bretzel beim Fahren gegessen hat. Ablenkung beim Fahren... Auf der anderen Seite finanziert der Bund solche Plakate die dann an jeder Strassenecke stehen. Wer was bei sich zu Hause hinter verschlossener Tür macht ist mir schnurz. Selberschuld wenn wegen mangelnder Selbstbeherrschung dann was passiert. Aber ich will nicht überfahren werden, nur weil einer den Sexplakaten des Bundes hinterher geifert!!!

  • Swen am 12.05.2014 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso wurde ich nicht gefragt?

    Also echt. Bei so einer Sache darf ich doch mitmachen wenn es schon über meine Steuern finanziert wird ;-)

  • Pascal Müller am 12.05.2014 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Leistung

    Wir haben das auch nicht gebraucht und wissen seit Klein Kind was AIDS ist.... Immer Mehr Sex in der Öffentlichkeit!!! Super Leistung und fördernt für die Jugend die eh schon zu früh SEX habe... Oder wiso weiss ein 5 Jähriger was Pornos sind? AIDS bekommt man nicht nur vom Sex....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • LeFrosch am 12.05.2014 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Kommis hier

    Versteh ich jetzt nicht ganz dass bei allem was "der Bund" macht wegen den Steuern gejammert wird?!?Klar geben die viel Geld für Sachen aus dies nicht wirklich braucht.Aber was denkt Ihr hat dieser Clip gekostet wenn man die generierte Aufmerksamkeit für eine wichtige Sache betrachtet?Wenn es nach den meisten von euch geht sollten wir ALLE Steuern für gratis TV, 100% perfekte Strassen und reorganisation der Ausgaben verwenden oder? Armee (bin kein Befürworter), Einwanderung, Div. Infrastruktur und alles sonstige braucht man nicht?Was für ne tolle Vorstellung einer Landesführung manche haben..

  • Eidgenosse mit Sinn für Weitblick am 12.05.2014 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Warum so prüde?

    Kommt endlich alle mal an im 21. Jahrhundert. Es läuft am Nachmittag im TV weitaus freizügigeres als dieser Clip zeigt. Die Macher haben es ja bereits geschafft, dass man darüber redet. ;-) Wuala, 12 Punkte für Switzerland

  • Sämi am 12.05.2014 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also

    Wenn der Bund jetzt Pornos dreht bin ich gerne bereit auch noch etwas mehr zu Zahlen, ist ja für die Algemeinheit.

  • sugus am 12.05.2014 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    gugs

    Das EGO des Schweizers nimmt wieder einmal überhand...

  • Art Furrer am 12.05.2014 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuergeld

    Da wird schon wieder Steuergeld weggeschmissen