Vertipper oder Autokorrektur

23. Juli 2019 04:51; Akt: 23.07.2019 14:17 Print

Airlines stellen sich bei Buchungspannen quer

Tippfehler bei Flugreisen können oft nur für viel Geld korrigiert werden. Eine Konsumentenschützerin sagt, das sei absurd und unfair gegenüber den Kunden.

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«Online habe ich Flüge für mich, meine Frau und meine kleinen Söhne gebucht. Beim Online-Check-in, einen Tag vor Abflug, habe ich bemerkt, dass der Vorname eines Sohnes falsch ist», erzählt Leser M. W. Bei der Swiss habe man ihm telefonisch versichert, es lasse sich nichts machen. «Bis Mitternacht war es ein riesiges Chaos. 20 Minuten bevor wir losmussten, klappte es dann doch noch: Für 750 Franken erhielt ich ein neues Ticket», so der Familienvater. Eine 20-Minuten-Leserin erzählt, sie habe bei einer Emirates-Buchung Vornamen und Nachnamen vertauscht und schliesslich ein komplett neues Ticket kaufen müssen. Dasselbe ist einem weiteren Leser im Falle der Austrian Airlines widerfahren. So habe er fälschlicherweise zweimal seinen Vornamen statt des Nachnamens eingegeben: «Bei der Airline war man nicht kulant. Das neue Ticket kostete rund 500 Franken.» Babette Sigg Frank vom Schweizerischen Konsumentenforum fordert zwingend eine Frist, innerhalb derer Buchungsfehler kostenlos verbessert werden können. Sie denke etwa an 48 Stunden. «Der Kunde organisiert seine seine Flugticket am PC komplett selber, nimmt den Airlines Arbeit ab und muss dann auch noch für allfällige Fehler bezahlen. Das ist absurd.» Swiss-Mediensprecher Florian Flämig entgegnet: «Kunden, die Bedenkzeit möchten, bieten wir bereits die Möglichkeit, die Buchung gegen einen Aufpreis von 25 Franken für bis zu 72 Stunden zu reservieren.» Auch Namenskorrekturen seien im Prinzip machbar, sofern sie simple Schreibfehler beträfen, die sich durch die Änderung von höchstens zwei Buchstaben beheben liessen.

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Weil sich bei der Buchung der Flugtickets ein Fehler beim Vornamen der Tochter eingeschlichen hatte, sollte eine St.Galler Familie beinahe rund 420 Franken für ein zweites Ticket ausgeben. Wie die SRF-Sendung «Espresso» berichtet, sind solche Fehler laut der Swiss nicht leicht zu beheben und mit Kosten verbunden. Im besagten Fall zeigte sich die Swiss schliesslich kulant und erstattete der Familie den Preis des neuen Tickets zurück.

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Leser M.W.* (37) hat dasselbe erlebt – jedoch ohne Kulanz seitens der Swiss. «Online habe ich Flüge für mich, meine Frau und meine kleinen Söhne gebucht. Beim Online-Check-in, einen Tag vor Abflug, habe ich bemerkt, dass der Vorname eines Sohnes falsch ist.» Der Fehler sei aufgrund der Autokorrektur passiert. Bei der Swiss habe man ihm telefonisch versichert, es lasse sich nichts machen. Einerseits deshalb, weil es sich um einen Economy-Flug handle, und andererseits, weil der Fehler so spät bemerkt worden sei.

750 Franken für ein neues Ticket

«Bis Mitternacht war es ein riesiges Chaos. Als ich schliesslich ein neues Ticket buchen wollte, ging das zuerst nicht, weil mein Sohn minderjährig ist. 20 Minuten bevor wir losmussten, klappte es dann doch noch: Für 750 Franken erhielt ich ein neues Ticket», so der Familienvater. Er habe bei seiner Reiseversicherung nachgefragt, doch solche Fälle seien nicht abgedeckt. W. sagt: «Eigentlich bin ich sehr zufriedener Swiss-Kunde. Doch das war mühsam. Auch, weil nur der Vorname falsch war und das zweite Ticket sehr teuer war.»

Nicht nur die Swiss handhabt Korrekturen entsprechend. Eine 20-Minuten-Leserin erzählt, sie habe bei einer Emirates-Buchung Vornamen und Nachnamen vertauscht und schliesslich ein komplett neues Ticket kaufen müssen. Dasselbe ist einem weiteren Leser im Falle der Austrian Airlines widerfahren. So habe er fälschlicherweise zweimal seinen Vornamen statt des Nachnamens eingegeben: «Bei der Airline war man nicht kulant. Das neue Ticket kostete rund 500 Franken.»

«Unfair gegenüber den Kunden»

Babette Sigg Frank, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums, fordert zwingend eine Frist, innerhalb jener Buchungsfehler kostenlos verbessert werden können. Sie denke etwa an 48 Stunden. «Der Kunde organisiert seine Flugtickets am PC komplett selber, nimmt den Airlines Arbeit ab und muss dann auch noch für allfällige Fehler bezahlen. Das ist absurd.»

An die Eigenverantwortung der Kunden zu appellieren, sei dreist. «Als Flüge noch am Schalter gebucht wurden, konnte man kostenpflichtige Korrekturen noch verstehen. Heute aber sind sie völlig ungerechtfertigt», so Sigg Frank. Flugreisen seien häufig nicht gerade billig, ein einziger Tippfehler habe somit nicht unerhebliche finanzielle Einbussen zur Folge. «Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass versucht wird, mit einem zweiten Ticket Geld zu verdienen.»

«Das Ganze ist nicht mehr zeitgemäss»

Auch Walter Kunz, Geschäftsführer vom Schweizer Reise-Verbandes, kennt das Problem: «Kostenpflichtige Umbuchungen oder Korrekturen sind die Bedingung der Airlines und vertraglich geregelt. Ob sie noch zeitgemäss sind, ist fraglich.» Buchungsfehler seien schnell passiert – vor allem bei Reisebüro-Mitarbeitenden, die bis zu 1000 Reisen pro Jahr buchten. Zumeist handle es sich um Tippfehler oder Falschangaben der Kunden. «Wenn ein Student für sich und Kollegen eine Reise bucht und einen Freund mit seinem Rufnamen Nick registriert, statt mit Nicolas, ist es schon passiert.»

Solches könne man in aller Regel nur per kostspielige Buchungsänderung korrigieren. «Reisebüros verdienen nichts am reinen Flugticketverkauf, aber tragen alle Risiken», so Kunz. Er hofft auf Lösungen von Airlines: «Fliegen ist grundsätzlich zu billig. Für mehr Kulanz bei Buchungsfehlern könnte man die Flugtickets ein wenig teurer machen.» Eine Frist von etwa 72 Stunden sei für den Reise-Verband denkbar.

Swiss verweist auf Schutz vor Missbrauch

Swiss-Mediensprecher Florian Flämig entgegnet: «Kunden, die Bedenkzeit möchten, bieten wir bereits die Möglichkeit, die Buchung gegen einen Aufpreis von 25 Franken für bis zu 72 Stunden zu reservieren.» Auch Namenskorrekturen seien im Prinzip machbar, sofern sie simple Schreibfehler beträfen, die sich durch die Änderung von höchstens zwei Buchstaben beheben liessen. In den ersten 24 Stunden nach der Buchung könne das fehlerhafte Ticket zudem storniert werden.

«Umfangreiche Korrekturen sind nicht möglich – auch zum Schutz vor Missbrauch. Wenn Namensänderungen beliebig machbar wären, könnten Tickets einfach so weiterverkauft werden, allenfalls noch zu höheren Preisen», sagt Flämig. Zudem wäre dies unfair gegenüber jenen Kunden, die teurere Tickets mit flexibleren Konditionen gekauft hätten.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zg 92 am 23.07.2019 05:18 Report Diesen Beitrag melden

    Alles immer abschieben

    Hört endlich mal auf die Verantwortung vom eigenen Handeln immer jemandem anderen abzuschieben. Egal ob nur beim Ticketbuchen oder sonst wo. Man wird fast immer 2x gefragt ob alles richtig sei. Wie funktionieren solche Leute bei der Arbeit. Reisst euch mal zusammen und tragt die Konsequenzen.

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  • Heidi-G am 23.07.2019 05:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry...

    ... wenn man Bucht wird man vor Abschluss der Buchung nochmals aufgefordert alle Daten (inkl. Namen etc.) zu prüfen - wer dazu zu doof ist sollte besser nicht verreisen!

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  • Daniel Müller am 23.07.2019 05:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das so schwer??

    Wenn die Leuten nicht mal ihren eigenen Namen bzw. den Namen von ihrem eigenen Kind richtig schreiben können finde ich das völlig in Ordnung das ein neues Ticket gekauft werden muss. Dummheit kann halt teuer werden!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Sonnenkönig am 25.07.2019 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsch ausgestellte Tickets

    mein Gratistipp bei online-Buchung: unmittelbar nach Eingang der Bestätigung die Tickets sofort überprüfen. Mache ich immer so. Nur so kann eine allfällige Korrektur noch rechtzeitig erfolgen, also nicht bis kurz vor der Abreise kontrollieren!!!

  • Ruedi am 25.07.2019 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Möglich

    "Als ich schliesslich ein neues Ticket buchen wollte, ging das zuerst nicht, weil mein Sohn minderjährig ist." Ab 12 gelten Jugendliche als Erwachsene. Darunter kann man tatsächlich keine online Buchungen für ein Kind ohne Erwachsenen buchen. Aber man kann das Kind als Erwachsenen buchen..... Preisunterschiede gibt es ohnhin kaum mehr, ausser auf Langstrecken.

  • Dario Mohenjo am 24.07.2019 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    No SWISS

    Wer eine Online-Buchung nicht hinkriegt, der sollte entweder im Reisebüro buchen oder am das Verreisen in fremde Länder ganz sein lassen. Denn sonst kommt es dort wahrscheinlich zu den nächsten Unpässlichkeiten. Und SWISS ist sowieso eine Katastrophe. Die kriegen nichts mehr hin. 3x gebucht in letzten 2 Jahren und immer war irgendwas nicht in Ordnung. Lieber Emirates, Ethihad oder Qatar. Bei denen heisst es nämlich: "Yes, sir, off course sir" statt "au sii, das goht leider nöd." Emirates hat mich sogar schon zwei mal von Economy auf Business geupgradet. Gratis wohlgemerkt.

  • Dany am 24.07.2019 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss/Edelweiss kein Kundenservice!

    Aktuelles Beispiel aus der Rubrik Kundenservice aus der Hölle gefällig? Flug mit kostenpflichtigem Übergepäck (= 1 Gepäckstück bis 32Kg) gebucht. Nun diese Zusatzleistung in 2 x 23Kg Gepäckstücke ändern wollen.... Es ist möglich ein zusätzliches Gepäckstück dazu zu buchen, allerdings wird das vorher bezahlte und dann ja hinfällige Übergepäck nicht rückvergütet! Richtig toll, flexibel und kundenorientiert unsere Fluggesellschaften...

  • Wenigflieger am 24.07.2019 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chaos auf Flughafen

    Seit die Leute selber einchecken müssen, ist das Chaos vorprogrammiert. Anstehen muss man dann bei der Gepäckabgabe trotzdem. Früher ging es zackiger, weil Profis eincheckten und man nur einmal anstehen musste. Ausserdem muss man sein Gepäck im Auge behalten vor dem Checkin.