Kampf gegen Virus

14. März 2020 21:04; Akt: 14.03.2020 23:11 Print

«Alle ohne Homeoffice sollen zum Corona-Test»

von B. Zanni - Politiker und Spezialisten halten die Massnahmen gegen das Coronavirus für ungenügend. Sie fordern mehr Tests und Schliessungen.

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SP-Nationalrätin Yvonne Feri fordert mehr Tests. «Alle Menschen, die kein Homeoffice machen können, müssen jetzt einen Corona-Test machen», sagt sie. Im Falle von Symptomen müssten sie sich einem zweiten Test unterziehen. Nur so könnten etwa Kita-, ... ... Gastronomie- und ... Verkaufsangestellte ... ... wie auch die Pflegenden und andere Berufsgruppen mit persönlichen Kontakten ruhigen Gewissens ihrem Job nachgehen. «Die Krankenkassen sollten die Tests bezahlen. Es geht hier schliesslich um eine langfristige Prävention», sagt Feri. Scharfe Kritik übt SVP-Nationalrätin Verena Herzog.«Mit Schreibtischlösungen wie dem Einrichten einer Corona-Hotline und Info-Material reagierte der Bund schnell», sagt sie. Doch schon am Anfang habe es «riesige Lücken» gegeben. Rückenwind bekommt Herzog von Adriano Aguzzi, Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsspital Zürich. Im Wissenschaftsmagazin Higgs beurteilt er die Massnahmen des Bundesrats als «Mini Lockdown». Man müsse gleich rigoros vorgehen wie in Italien, wo nur noch Lebensmittelläden und Apotheken geöffnet sind. Die Schweiz teste mehr als viele andere Länder, betonte Gesundheitsminister Alain Berset in der Samstags-Rundschau von Radio SRF. Schnell-Tests für die Schweiz stünden zurzeit zur Diskussion. «Die Tests müssen aber auch sicher sein. Es ist wichtig, dass die Qualität stimmt.» Alain Berset versicherte gegenüber SRF: «Die Situation ist ernst, aber wir wissen auch, was wir dagegen machen können.» Die am Freitag beschlossenen Massnahmen reichten, wenn die Bevölkerung die Empfehlungen auch wirklich umsetze.

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Täglich schnellt die Zahl der Neu-Infektionen mit Corona in der Schweiz in die Höhe. Zwischen dem 9. und dem 14. März vervierfachten sich die Ansteckungen nahezu. 13 Menschen starben am Virus bisher. Um die Epidemiewelle besser in den Griff zu bekommen, beschloss der Bundesrat am Freitag einschneidende Massnahmen wie das Schliessen der Schulen. Damit wächst aber auch der Unmut.

«Liebes Bundesamt, danke habt ihr alles verschärft, dies ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch müssen die Vorschriften noch härter sein, um den Kampf gegen das Virus zu gewinnen», schreibt ein Leser. Ein weiterer befürchtet: «Als Schweizer bin ich richtig enttäuscht von meiner Regierung. Ich glaube in 2 Wochen siehts hier aus wie in Italien und retten kann man das nicht mehr.»

Selbst zugezogene Schweizer schütteln den Kopf. «Das Land, das ich zum Leben auswählte, ist eines der reichsten, fortschrittlichsten und privilegiertesten Länder der Welt. Es war aber unfähig, von seinem nächsten Nachbarn, Italien, zu lernen», kritisiert eine Bloggerin. Ein grosser Diskussionspunkt sind auch die Corona-Tests (siehe Box). Um die Epidemie wirksam einzudämmen, müsse die Schweiz dringend mehr testen, fordert Epidemiologe Marcel Salathé.

Bund habe das Ziel verpasst

Auch SP-Nationalrätin Yvonne Feri fordert mehr Tests. «Alle Menschen, die kein Homeoffice machen können, müssen jetzt einen Corona-Test machen», sagt sie. Im Falle von Symptomen müssten sie sich einem zweiten Test unterziehen. Nur so könnten etwa Kita-, Gastronomie- und Verkaufsangestellte wie auch die Pflegenden und andere Berufsgruppen mit persönlichen Kontakten ruhigen Gewissens ihrem Job nachgehen. «Die Krankenkassen sollten die Tests bezahlen. Es geht hier schliesslich um eine langfristige Prävention.» Bisher wehrten sich die Krankenkassen laut der «SonntagsZeitung» gegen die Verordnung des Bundes, die 180-fränkigen Tests zu finanzieren. Sie betrachteten es als Sache der Kantone, wie es das Epidemiegesetz vorsieht.

Scharfe Kritik übt SVP-Nationalrätin Verena Herzog. «Mit Schreibtischlösungen wie dem Einrichten einer Corona-Hotline und Info-Material reagierte der Bund schnell», sagt sie. Doch schon am Anfang habe es «riesige Lücken» gegeben. «Die jüngsten Massnahmen hätten schon vor zwei bis drei Wochen getroffen werden müssen. Der Bund hat das Ziel verpasst, die Fallzahlen möglichst früh einzudämmen.» Die wirtschaftlichen Interessen seien den Menschenleben vorangestellt worden.

Laut Herzog genügen die bisherigen Massnahmen im Kampf gegen das Virus nicht. «Um die Fallzahlen möglichst früh zu reduzieren, sollte jede Person mit Symptomen einen Corona-Test machen können.» Auch an den Grenzübergängen brauche es Corona-Tests, solange man diese nicht schliesse.

«Restaurants und Bars sollten schliessen»

Den Beschluss des Bundesrats, die Anzahl Besucher in Restaurants, Bars und Diskotheken auf maximal 50 Personen zu beschränken, bezeichnet Herzog als lächerlich. «In diesen Lokalen ist es unmöglich, einen Abstand von zwei Metern einzuhalten.» Sie fordert: «Restaurants, Bars, Discotheken und auch Kinos sollte man schliessen.» Die Massnahmen müssten zu Beginn schnell konsequent sein, um den Schaden der Bevölkerung und der Wirtschaft möglichst tief zu halten.

Rückenwind bekommt Herzog von Adriano Aguzzi, Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsspital Zürich. Im Wissenschaftsmagazin Higgs beurteilt er die Massnahmen des Bundesrats als «Mini Lockdown». Man müsse gleich rigoros vorgehen wie in Italien, wo nur noch Lebensmittelläden und Apotheken geöffnet sind. Jede fünfte Versammlung von 20 Leuten werde die Infektion verbreiten. «Und der Bundesrat lässt 50 Leute zu. Das führt direkt in die Katastrophe.»

«Krankenkasse soll Tests bezahlen»

Laut dem Bund kann die Schweiz zurzeit 2000 Corona-Tests durchführen. Die Schweiz teste mehr als viele andere Länder, betonte Gesundheitsminister Alain Berset in der Samstags-Rundschau von Radio SRF. Schnell-Tests für die Schweiz stünden zurzeit zur Diskussion. «Die Tests müssen aber auch sicher sein. Es ist wichtig, dass die Qualität stimmt.»

Beim BAG heisst es, dass der Diskussion um die Massnahmen im Moment nichts bezufügen sei. «Der Bund beobachtet die Situation aufmerksam und passt seine Massnahmen gegebenenfalls wieder an.» Alain Berset versicherte gegenüber SRF: «Die Situation ist ernst, aber wir wissen auch, was wir dagegen machen können.» Die am Freitag beschlossenen Massnahmen reichten, wenn die Bevölkerung die Empfehlungen auch wirklich umsetze.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • teuuta am 14.03.2020 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ncnc

    Warum soll die KK das Bezahlen. Der Bund sollte uns das bezahlen, sonst steigen die Kosten im nöchsten Jahr noch höher bei den Krankenkassen

    einklappen einklappen
  • Manjaro am 14.03.2020 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitter

    Hier plappern genau die Leute, die alle Gestelle leer gekauft haben. Einfach nur bitter

  • Stefu am 14.03.2020 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irrsinn

    Ihr spinnt doch alle im höchsten grad. Mich nähme wunder was ihr alle macht wenn wirklich mal was kommt das eine 50% Mortalität hat und nicht eine 1-3%.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Berndt am 15.03.2020 05:45 Report Diesen Beitrag melden

    Homeoffice

    Homeoffice für alle, bei denen es möglich ist. Alles Andere ist verantwortungslos.

  • JohnWayne am 15.03.2020 00:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher Handeln

    Je früher man strikt und konsequent handelt umso schneller vergeht das ganze wieder. Was bringt es wöchentlich, die Besucherzahlen an Bars, Clubs etc. zu reduzieren, während die Infizierten steigen? Sollte man alles erst bei 10'000 Infizierten schliessen? Je länger man wartet desto mehr belastet man Personal sowie die Wirtschaft. Macht es nicht Sinn lieber jetzt zuhandeln und alles möglichst strikt einzudämmen, damit man die jetzigen Infizierten behandeln kann? Lieber einige Wochen konsequent sein damit der normale Alltag zurück kehren kann, statt ein halbes Jahr halbbatzig handeln.

  • Ld am 14.03.2020 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lockdown

    Warum müssen wir warten bis es slimmer wird wie in Italien? Wäre es nicht besser wir gehen jetzt sofort in lockdown.

  • Gastro123 am 14.03.2020 23:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gastro

    Ja und das Service Personal wird noch niedergemacht weill wir nicht mehr als 50 Gäste haben dürfen, da ja auch einzelne nicht auf den LUXUS auswärts essen zu gehen verzichten können/wollen! Ich bediene im Tag mehr als 100 Gäste und dan beschwert man sich WEN man schon ein Tisch bekommt das man zu nahe am Nachbartisch sei!!! What the hell you want?

  • nur noch enttäuscht am 14.03.2020 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Enttäuschung seitens BR aber auch seitens Arbeitge

    Ich bin von der ach so gut organisierten und situierten Schweiz enttäuscht. Der BR hat doch gar nichts gemacht, dass ist das aller mindeste was der BR angeordnet hat. Bitte konkreter uns konsequenter werden. Mein Arbeitgeber ist aber auch so lasch. Keine oder nur knappe Informationen. Hinweise das ich mir die Hände waschen soll brauche ich nicht, ist doch logisch. Bitte alles ausser Lebensmittelläden 14 Tage schliessen, nur so kommt ruhe in das ganze Chaos. Und bitte testen - alle mit Symptomen und falls notwendig mehrmals! ich möchte Klarheit!