Klimadebatte

05. Oktober 2019 07:11; Akt: 05.10.2019 07:11 Print

Aldi gibt Energiespartipps, verkauft aber Heizstrahler

Ölheizungen werden verboten, Fliegen kritisiert: Umweltschutz-Anliegen sind aktuell. Trotzdem bietet Aldi zurzeit einen Wärmestrahler für die Terrasse an.

Bildstrecke im Grossformat »
Ölheizungen werden verboten, Fliegen kritisiert: Umweltschutz-Anliegen sind aktuell. Trotzdem bietet Aldi zurzeit einen Wärmestrahler für die Terrasse an. Darüber empört sich 20-Minuten-Leser U. B. (57): «Wärmestrahler für den Aussenbereich sind überflüssig und im Kontext der aktuellen Klimadebatte unpassend.» U. B. ist der Ansicht, dass Grossverteiler mehr Verantwortung für die von ihnen verkauften Produkte übernehmen sollten. Auf seiner Website schreibt Aldi, dass die Umwelt für das Unternehmen ein grosses Anliegen sei. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative «Heute für Morgen» gibt Aldi beispielsweise auch Stromspartipps an Kunden: «Gut isoliert ist doppelt gespart. Über undichte Fenster und Türen verpuffen bis zu 15 Prozent an Energie», ist dort etwa zu lesen. Philippe Vetterli, Mediensprecher bei Aldi, sagt: «Es ist richtig, dass wir hier zwischen Kundenbedürfnis und unserer ökologischen Verantwortung abwägen müssen.» Doch bei der Auswahl der Aktionsartikel richte man sich stets an den Bedürfnissen der Kunden aus. Im Bild zu sehen: Ein Heizstrahler in einem Berner Restaurant. Man habe sich aber bewusst für den Verkauf eines strombetriebenen Modells entschieden, so Vetterli. «Der Schweizer Verbrauchsstrom-Mix ist aufgrund hoher Anteile an Wasserkraft vergleichsweise wenig klimaschädlich.» Im Bild zu sehen: Eine Frau wärmt sich an einem Heizpilz. In der Schweiz liegt es in der Verantwortung der Kantone, Gesetze und Verordnungen zu Energieerzeugung und -verbrauch zu erlassen. Deshalb wird der Einsatz von Heizstrahlern im Freien kantonal unterschiedlich gehandhabt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

20-Minuten-Leser U. B.* (57) ist empört. Bei der Durchsicht der neuen Aldi-Woche stiess er auf das Angebot eines Terrassen-Heizstrahlers für 89.90 Franken. Dieser eignet sich laut Broschüre optimal für den Einsatz auf Balkon und Terrasse. Er wird als «sehr sparsam im Energieverbrauch» angepriesen: «Bis zu 98 Prozent der eingesetzten Energie werden direkt in Strahlungswärme umgewandelt.»

Umfrage
Finden Sie Heizstrahler für den Aussenbereich sinnvoll?

«Wärmestrahler für den Aussenbereich sind überflüssig und im Kontext der aktuellen Klimadebatte unpassend», so U. B. Denn bei solchen Heizstrahlern verpuffe die gesamte Energie ja einfach in der Luft. U. B. ist der Ansicht, dass Grossverteiler mehr Verantwortung für die von ihnen verkauften Produkte übernehmen sollten.

Aldi gibt auch Energiespartipps

Philippe Vetterli, Mediensprecher bei Aldi, bestätigt gegenüber «20 Minuten», dass das Produkt schweizweit in allen Aldi-Suisse-Filialen verkauft wird. «Wir haben bereits vergangenen Herbst einen Heizstrahler als Aktionsartikel angeboten und waren mit den Verkaufszahlen sehr zufrieden.» Wie viele davon letztes oder auch dieses Jahr verkauft worden seien, könne er aus geschäftspolitischen Gründen allerdings nicht angeben.

Auf seiner Webpage schreibt der Grossverteiler, dass die Umwelt für ihn ein grosses Anliegen sei. Selbenorts werden Kunden im Rahmen der Aldi-Nachhaltigkeitsinitiative «Heute für Morgen» beispielsweise auch Stromspartipps gegeben: «Gut isoliert ist doppelt gespart. Über undichte Fenster und Türen verpuffen bis zu 15 Prozent an Energie», ist dort etwa zu lesen.

Auswahl nach Kundenbedürfnissen

Auf die Frage, ob der Heizstrahler für den Aussenbereich nicht dieser Firmenphilosophie widerspreche, entgegnet Vetterli: «Es ist richtig, dass wir hier zwischen Kundenbedürfnis und unserer ökologischen Verantwortung abwägen müssen.» Doch bei der Auswahl der Aktionsartikel richte man sich stets nach den Bedürfnissen der Kunden. Und da der Artikel letztes Jahr so beliebt war, sei er wieder ins Sortiment gekommen.

Man habe sich aber bewusst für den Verkauf eines strombetriebenen Modells entschieden, so Vetterli. «Der Schweizer Verbrauchsstrom-Mix ist aufgrund hoher Anteile an Wasserkraft vergleichsweise wenig klimaschädlich.» Zudem sei der Heizstrahler, wie in der Broschüre beschrieben, sehr sparsam im Energieverbrauch und absolut emissionsfrei. «Der Verkauf von gasbetriebenen Heizstrahlern wäre aus der Klimaperspektive schlechter gewesen.»

Rechtliche Grundlagen

In der Schweiz liegt es in der Verantwortung der Kantone, Gesetze und Verordnungen zu Energieerzeugung und -verbrauch zu erlassen. Deshalb wird der Einsatz von Heizstrahlern im Freien kantonal unterschiedlich gehandhabt. Im Kanton Basel-Stadt beispielsweise dürfen Heizungen von Privaten und Geschäften im Freien nur betrieben werden, wenn sie mit erneuerbarer Energie oder nicht anders nutzbarer Abwärme betrieben werden. Wenn öffentliche Interessen dafür sprechen, können davon abweichende Regelungen getroffen werden.

Der Kanton St. Gallen und der Kanton Zürich kennen ähnliche Bestimmungen. Im Kanton Aargau wiederum dürfen mobile Heizungen kurz eingesetzt werden, beispielsweise bei Marktständen, in Gartenwirtschaften an kühlen Tagen von März bis Oktober oder bedarfsmässig im Aussenbereich von Restaurants während des Kurzaufenhalts von Rauchern.

*Name der Redaktion bekannt

(ihr)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris am 05.10.2019 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Greta Jünger

    Hört auf ständig empört zu sein.. im Sommer dann trotzdem selber fliegen. Die heuchlerischste Bewegung seit Jahren..

    einklappen einklappen
  • Chris am 05.10.2019 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und?

    Was sagt uns dieser Artikel jetzt? Die Nachfrage regelt das Angebot! Und jetzt warte ich auf die Kommentare, dass nur Eingewanderte Heizstrahler in der Schweiz kaufen. Der Schweizer macht das natürlich nicht! Denn der ist schlau, der kauft seinen Heizstrahler in Konstanz, da bekommt er die deutsche Mehrwertsteuer zurück.

    einklappen einklappen
  • Marcel Meier am 05.10.2019 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heizsstrahler im Freien

    Ich bin gerade in Norwegen. Genauer gesagt in Bergen. War gestern in einem Restaurant. Da waren im Aussenbereich 10 Heizztrahler montiert. Damit Gäste die die Aussentische nutzen nicht frieren.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peterryan am 06.10.2019 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Energiesparend

    Wir haben 3 Probangas betriebene Heizstrahler auf unseren Terrassen stehen. Wenn schon denn schon. Der Umwelt zuliebe.

  • Wilhelm am 06.10.2019 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    sinnvoll

    Manchmal braucht man einen Heizstrahler. Zum Beispiel im Notfall. Oder dort, wo man nur kurzfristig Wärme braucht, sich ein dauerndes Heizen nicht leisten kann.

  • Pille am 06.10.2019 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Meckern

    Oh U. B. ist dir jetzt wohler? ist sicher nicht das einzige Gerät das viel Strom braucht ? Musst es ja nicht kaufen

  • Kotzi am 06.10.2019 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Brechreizerregend

    Ach, da gibts so einiges, was diese grossen Kritiker so tun, was ich selbst als absolut sinnlos und überflüssig betrachten würde. Aber es ist immer leicht, andere in Dingen zu kritisieren, die einen nicht belangen. Selbst verpestet man die Umwelt dann in anderen Bereichen, unter Umständen sogar noch mehr, aber man biegt es sich so zurecht, das man ein gutes Gewissen hat. Und das, obwohl man möglicherweise der grössere Klimasünder ist! Hauptsache laut ins Megafon brüllen und andere beschuldigen, damit man sich profilieren kann. Und dann fett 3x/Jahr in die Ferien fliegen und sich gut fühlen.

  • Kritiker am 06.10.2019 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Interesant

    Wir normale Bürger sollen verzichten, der Umwelt zuliebe? Aber jeden Abend bleiben die Schaufenster von Läden etc. beleuchtet und da sagt keiner was ? Fangt doch lieber zuerst mal an, die wirklich unnötigen Dinge zu bekämpfen.