Rummel um Walliser Dorf

24. November 2017 19:40; Akt: 25.11.2017 10:20 Print

Alle Welt will jetzt nach Albinen ziehen

Dass das Walliser Dorf Albinen Neuzuzüger mit Geldzahlungen anlocken will, sorgt weltweit für Schlagzeilen. Die Gemeinde wird mit Anfragen von Interessenten überhäuft.

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Die Wohnbauinitiative des Walliser Dorfs Albinen hat international Aufsehen erregt. «Dieses hübsche Schweizer Dorf zahlt Leuten 53'000 Pfund, wenn sie herziehen», berichtet die britische Boulevardzeitung «The Sun». Auch die andere grosse britische Boulevardzeitung, «Daily Mail», berichtet ausführlich über Albinen: «Wir zahlen Sie, um hier zu leben! Pittoreskes Schweizer Bergdorf, das mit einem Bewohner-Exodus konfrontiert ist, denkt darüber nach, jeder Familie, die herzieht, 50'000 Dollar zu zahlen», lautet der Titel. Auch die niederländische Zeitung «Het Laatste Nieuws» schreibt über die Pläne des «charmanten Schweizer Dorfs». Auch die mexikanische Zeitung «El Universal» berichtet. Angekommen ist die News aber nicht nur in Nord-, sondern auch in Südamerika: «Schweizer Dorf zahlt 80'000 Reais für neue Einwohner», schreibt das brasilianische Portal Exame. Auch der brasilianische «Globo» macht seine Leser mit Albinen bekannt. In Kroatien informiert das Portal 24sata über die Pläne von Albinen. Hier die News auf Rumänisch: Bericht des Portals Ziarulunirea. Auch in Norwegen macht die Nachricht die Runde. Auch auf einem türkischen Portal findet sich ein reich illustrierter Artikel über das Walliser Dorf. Bericht auf Hindi: Auch die indische Zeitung Bhaskar weist auf Albinens Angebot für Neuzuzüger hin. Ebenso die chinesische Ausgabe der «Epoch Times»... ..und die «Sky Post» in Hongkong. Verbreitet wird die Kunde aus Albinen auch in Vietnam... ... in Thailand.. ...und in Indonesien. Der britische «Guardian» lässt sich von Albinen gar zu einem Meinungsstück inspirieren. Man dürfe kleine Ortschaften nicht aufgeben, findet die Autorin. Am sonnigen Berghang: Das Walliser Dorf Albinen. (16. November 2017) Das Bergdorf kämpft gegen die Abwanderung und will Neuzuzüger mit Geldsummen anlocken. Einzelpersonen sollen 25'000 Franken erhalten, Paare 50'000 Franken. Für jedes Kind würde die Gemeinde zusätzlich 10'000 Franken aufwerfen. «Zweitwohnungen und grosse Wohnüberbauungen von Investorengruppen kommen nicht infrage», stellt der Gemeindepräsident Beat Jost klar. Am 30. November wird die Gemeindeversammlung über die Initiative abstimmen können. Heute leben im 240-Seelen-Dorf noch zwei Primarschulkinder und fünf Oberstufenkinder. Albinen zeichne sich durch Ruhe, eine fantastische Aussicht, gute Luft und viel Sonne aus, sagt der Gemeindepräsident Beat Jost. Um die Dorfkirche gruppieren sich charakteristische Walliser Bergbauernhäuser und Chalets, von denen viele zu Ferienhäusern und -wohnungen umgebaut wurden. Eine Strasse verbindet Albinen mit dem Ferienort Leukerbad und Leuk im Rhonetal.

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Anfang Woche berichteten 20 Minuten und weitere Schweizer Medien über die Pläne des Walliser Bergdorfs Albinen, mit finanziellen Beiträgen von bis zu 70'000 Franken Familien als Neuzuzüger anzulocken.

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Diese Nachricht ging um die Welt: Über Albinen wurde nicht nur in fast allen europäischen Ländern berichtet, sondern auch in Amerika und Asien. Brasilianische und mexikanische Newsportale nahmen die Story ebenso auf wie Medien in China, Vietnam oder Indonesien.

Gemeinde wird mit Anfragen überhäuft

Die Folge: Bei der Gemeinde meldeten sich zahlreiche Interessenten aus aller Welt. Doch besonders glücklich scheinen die Behörden von Albinen mit der plötzlichen Berühmtheit ihres Dorfes und der internationalen Nachfrage nicht zu sein.

Es habe irreführende Medienberichte gegeben, heisst es in einer Mitteilung, die die Gemeinde am Freitag auf ihrer Website veröffentlicht hat. Von «weltweitem Aufsehen» und «unnötiger Aufregung» ist darin die Rede.

«Nur einer von hundert Interessenten kommt infrage»

Im Gegensatz zu 20 Minuten hatten manche ausländische Medien nicht darauf hingewiesen, dass die Beiträge für Neuzuzüger an zahlreiche Bedingungen geknüpft würden. «Von den vielen Interessenten, die sich bei der Gemeinde Albinen meldeten, könnte höchstens einer von hundert als ernsthafter Gesuchsteller zumindest in Betracht gezogen werden», hält die Gemeinde fest.

Enttäuscht würde etwa jeder, der – beispielsweise aus Grossbritannien, Brasilien oder China – eigens in die Schweiz ziehen möchte, um von Albinens Angebot zu profitieren: Ausländer müssen im Besitz der Niederlassungsbewilligung C sein, um vom Geldsegen zu profitieren.

Und diesen gibt es ohnehin nur für jene, die in Albinen ein bewilligungsreifes Bauprojekt oder einen beurkundeten Kaufvertrag vorweisen können und mindestens 200'000 Franken investieren. Hinzu kommen weitere Bedingungen – so muss der Betrag zurückgezahlt werden, falls man nach weniger als zehn Jahren wieder aus Albinen wegzügelt.

Der Gemeindepräsident schweigt

Der Gemeinde scheint die Sache über den Kopf gewachsen zu sein. Eine Interview-Anfrage von 20 Minuten hat Gemeindepräsident Beat Jost abgelehnt: «Wir haben uns entschieden, in den Medien keine Stellungnahme mehr abzugeben.» Man werde versuchen, «dorfintern die nötige Überzeugungsarbeit zu leisten».

Denn entschieden ist noch nichts: Erst an der Urversammlung vom kommenden Donnerstag stimmt Albinen über die «Gemeindeinitiative für eine aktive Wohnbauförderung» ab.

Das Dorf ist gespalten

Eingereicht wurde die von jungen Einwohnern lancierte Initiative mit den Unterschriften von 94 Stimmbürgern – für eine Gemeinde mit 240 Einwohnern eine beträchtliche Zahl. Doch das Dorf ist in dieser Frage gespalten, wie sich bei einem Augenschein von 20 Minuten in Albinen zeigte.


(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bluesbrother am 24.11.2017 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Man braucht nur mit Geldscheinen zu wedeln und die halbe Welt interessiert sich für einem. Leute, merkt euch dieses Muster wenn es um die Auswahl von Partner und Freunden geht, da kann es gleich laufen ;-)

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  • Garry am 24.11.2017 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wäre schön auch ohne Geld

    Albinen ist schön und Leukerbad fast nebenan. Für jemanden der von Zuhause arbeiten kann perfekt.

  • Amina123 am 24.11.2017 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    da haben sie nun den 'salat'.... die hätten besser den urnengang abgewartet,bevor das publiziert wird.und dann auch alle forderungen klargestellt im bericht. hals über kopf und nicht nachgedacht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Diversitiy am 25.11.2017 19:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Bringt vielleicht wieder mal etwas frisches Blut und neue Gene ins Dörfli... ;-)

  • Heinerle am 25.11.2017 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Förderalismus

    wer hat mit 40 eine Familie mit Kindern 200000.-mindestens für ein Haus dort Arbeit und hält das 10 Jahre durch da kommt sicher nur jeder 1000sendste Schweizer vieleicht in Frage

  • Herr Max Bünzlig am 25.11.2017 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    muss ich nun auch noch albanisch Sprechen, dort

  • Reguliert sich in Albinen.. am 25.11.2017 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..von alleine

    Alle Welt will ja offenbar überhaupt in die Schweiz ziehen. Die finanziellen Anreize sind bei uns grundsätzlich top! Nach dem ersten Winter und der ersten Sichtung vom bösen, bösen Wolf, würden 99 Prozent der Neuzuzüger sowieso wieder von Albinen wegziehen. Leider kann man das nicht von der ganzen Schweiz behaupten....

  • Alesandro Pianari am 25.11.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toller Sonnen Ort

    Dort ist es auch schöner als in Leukerbad, wo es nur Felswände gibt. Wenn man das Panorama anschauen will, fällt man auf den Rücken!