Ur- und Burgerversammlung

28. November 2017 21:11; Akt: 29.11.2017 05:18 Print

Albinen hebt Journalisten-Verbot auf

von Silvana Schreier - An der Gemeindeversammlung in Albinen waren zuerst keine Journalisten zugelassen. Jetzt gibt der Gemeindepräsident nach.

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Am Donnerstag wollte die Gemeinde Albinen zuerst unter Ausschluss der Medien über das neue Reglement «Wohnbau- und Familienförderung» beraten. Jetzt sind Journalisten doch zugelassen. Die Wohnbauinitiative des Walliser Dorfs Albinen hat international Aufsehen erregt. «Dieses hübsche Schweizer Dorf zahlt Leuten 53'000 Pfund, wenn sie herziehen», berichtet die britische Boulevardzeitung «The Sun». Auch die andere grosse britische Boulevardzeitung, «Daily Mail», berichtet ausführlich über Albinen: «Wir zahlen Sie, um hier zu leben! Pittoreskes Schweizer Bergdorf, das mit einem Bewohner-Exodus konfrontiert ist, denkt darüber nach, jeder Familie, die herzieht, 50'000 Dollar zu zahlen», lautet der Titel. Auch die niederländische Zeitung «Het Laatste Nieuws» schreibt über die Pläne des «charmanten Schweizer Dorfs». Auch die mexikanische Zeitung «El Universal» berichtet. Angekommen ist die News aber nicht nur in Nord-, sondern auch in Südamerika: «Schweizer Dorf zahlt 80'000 Reais für neue Einwohner», schreibt das brasilianische Portal Exame. Auch der brasilianische «Globo» macht seine Leser mit Albinen bekannt. In Kroatien informiert das Portal 24sata über die Pläne von Albinen. Hier die News auf Rumänisch: Bericht des Portals Ziarulunirea. Auch in Norwegen macht die Nachricht die Runde. Auch auf einem türkischen Portal findet sich ein reich illustrierter Artikel über das Walliser Dorf. Bericht auf Hindi: Auch die indische Zeitung Bhaskar weist auf Albinens Angebot für Neuzuzüger hin. Ebenso die chinesische Ausgabe der «Epoch Times»... ..und die «Sky Post» in Hongkong. Verbreitet wird die Kunde aus Albinen auch in Vietnam... ... in Thailand.. ...und in Indonesien. Der britische «Guardian» lässt sich von Albinen gar zu einem Meinungsstück inspirieren. Man dürfe kleine Ortschaften nicht aufgeben, findet die Autorin. Am sonnigen Berghang: Das Walliser Dorf Albinen. (16. November 2017) Das Bergdorf kämpft gegen die Abwanderung und will Neuzuzüger mit Geldsummen anlocken. Einzelpersonen sollen 25'000 Franken erhalten, Paare 50'000 Franken. Für jedes Kind würde die Gemeinde zusätzlich 10'000 Franken aufwerfen. «Zweitwohnungen und grosse Wohnüberbauungen von Investorengruppen kommen nicht infrage», stellt der Gemeindepräsident Beat Jost klar. Am 30. November wird die Gemeindeversammlung über die Initiative abstimmen können. Heute leben im 240-Seelen-Dorf noch zwei Primarschulkinder und fünf Oberstufenkinder. Albinen zeichne sich durch Ruhe, eine fantastische Aussicht, gute Luft und viel Sonne aus, sagt der Gemeindepräsident Beat Jost. Um die Dorfkirche gruppieren sich charakteristische Walliser Bergbauernhäuser und Chalets, von denen viele zu Ferienhäusern und -wohnungen umgebaut wurden. Eine Strasse verbindet Albinen mit dem Ferienort Leukerbad und Leuk im Rhonetal.

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«An der Ur- und Burgerversammlung der Gemeinde Albinen am Donnerstag, 30. November 2017, sind die Medien wie üblich nicht zugelassen.» Diese Nachricht verschickte der Gemeindepräsident von Albinen, Beat Jost, am Sonntagmorgen an verschiedene Medien.

Ein Blick auf die Traktandenliste der anstehenden Urversammlung in Albinen zeigt: Das neue Reglement «Wohnbau- und Familienförderung» steht zur Diskussion. «Angesagt sind wichtige Weichenstellungen und Beschlüsse, die für die Zukunft des Dorfes von grosser Bedeutung sind», wird auf der Gemeinde-Website angekündigt. Denn mit diesem Reglement wird das Angebot beschlossen, das in den vergangenen Tagen weltweit für Schlagzeilen sorgte. Familien, die neu nach Albinen ziehen, sollen bis zu 70'000 Franken erhalten.

«Nicht vereinbar mit demokratischer Diskussionskultur»

Am Donnerstag wollte die Gemeinde Albinen nun anscheinend unter Ausschluss der Medien über das neue Reglement beraten. Für Martin Stoll, Geschäftsführer von Öffentlichkeitsgesetz.ch, höchst fragwürdig: «Das widerspricht dem Öffentlichkeitsprinzip und ist nicht vereinbar mit einer demokratischen Diskussionskultur.» Er könne sich vorstellen, dass die Gemeinde die Medien ausschliesse, «um Votanten in einer breiten Öffentlichkeit nicht zu exponieren». So würden hinter geschlossenen Türen Entscheide gefällt, die nicht nachvollziehbar sind.

Laut Gesetz sind Versammlungen öffentlich

Tatsächlich ist im kantonalen Gesetz über die Information der Öffentlichkeit, den Datenschutz und die Archivierung das Prinzip der Öffentlichkeit derartiger Sitzungen geregelt. Philipp Spoerri, Staatskanzler des Kantons Wallis, beruft sich auf den Artikel 8: «Den akkreditierten Medien und Journalisten werden bei öffentlichen Sitzungen oder nicht öffentlichen Sitzungen, zu welchen sie zugelassen sind, Plätze reserviert.» Zu diesen Sitzungen zählen auch die Ur- und Burgerversammlungen.

Für die Akkreditierung der Journalisten sei die Gemeinde zuständig: «Theoretisch können Personen, die die Veranstaltung stören, beeinflussen oder verhindern wollen, nicht akkreditiert werden», sagt Spoerri. Er kenne aber keine andere Walliser Gemeinde, in der die Medien ausgeschlossen würden.

Nun hat der Gemeindepräsident Beat Jost dem Druck nachgegeben und die Medien zur Ur- und Burgerversammlung vom Donnerstag eingeladen. Die Journalisten müssen sich laut einem Mail mittels eines elektronischen Formulars online akkreditieren. Weiter macht er darauf aufmerksam, «dass es in der Zuständigkeit der Urversammlung liegt, Ton- und Bildaufnahmen und deren Übertragung zu gestatten».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dabadee am 28.11.2017 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenig überraschend

    Kein Wunder, dass sie keine Medienvertreter dabei haben wollen. Kann ich gut nachvollziehen.

  • Chevsar am 28.11.2017 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann hörts auf?

    Wahnsinn, dass es sogar DAFÜR ein Gesetz gibt. Wenn die Gemeinde keine aufdringlichen Journalisten dabei haben will, soll es doch akzeptiert werden. Aus den vielen irreführenden Schlagzeilen über ihre Ortschaft zogen sie wohl eine Lehre.

  • Dani Düsentrieb am 28.11.2017 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmmm...

    Journalisten-Verbot? Warum nicht?

Die neusten Leser-Kommentare

  • MamaKartoschka am 29.11.2017 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich für die Schweiz

    Nächstes mal vielleicht zuerst Gemeindeversammlungen zur Sache und DANN ERST Aufttitt in den Medien. Dort weiss ja die linke Hand nicht was die rechte Hand macht... Super unprofessionell. *Fremdschäm*

  • MamaKartoschka am 29.11.2017 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anständige junge Familien

    Dieses Dorf braucht offensichtlich Geld und mehr Leben im Ort. Warum nicht ejn paar ausgesuchte Asylbewerber aufnehmen und irgendeinen Deal mit einer Gemeinde die keine Asylanten will aushandeln? Bringt wohl zuwenig Kohle....kurzfristig. Da wollten sich wohl zwei drei Leute profilieren...und haben arg daneben gelangt.

  • Anna-Maria am 29.11.2017 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Not cool...!

    Naja, also ich bin ja nun wirklich kein Fan der Medien, aber, zuerst die Medien dazu benutzen die frohe Nachricht zu verbreiten, auf der ganzen Welt gratis Werbung einheimsen und dann die Medien mit aller Kraft ausschliessen?! Not cool, Albinen, not cool!

    • Mario am 29.11.2017 12:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Anna-Maria

      falsch, die haben nicht die Medien benutz! Die Medien haben das aufgeschnappt und aufgebauscht! Die ganze Sache ist ja noch nicht mal definitiv beschlossen! Bitte bleiben sie einfach bei den Tatsachen und verdrehen sie nicht alles!

    einklappen einklappen
  • Dani Düsentrieb am 29.11.2017 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmmm...

    Ich bedaure das! Das ist eine interne Angelegenheit von Albinen, wenn danach ein Statement gemacht wird, würde das durchaus ausreichen. Dass dem Druck nicht stand gehalten wurde finde ich nicht korrekt.

  • Die Mutti am 29.11.2017 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bürgerversammlung

    Albinen wird mit einer Zuwanderung aus allen möglichen und unmöglichen Länder konfrontiert, die nur auf Geld aus sind. Lehnt dieses Ansinnen ab und schrumpft weiter, den dies ist ein natürlicher Prozess. Später wird es nur noch Weiden für Kühe geben.