Best of Schawinski

18. Dezember 2014 14:45; Akt: 18.12.2014 17:19 Print

Als Ueli Maurer aus dem Studio stürmte

Roger Schawinski ist einer der erfahrensten Interviewer des Landes – und verlor bei Andreas Thiel nicht zum ersten Mal die Fassung.

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Er gilt als einer der brilliantesten und zugleich unangenehmsten Gesprächspartner der Schweiz: Talkmaster Roger Schawinski redet schneller als sein Schatten – oder eben als sein Gegenüber. Und manchmal nimmt das rasende Mundwerk Schawinskis keine Rücksprache mit der Vernunft und sondert ungefiltert ab, was gerade in ihm vorgeht.

Das sorgt einerseits für Authentizität, für originelle, ehrliche und packende Gespräche. Doch manchmal schiesst sein Mundwerk schärfer, als es sollte – und es kommt zum Eklat. Denn Schawinski zielt oft bedrohlich in die Nähe der Gürtellinie und gerät manchmal darunter. Nicht immer goutieren seine Gesprächspartner das: zum Beispiel Bundesrat Ueli Maurer, 1999 noch SVP-Parteipräsident.

Im Studio von Tele 24 sagte Schawinski zu ihm: «Sie sind ja im Prinzip Parteipräsident von Blochers Gnaden, das darf man glaube ich sagen», worauf Maurer, während sein Blick sich bedrohlich verdüsterte, erwiderte: «Wenn Sie das Gefühl haben, mich anzünden zu müssen, können Sie die Sendung ohne mich machen.» Sprachs, riss sich das Mikrofon vom Jackett und stapfte aus dem Studio.

Dass Schawinski laut werden kann, ist bekannt; dass er aber die Nerven und damit seine Souveränität verliert, ist hingegen selten. Doch beim Talk mit Andreas Thiel geschah dies nicht zum ersten Mal. Als die Psychologin und Autorin Catherine Herriger in der Sendung «Talk Täglich» auf Tele Züri ihr Buch vorstellen wollte, fuhr Schawinski sie an: «Die Leute geben Geld aus, für etwas, was Schrott ist. Ich habe das noch nie in einer Sendung gesagt.» Danach warf er das Buch quer durchs Studio. Diese Aufnahmen sind mittlerweile unter Verschluss und werden nicht mehr herausgegeben.

«Sie ging mir auf die Nerven»

In späteren Interviews entschuldigte sich Schawinski für diesen Ausraster, es sei ihm peinlich. Gegenüber der «Annabelle» sagte er: «Ich hatte einen schlechten Tag hinter mir. Ich hielt sie für eine Scharlatanin, ihr Lebenshilfewerk war nicht seriös. Und sie ging mir dermassen auf die Nerven mit ihrem falschen Lächeln.»

Nicht alle Interviews gelingen dem Talkmaster wie gewünscht. Am gewitzten Cédric Wermuth biss sich Schawinski die Zähne aus, und Satiriker Viktor Giacobbo liess ihn gnadenlos auflaufen. Schawinski seufzte danach in die Kamera von «Glanz & Gloria»: «Ich rede lieber zehnmal mit dem Blocher, mit Mörgeli oder mit dem Köppel. Giacobbo ist einfach schwer zu knacken.»

Auch beim unnahbaren IZRS-Präsident Nicolas Blancho wurde Schawinski laut, bat ihn fast verzweifelt um eine deutliche Distanzierung von der Terrormiliz Islamischer Staat. Auf Radio 1 stritt er sich mit PR-Experte Klaus J. Stöhlker, der ihm vorgeworfen hatte, Moslems und Araber zu beleidigen, was mit seiner Herkunft zu erklären sei.

Und mit dem Fifa-Boss Sepp Blatter überwarf er sich, als er Korruptionsvorwürfe in der Sendung äusserte. Blatter drohte daraufhin, dass er sich da auf «ganz gefährliches Terrain» begebe.

Die Interviewerin der «Annabelle» fragte Schawinski vor dem Start seiner Sendung vor drei Jahren: «Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es bei Ihrer neuen Sendung wieder zu einem solchen Aussetzer kommt? Müssen Ihre Gäste jederzeit bereit sein, in Deckung zu gehen?» Die Antwort von Schawinski: «Nein, im Gegenteil: Ich bin derjenige, der aufpassen muss.»

(num)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pat Meyers am 18.12.2014 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Journalistisch schwach

    Schawinskis Interviews zielen nicht darauf ab, den Gegner sachlich zu widerlegen. Sie zielen nur darauf, den Gegner zu einem (vermeintlichen) Widerspruch oder zu einer blöden Aussage hinzureissen, und dann ewig darauf herumzureiten. Als Anwalt würde er sicher gute Kreuzverhöre liefern, journalistisch gesehen hingegen ist es einfach nur schwach.

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  • rolf mündig am 18.12.2014 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    mhhh....

    Danke nochmals Andreas, das war aller erste Sahne.

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  • Taifunny am 18.12.2014 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Erfahren?

    Ein erfahrener Interviewer würde es niemals soweit kommen lassen, dass Gäste das Studio verlassen, oder das Bücher zu Wurfgeschossen werden. Peinlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ph.La. am 19.12.2014 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Unprofessionell

    Ich habe noch nie einen Talkmaster erlebt, der es sich zum Ziel macht, seine Gäste mit allen Mitteln fertig zu machen. Dass er überhaut noch Gäste findet, verwundert mich.

  • Ceva am 19.12.2014 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Roger gut gemacht

    Wer diese Sendung sieht, weiss wie der Roger tickt und will das bewusst auch sehen. Er versucht das letzte aus seinen Gästen rauszukitzeln und geht "vielleicht" über seine Grenzen. Aber Journalismus muss ein Stück über die Grenzen gehen. Ansonsten hätten wir nur die Informationen die wir erhalten sollten. Und nicht die Wahrheit

  • Schälleursli am 19.12.2014 02:33 Report Diesen Beitrag melden

    Es kam, wie es kommen musste

    RS war mir schon von allem Anfang an unsympatisch. Er war schon ein Volksaufwiegler, als er noch sein Radio auf dem Berg betrieb. Dieser (linke) Notter sagt, er habe diesen "Shitsorm" nicht verdient. Ich sage: War schon längst überfällig. Und ich sage auch: Es gibt doch noch einen gerechten Gott :-) Strafe, wem Strafe gebührt. Das mit dem Thiel war ja nicht seine erste schwere Fehlleistung!

  • P.Uedil am 19.12.2014 00:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meister gefunden

    Schawinski deine Zeit ist vorbei. Man kann keine Interwieus ( :) ) wie du sie führst, in der heutigen Zeit machen. Tritt ab, alter Mann.

  • A.Meyer am 19.12.2014 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    soll lieber seinen tesla in ruhe ausfahrem.und die

    wieviel lohn kassiert man für so eine sendung? junge neue leute einstellen und schawinski in ruhestand schicken.