FDP-Vorstoss

15. Dezember 2014 09:00; Akt: 15.12.2014 09:00 Print

Akupunktur statt Antibiotika für Kühe

von J. Büchi - Globuli, Kräuter, Nadelstiche: Weil der übermässige Antibiotika-Einsatz zunehmend Probleme verursacht, sollen die Bauern nun auf Komplementärmedizin umsatteln.

So präsentiert sich das Pilotprojekt Kometian (Komplementär-medizinisches Tierheil-Angebot) auf Youtube. (Quelle: Youtube.com/ Roger Schilling)
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Im vergangenen Jahr sind in der Schweiz 53‘384 Kilogramm Antibiotika für Tiere verkauft worden. Über 53 Tonnen Medikamente also, die in den Bauernhöfen an Schweine, Kühe, Hühner und Pferde verfüttert wurden. Das sind zwar weniger als in den Jahren davor – aus Sicht von Fachleuten aber immer noch viel zu viele. Denn durch den übermässigen Einsatz von Antibiotika breiten sich resistente Bakterien aus. Die Medikamente wirken nicht mehr – mit verheerenden Folgen für Tier und Mensch.

Schätzungen gehen davon aus, dass bereits heute in Schweizer Spitälern jährlich rund 2000 Patienten an einer bakteriellen Infektion sterben – ein Teil davon wegen resistenter Erreger. Der Bund will deshalb bis 2015 eine landesweite Strategie erarbeiten, um gegen solche Resistenzen vorzugehen. Die Eidgenössische Fachkommission für biologische Sicherheit forderte kürzlich gar einen generellen Stopp für Antibiotika in der Nahrungsmittelproduktion.

Globuli und Akupunktur

Auch für den FDP-Nationalrat und Landwirt Walter Müller ist es Zeit für ein Umdenken. In einem Vorstoss fordert er den Bundesrat dazu auf, die Komplementärmedizin in der Landwirtschaft zu fördern. «So könnten wir den Antibiotika-Einsatz massgeblich reduzieren und sicherstellen, dass Antibiotika im Notfall bei Mensch und Tier noch wirken.» Er selber habe in der Familie und auf dem Hof sehr gute Erfahrungen mit homöopathischen Heilmitteln gemacht.

Seit drei Jahren können sich Deutschschweizer Bauern im Rahmen des Pilotprojekts Kometian über eine Hotline von Fachleuten zum Thema beraten lassen. Der Schwerpunkt liegt bei Homöopathie, das Angebot umfasst aber auch Akupunktur, Pflanzenheilmittel und anthroposophische Medizin. Der Projektverantwortliche Werner Ammann sagt, er verwende selber vor allem homöopathische Globuli. Selbst schwerkranke Tiere habe er damit schon retten können.

Lebensrettende Kügeli oder Tierquälerei?

Ammann erinnert sich, einmal sei eine Muttersau mit vierwöchigen Ferkeln an Rotlauf erkrankt – einer bakteriellen Erkrankung, die tödlich enden kann. «Sie hatte über 42 Grad Fieber, war heiss wie eine Herdplatte und hat sich nicht mehr bewegt.» Nachdem er ihr ein paar Bella-Donna-Globuli verabreicht habe, sei die Sau innert einer Stunde wieder aufgestanden. Kollegen hätten bei Pferden und Kühen mit Akupunktur ebenfalls gute Erfahrungen gemacht. Für Müller und Ammann ist klar: Künftig muss jeder Tierarzt an der Hochschule etwas über Komplementärmedizin lernen. Auch Jungbauern sollen entsprechend ausgebildet werden.

Gar nichts von dieser Idee hält der bekannte Immunologe Beda Stadler. Er sagt: «Wenn Menschen nutzlose Präparate nehmen und das auch selber bezahlen, ist das ihr Problem. Wenn man diesen Humbug nun aber auf die Tiere ausdehnt, geht das zu weit. Das ist reinste Tierquälerei!» Wie Stadler sprechen viele Ärzte der Homöopathie jegliche Wirksamkeit ab, da bei der Herstellung von Globuli Wirkstoffe so stark verdünnt werden, bis sie wissenschaftlich nicht mehr nachweisbar sind. Stadler sagt, es sei blosse Einbildung, wenn ein Bauer glaube, dass ein Tier dank Homöopathie wieder gesund geworden ist. «Das Tier hätte sich in diesen Fällen auch ohne die Kügelchen wieder erholt.»

«Dann muss man aufhören mit Chügeli»

Offener gegenüber Müllers Idee zeigen sich andere Landwirte im Parlament. Bauernpräsident Markus Ritter (CVP) sagt: «Inzwischen schwören viele Landwirte auf Homöopathie und auch auf pflanzliche Heilmittel – nicht nur Biobauern, sondern auch ganz traditionelle Leute.» Er und seine Frau setzen auf ihren Hof selber auf die Kraft von Globuli – allerdings nicht in jedem Fall: «Wenn eine Kuh eine akute Euterentzündung mit Coli-Bakterien hat, muss man aufhören mit Chügeli.» Diese Meinung vertritt auch SVP-Präsident und Bauer Toni Brunner: «Es ist sicher sinnvoll, wenn man die Komplementärmedizin fördert – solange man keinen Druck auf die Bauern ausübt, ganz auf Antibiotika zu verzichten.»

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen kann derzeit noch keine Stellung dazu nehmen, ob Komplementärmedizin in der Strategie gegen Antibiotikaresistenzen eine Rolle spielen könnte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Konsument am 15.12.2014 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zu natürlich

    Lasst den Kühen die Hörner und Futter sie mit Gras und Heu das ist Natur freundlicher als Tier Mehl und das Rindvieh bleibt gesünder.

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  • Buffy am 15.12.2014 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Die FDP sind wahren Grünen. Das erstaunt mich, aber dennoch: Gratulation!

  • C.F. am 15.12.2014 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naturheilkunde

    Finde es schlimm dass hier alles in einen Topf geworfen wird!Phytotherapie mit Pflanzen z.B. ist keine Hömopathie,genauso wenig wie Akupuktur oder Spagyrik.Naturheilkunde besteht nicht nur aus "Kügeli"!fragt euch mal auf welcher Grundlage Medikamente hergestellt werden.Viele Medis haben einen natürlichen Ursprung.Und was ist falsch an GANZHEITLICHER Medizin?Mit Esoterik hat das nichts zu tun,sondern damit dass der Mensch als grosses Ganzes angesehen werden soll anstatt nur nach Symptomen zu behandeln.Ind da spielt auch die Psyche eine Rolle.Gesunder Geist,gesunder Körper...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Veto am 15.12.2014 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gekochtes Fleisch kein Resistenzträger

    Über 53 Tonnen Antibiotika in der Tiermedizin heisst nicht, dass diese Medikamente alle in der Nutztiermedizin eingesetzt wurden. Die Heimtiermedizin verbraucht ebenfalls ihren grossen Anteil an Antibiotika. Die Resistenzentwicklung ist in der Heimtiermedizin (Hund, Katze, usw.) weit problematischer als in der Nutztiermedizin, denn Heimtiere übertragen ihre resistenten Keime viel einfacher auf ihre Besitzer als es die Nutztiere auf die Konsumenten tun. Gekochtes Fleisch überträgt nämlich keine Resistenzen!

    • Cellius am 16.12.2014 16:06 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz dasselbe

      Wohl etwas falsch verstanden, bei Heimtieren wird Antibiotika zumindest von vernünftigen Tierärzten nur im Notfall angewannt. Bei der Viehzucht besteht immer noch der absolute Wahnsinn, dass Antibiotika präventive im Futter zugegeben wird und das ist ob gekocht oder nicht komplett unnötig. Stellen sie sich mal vor das Vieh könnte auf Grund der Resistenz dann auch im Notfall nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden. Eine Nahrungsknappheit wäre wohl vorprogrammiert sobald eine Eppidemie ausbräche.

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  • jäjo am 15.12.2014 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Homöopathie oder Zauber

    meine Tochter 12 Jahre alt ist im Luganersee sehr lange auf den Wasserskiern gestanden und auch ein paar mal abgetaucht. Am Abend hatte sie sehr starke Ohrenschmerzen und wir mussten ins Spital nach Lugano. Der Arzt stellte ein Loch im Trommelfell fest und sagte das müsste operiert werden. Wir fuhren Tagsdarauf nach Hause zu unserem Hausarzt, dieser bestätigte das Loch im T. Fell und gab mir "Kügeli". Ich schaute sehr blöd, aber er meinte; in drei Wochen wieder. Beim nächsten Besuch( ich durfte sogar nachschauen) war kein Loch mehr da. Ich glaube, wir waren bei einem Zauberer und nix OP.

    • heller am 15.12.2014 20:56 Report Diesen Beitrag melden

      @ jäjö

      genau so einfach ist das leben!

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  • nora am 15.12.2014 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1+1=2

    wie wärs mit weniger fleisch essen und dadurch keine massentierhaltung mehr...?!das würde bereits deutlich zur gesundheit der tiere beitragen

  • D.Kuhn am 15.12.2014 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Regentanz

    Viele comments zeigen wiso die meisten Zeitungen noch immer Horoskope haben. Es fehlt an Skeptizismus. wieviele hier behaupten Homöopathie WIRKT ohne das sie das wissen können den es beruht auf anekdoten. fälle wo es keine kotrollgruppe gab, wo man nicht kontrollieren konnte was geschieht wen nichts eingenommen wird oder was geschieht wen man meint ein mittel bekommen zu haben. wie damals als man dachte es regnet nun weill der regentanz am abend zuvor den göttern sehr gefallen hat. Das hat damals auch GEWIRKT!

    • marlon am 15.12.2014 18:09 Report Diesen Beitrag melden

      @ D.Kuhn

      sorry, aber wer horoskope mit naturheilkunde vergleicht, dem fehlen wirklich ein paar schrauben. gratis-tipp: kügelchen helfen auch bei der charkaterbildung und eigenfindung. oft sind das von vielen ungeliebte nebenwirkungen, denn danach erkennen sich die patienten oft klarer. also, wagen sie den schritt! sie haben nichts zu verlieren. zum regentanz: ich kenne nordamerikanische indianer, die den regentanz noch heute praktizieren (achtung: keine studie, eine anekdote aber die natur nimmt keine rücksicht auf sie) und es regnet danach. der weg für sie ist noch weit.

    • D.Kuhn am 15.12.2014 18:32 Report Diesen Beitrag melden

      Dann tanz für Schnee

      " gratis-tipp: kügelchen helfen auch bei der charkaterbildung und eigenfindung" ach, echt? Kannst du die Studien nennen wo das nachgewiesen wurde? " wer horoskope mit naturheilkunde vergleicht" ich hab ganz deutlich von Homöopathie geredet und nicht naturheilkunde. wirkung von Naturheilmittel kann in studien erwiesen werden. Du glaubst ernsthaft das ein regentanz, wirkt? wow, das ist einfach nur traurig.

    • RS am 15.12.2014 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Fragwürdig!...

      @D.Kuhn Ich bin ganz erstaunt wie viele schulmedizinische, verbissene und auch verachtende Kommentare Sie hier verfasst haben! Praktisch jeder Ihrer Kommentare fragt nach der vorhandenen Studie dazu. Nun gut, vielleicht haben Sie ja gerade auch von den gefälschten Pharmastudien aus Indien gelesen, die Deutschland dazu veranlasste 80 Medikamente zu streichen und die Swissmedic überprüft allfällige betroffene Medikamente in der CH. WOW tolle Pharma-Studien, D.Kuhn, nicht wahr!?!?

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  • Tea am 15.12.2014 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso

    sollen der Placebo -und der Nocebo-Effekt auch bei Kühen wirken? Man kann ihnen ja nicht erklären, dass das gut für sie ist - also wirds auch nix nützen.

    • D.Kuhn am 15.12.2014 16:58 Report Diesen Beitrag melden

      Placebo

      " Man kann ihnen ja nicht erklären, dass das gut für sie ist - also wirds auch nix nützen. " man kann menschen auch erklaeren das sie bloss ein placebo bekommen, und es keinerlei wirkstoffe enthällt, und dennoch wirkt der placebo effekt wie man in studien herausgefunden hat. es ist ainfach nicht de fall das der betroffene glauben muss oder irgendwas.

    • Muniflüsterer am 15.12.2014 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Pferdeflüsterer

      Aber wie sagt man das den Kühen?

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