Pilotprojekt

10. Mai 2018 12:00; Akt: 10.05.2018 12:00 Print

Bund verteilt Asylbewerber mittels Algorithmus

Das Staatssekretariat für Migration will Asylbewerber mittels künstlicher Intelligenz auf die Kantone verteilen. Das soll Geld sparen.

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Der Bund testet in einem Pilotprojekt mit 1000 Asylsuchenden eine neue Form der Zuteilung auf die Kantone: Ein Algorithmus, der von Forschern der ETH Zürich und der US-Universität Stanford entwickelt wurde, soll die Asylbewerber jenem Kanton zuweisen, in dem sie am meisten Chancen auf einen Job haben. Im September soll das Pilotprojekt beginnen, berichtet «10vor10» von SRF.

Heute würden die Asylsuchenden zufällig auf die Kantone verteilt. Nur 15 Prozent hätten im dritten Jahr nach der Ankunft eine Stelle, berichtet SRF. Das Projekt soll helfen, dass die Asylbewerber «markant mehr Arbeit finden als bisher». Die Forscher erwarteten einen Anstieg der Erwerbstätigkeit um bis zu 30 Prozent im dritten Jahr. Am Pilotprojekt nehmen nur Asylsuchende mit «sehr guten Chancen» für einen dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz teil.

Junge kommen in die Landwirtschaft

Der Algorithmus berechnet etwa anhand des Alters, der Herkunft oder des Geschlechts, in welchem Kanton die Chancen auf eine Beschäftigung am besten sind. Dabei müssen die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, wonach Asylsuchende verschiedener Nationalitäten gleichmässig auf die Kantone verteilt werden müssen.

Beispielhaft könnte das bedeuten, dass etwa unter den Syrern jüngere Asylsuchende eher in ländliche Kantone zugeteilt werden, in denen es viel landwirtschaftliche Betriebe gibt. Ältere Asylbewerber aus Syrien könnten in andere Kantone zugeteilt werden, in denen etwa die Chancen auf einen Job im Dienstleistungssektor höher sind. So bleibt die gleichmässige Verteilung der Nationalitäten gewahrt und gleichzeitig könnten die Chancen auf Arbeit erhöht werden. Der Algorithmus soll Veränderungen des Arbeitsmarkts in den Kantonen laufend berücksichtigen.

Finanzielle Entlastung für den Bund

In einem Beitrag der ETH Zürich beschreiben die Forscher ihre Vorgehensweise wie folgt: Der Algorithmus finde heraus, für welchen Kanton die individuellen Charakteristika und Fähigkeiten der einzelnen Geflüchteten wie Alter, Geschlecht, Herkunft und Sprache am besten mit den Eigenschaften des Arbeitsmarkts zusammenpassen. Dazu gehören etwa die Grösse des Landwirtschaftssektors, die Sprachregion oder ethnische Netzwerke.

Das Ziel sei es, mit den Mittel der Daten- und Sozialwissenschaften Lösungen zu erarbeiten, die das Asylverfahren und die Integration in den Arbeitsmarkt verbesserten, wird ETH-Professor Dominik Hangartner zitiert. «Schliesslich kann die Erwerbstätigkeit von Geflüchteten Bund, Kantone und Gemeinden finanziell entlasten.»

(ehs)