Stadt Zürich

20. Mai 2015 05:51; Akt: 20.05.2015 09:22 Print

Airbnb-Gastgeber wegen Sex-Attacke verhaftet

von Marco Lüssi - Ein Mann, der über Airbnb Zimmer in Zürich anbietet, soll einen sexuellen Übergriff auf einen weiblichen Gast begangen haben. Er wurde am Dienstag festgenommen.

storybild

Einem Zürcher Airbnb-Gastgeber wird ein sexueller Übergriff auf einen weiblichen Gast vorgeworfen. (Symbolbild) (Bild: Tilllate.com/Stevan Bukvic)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Aus beruflichen Gründen war die Deutsche Kerstin W.* (28) in den letzten Tagen in Zürich – übernachtet hatte sie in einem Zimmer, das sie über Airbnb gebucht hatte. Am Dienstag um 6 Uhr wurde sie unsanft geweckt – von Zürcher Stadtpolizisten. Sie kamen, um ihren Gastgeber festzunehmen.

Grund für die Verhaftung ist offenbar ein sexueller Übergriff, den eine der früheren Zimmermieterinnen dem Mann vorwirft. Dies hatten die Polizisten W. gegenüber durchblicken lassen. «Sie wollten deshalb von mir genau wissen, wie er sich mir gegenüber verhalten hat», sagt W. zu 20 Minuten.

«Er war sehr aufdringlich»

Kerstin W. kann sich gut vorstellen, dass ihr Gastgeber seinen weiblichen Gästen zu nahe gekommen ist. «Mir gegenüber war er sehr aufdringlich», sagt sie. So habe er für sie kochen wollen, habe ihr Wein und Whisky angeboten und ihr einen Zeitungsartikel gezeigt, in dem es um die sexuelle Offenheit der deutschen Frauen ging. «Dabei wollte ich nur meine Ruhe – ich fühlte mich bei ihm so unwohl, dass ich mir schon überlegte, vorzeitig auszuziehen.» Die Festnahme des Mannes zeige ihr, dass ihr Gefühl sie nicht getäuscht habe. «Und ich bin natürlich sehr froh, dass mir nichts passiert ist.»

Entschieden hat W. sich für das Zimmer, weil auf Airbnb ein Paar als Gastgeber auftrat. «Das schien mir sicherer als eine Unterkunft bei einem Single-Mann. Im Vorfeld hatte ich auch immer nur mit der Frau per E-Mail Kontakt.» Einen Tag vor ihrer Ankunft in Zürich habe der Gastgeber ihr aber mitgeteilt, dass seine Freundin abwesend sein werde.

Weibliche Gäste lockte er mit einer Frau an

«Mittlerweile kann ich mir vorstellen, dass es die Frau gar nicht gibt und er ihre Existenz nur vorgetäuscht hat, um weibliche Gäste anzulocken», sagt W. «In der Wohnung gabs keine Anzeichen, dass dort eine Frau lebt – zum Beispiel keinerlei Frauenschuhe. Und in den Bewertungen der ehemaligen Gäste wird immer nur der Mann erwähnt.» Dies habe sie aber leider erst im Nachhinein gemerkt.

Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, bestätigt die Verhaftung des Airbnb-Gastgebers auf Anfrage. Nähere Angaben zu den Vorwürfen gegen den Mann macht die Polizei aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht.

Ein ähnlicher Fall wurde im Dezember 2014 bekannt: Damals wurde ein Airbnb-Gastgeber aus Barcelona zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er zwei US-Touristinnen sexuell missbraucht hatte.

Airbnb: «Probleme sind extrem selten»

Auf die Anfrage von 20 Minuten zur Festnahme des Zürcher Gastgebers reagiert Airbnb mit einem schriftlichen Statement von Cindy Southworth, einer US-Expertin für Frauensicherheit, die im Beirat von Airbnb sitzt. Darin heisst es, nichts sei für Airbnb wichtiger als die Sicherheit der Nutzer. «Millionen von Kunden hatten bereits ein sicheres Erlebnis mit Airbnb und Probleme für Gäste und Gastgeber sind glücklicherweise extrem selten.»

Das Team «Safety and Trust» (Vertrauen und Sicherheit) von Airbnb habe weltweit 200 Mitarbeiter – und in den seltenen Fällen, in denen Probleme auftreten würden, reagiere dieses Team «schnell und mitfühlend». Auch nutze Airbnb innovative Systeme, um verdächtige Aktivitäten zu erkennen.

*Name geändert.

Haben Sie auch schon schlechte Erfahrungen mit Airbnb-Gastgebern gemacht? Dann schreiben Sie uns: feedback@20minuten.ch

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Étienne Marcel am 20.05.2015 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VOM UMGANG MIT DER DAMENWELT

    Als Mann weiss ich, dass es keine Frau gibt, die es mag oder gar schätzt, belästigt zu werden, und dass ich so niemals welches Ziel auch immer erreichen würde. Zudem habe ich auch nichts davon, flapsige, dumme Sprüche abzusetzen und gar zu grapschen. Deshalb, meine Herren Geschlechtsgenossen: Höflichkeit, Zuvorkommenheit, Humor, Zuhören, Interesse zeigen, schon ein bisschen gebildet (nicht eingebildet!) sein, sowas beeindruckt allenfalls eine Frau! Grapschen nicht, das mag logischerweise keine. Und einen Gast zu belästigen, der einem vertraut - geht gsr nicht!

    einklappen einklappen
  • Fraueli am 20.05.2015 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung

    Ich hab bis jetzt nur gute Erfahrungen mit Airbnb machen dürfen. Bin auch eine (eingebildet) hübsche Frau 28 und war meistens bei Männern, ganz ehrlich ich hab sogar die besseren Erfahrungen als bei Frauen gemacht. Sehr freundlich zuvorkommend aber immer zurückhaltend, der Typ ist vermutlich auch sonst einfach ein A... Ich will nur sagen, man darf sie nicht in einen Topf werfen!

  • Marc am 20.05.2015 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rating

    Es ist wichtig das Rating / Beiträge vorheriger Gäste genau anzuschauen. Zwar wirds somit für Neueinsteiger schwieriger. Aber dadurch wurden bestimmt schon etliche andere Fälle wie dieser vereitelt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kevin B. am 20.05.2015 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Airbnb bringts nur für Eigentümer

    Ich frage mich warum man eine Wohnung auf Airbnb vermieten will? Wenn es die sonst leerstehende Eigentumswohnung ist verstehe ich das noch, aber eine Mietwohnung darf man ja eh nicht gewinnbringend untervermieten. Ausserdem muss der Vermieter der Untervermietung zustimmen (Art. 262 OR) und der Mieter muss dem Vermieter die Bedingungen der Untermiete bekanntgeben.

  • lina am 20.05.2015 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig. aber warte..

    solche traurigen Dinge können überall passieren.. aber folgendes wundert mich: erst kommt ein Artikel darüber dass airbnb nun vermehrt in die Schweiz kommen will und dass die Hoteliers ein bisschen bange haben. und plötzlich liest man horrorstories über airbnb aus der ganzen Welt.... aha.. ich hätte da auch ein paar horrorstories über hotels. :)

    • Urs Schöner am 20.05.2015 15:13 Report Diesen Beitrag melden

      @lina

      Immer wenn ich es billig haben wollte war das Hotel schlecht. Macht irgendwie Sinn, oder? Ausserdem geht es um entgangene Steuereinnahmen für das ganze Volk.

    einklappen einklappen
  • Eine Frau am 20.05.2015 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Kurt Mueller

    Ich bin ganz und gar nicht naiv, anhand deiner Antwort verstehen Sie das Wort naiv nicht einmal. Ausserdem ist es sehr wohl ein Unterschied ob sie Herr Mueller als Mann oder eine alleinreisende Frau zu jemandem alleine nach Hause gehen. Ich habe nicht gesagt Hotels sind hygienischer, aber bei Fremden ekelt es mich weil ich z.B.nicht weiss ob die Bettwäsche gereinigt wurde und wenn, nur 40Grad wohl noch mit seiner Unterwäsche zusammen usw.usw. Und wie ich hier lesen kann geht es nicht nur mir so. Und Ferien mache ich bei Verwandten die ich kenne,nur so, falls noch Fragen aufkommen.

  • Beat B. am 20.05.2015 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegenpol ...

    In den obigen Kommentaren wird wieder einmal schnell Partei ergriffen und die Moralapostel und Lauenrichter haben ihre Sternstunde. Tatsache ist, dass wir in einem sexuell aufgeladenem Klima leben. Vergewaltigungen sind quasi Kollateralschäden dieser Lebensweise. Eine weitere Tatsache ist, dass Personen auf Reisen offener und interessierter sind an sexuellen Affären. Ich bitte also die Empörung zu mässigen oder endlich aktiv etwas gegen die omnipräsente Sexualisierung zu unternehmen!

    • Jana am 20.05.2015 13:40 Report Diesen Beitrag melden

      Kollateralschäden?

      Es gibt NICHTS , aber auch GAR NICHTS, was eine Vergewaltigung rechtfertigt. Ob der Mann schuldig, oder unschuldig ist, soll das Gericht entscheiden, ist nicht meine Sache. Aber wenn er es getan hat, gibt es keine Entschuldigung dafür. Würden Sie eine Vergewaltigung auch als Kollateralschaden bezeichnen, wenn es Ihrer Tochter, Schwester, Freundin, Mutter... passieren würde? Ich bin eigentlich sehr friedlich, aber wenn sich ein Typ an einer meiner Freundinnen vergreift und die das nicht wollen, wird das meist sehr schmerzhaft für den Betreffenden.

    einklappen einklappen
  • R. Eisender am 20.05.2015 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Gewusst wie...

    Darum bucht man sich am besten auch eine Abnb-Bleibe, die man dann ganz selbst zur Verfügung hat (ohne den Gastgeber drin). Dann gibt's auch keine solchen Probleme. Bisher nur positive Erfahrungen gemacht mit Abnb.

    • Marc N. am 20.05.2015 11:41 Report Diesen Beitrag melden

      yep!

      Genau so machen wir es auch. Vorletztes Jahr Spanien. letztes Jahr Island und Norwegen, dieses Jahr Baltikum. Immer nur positive Erfahrungen gemacht.

    einklappen einklappen