Junge bauen wieder

06. August 2018 13:50; Akt: 06.08.2018 14:20 Print

Albinens Lock-Angebot zahlt sich aus

Mit grosszügigen Geldsummen lockte ein Walliser 240-Seelen-Dorf Neuzuzüger. Jetzt meldet Albinen erste Erfolge.

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Die Oberwalliser Gemeinde Albinen hat erste Erfolge im Kampf gegen die Abwanderung erzielt. Dank der Wohnbauförderung bauen insbesondere junge Einheimische in der Gemeinde. Auch eine Aargauer Familie lässt sich im Bergdorf nieder.

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Der Gemeindepräsident von Albinen, Beat Jost, zeigt sich erfreut über die Entwicklung. «Unsere Wohnbauförderung ist gut angelaufen und auf Kurs», sagt er der Agentur Keystone-SDA auf Anfrage. Der Geldsegen für Neuzuzüger scheint sich auszuzahlen.
Die Einwohnerinnen und Einwohner von Albinen hatten an einer Gemeindeversammlung im November entschieden, Massnahmen gegen das schleichende Aussterben des 250-Seelen-Dorfs zu ergreifen. Ein Wohnbau- und Familienförderungsprogramm soll neue Einwohner anlocken.

Wer in Albinen mindestens 200'000 Franken in den Bau, Umbau oder Kauf eines Hauses oder einer Wohnung investiert, wird von der Gemeinde unterstützt. Für eine Einzelperson sind es 25'000 Franken, für ein Paar 50'000 Franken. Hinzu kommen 10'000 Franken für jedes Kind.

Acht Monate nach der Abstimmung hat der Gemeinderat zwei erste Beitragsgesuche gutgeheissen. Drei weitere stehen nach Angaben von Jost kurz vor der Einreichung. Anfang Oktober zieht eine Familie mit zwei Kleinkindern aus dem Kanton Aargau in das Oberwalliser Dorf auf 1300 Metern Höhe. Sie hat in Albinen ein Haus gekauft und erhält dafür von der Gemeinde 70'000 Franken.

Geld gibts nur unter Bedingungen

Nicht als Geschenk, wohlverstanden: Die Anschubfinanzierung ist an strenge Bedingungen geknüpft. So muss Albinen Erstwohnsitz sein. Weiter muss ein Gesuchsteller mindestens 200'000 Franken investieren.

Zieht er vor Ablauf von zehn Jahren nach Baubeginn wieder weg, muss er den Betrag der Gemeinde zurückzahlen. Ferner dürfen Empfänger nicht älter als 45 Jahre alt sein. Und Ausländer müssen im Besitz der schweizerischen Niederlassungsbewilligung C sein.

Die Wohnbauförderung ist nur bedingt als Lockangebot für Neuzuzüger gedacht. Sie soll auch Einheimische ermuntern, in Albinen zu bleiben und dort zu bauen. Vor allem in diesem Punkt kann die Gemeinde, wie sich zeigt, Erfolge verbuchen. «Das zweite bewilligte Gesuch betrifft eine Einzelperson aus Albinen, die einen grösseren Umbau eines alten Hauses tätigt», sagt Jost. «Dazu kommen drei weitere konkrete Projekte junger Albiner, die voraussichtlich im zweiten Halbjahr ihre Beitragsgesuche einreichen werden.»

Zwei Primarschulkinder und fünf Oberstufenkinder

Diese Nachricht ist ein Segen für das Bergdorf an einem Sonnenhang hoch über Rhonetal, dessen Einwohnerzahl in den vergangenen 80 Jahren um rund ein Drittel von 367 auf 243 gesunken ist. Allein seit 2010 betrug der Bevölkerungsverlust rund 18 Prozent.

Hinzu kommt, dass inzwischen die Hälfte der Einwohner bald über 60 Jahre alt ist und es an Kinder fehlt. Heute leben in Albinen noch zwei Primarschulkinder und fünf Oberstufenkinder, die mit dem Bus ins je 20 Minuten entfernte Leukerbad beziehungsweise Leuk zur Schule fahren.

«Wenn es uns gelingt, fünf junge Familien in fünf Jahren anzusiedeln, wäre das ein Erfolg», sagt Jost. «Zehn junge Familien in fünf Jahren wäre ein Riesenerfolg. Den schlechtesten Fall haben wir schon hinter uns gelassen: Nämlich null Gesuche, null Interesse», sagt der Gemeindepräsident.

Traum von eigener Schule

Ziel sei, dass sich Albinen als eigenständige, funktionierende Gemeinde behaupten könne. Dazu gehörten die Aufrechterhaltung des Dorf- und Vereinslebens, des gemeindeeigenen Dorfladens und der direkten Busverbindungen nach Leuk und Leukerbad.

«Wenn am Ende all dieser Bemühungen die Wiedereröffnung der Schule stünde, wäre das eine fantastische Sache, von der wir heute noch kaum zu träumen wagen», sagt Jost. Im Moment könne man tatsächlich so etwas wie Aufbruchstimmung in Albinen feststellen.
Dennoch gibt es im Dorf auch kritische Stimmen, räumt er ein. «Die einen finden, das Geld werde aus dem Fenster geworfen, da wohnbaupolitische Experimente sowieso nichts bringen würden. Die anderen befürchten, das Bergdorf würde von Gesuchen überrannt und übernehme sich finanziell», erklärt Jost.

«Noch heute kommen wöchentlich Leute»

Überrannt wird die Gemeinde tatsächlich - von Anfragen aus dem Ausland, seit vor einem Jahr Newsportale auf der ganzen Welt titelten: «Schweizer Alpendorf Dorf verschenkt Neuzuzügern Geld». In diesen Berichten wurde jedoch geflissentlich verschwiegen, dass für den Geldsegen auch strenge Kriterien gelten.

Rund 12'000 Anfragen gab es nach Angaben der Gemeinde bis heute. «Noch heute kommen wöchentlich Leute - zum Beispiel aus Marokko, Syrien oder von anderswo - nach Albinen und fragen, wo gibt es Geld und wo können wir wohnen», erzählt Jost.
Der Gemeindepräsident bedauert dies sehr. «Diese Menschen suchen verzweifelt und hoffnungslos eine Perspektive, die wir ihnen aber nicht geben können», sagt er.

(bla/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trottel am 06.08.2018 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hatte Schwierigkeiten

    Ich habe den Artikel am Anfang nicht richtig verstanden. Bis ich dann generkt habe, dass es Albinen heisst und nicht Albanien.

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  • StruberZucker am 06.08.2018 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    So super

    und arbeiten die Neuzuzügler auch in der Gegend oder wie geht das jetzt?

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  • Herr Paternoster Live us de Chnelle am 06.08.2018 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    wo gibt es Geld und wo kann ich auch noch gratis wohnen will ich auch Wissen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • arwed am 07.08.2018 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende freiheit

    Sehe auf jedem foto den glockenturm.. ätzend. Kein wunder ziehen alle weg. Glaubensfreiheit ist im wallis ein fremdwort.

  • socom am 07.08.2018 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist doch klar

    die wissen schon, wiso sie leute locken müssen. aber läppische 25'000.- helfen gar nichts, für dass man am ende der welt wohnt.

  • Teutates am 07.08.2018 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz netter Versuch!

    Aber langfristig wohl untauglich.

  • Züribueb am 07.08.2018 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals

    Auch für 1 Millionen würde ich nicht dorthin ziehen. Was will ich dort? X-1000km Autofahren pro Jahr für Arbeit, Einkauf, Ausgang? Nein danke, aber viel Spass denen die es wollen.

    • socom am 07.08.2018 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Züribueb

      leider tatsache. die bringen es ja nicht mal fertig, endlich eine richtige autobahn zu bauen.

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  • Marcel Läupi am 07.08.2018 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sind Macher.

    Ich finde es eine gute Idee vor allem weil die Kriterien wirklich streng sind und Konsequent eingehalten werden. Diesen Leuten kommt wirklich was in den Sinn das Problem wurde sehr gut gelöst. Andere sitzen nur im Büro und machen gar nichts bis es zu spät ist.