07. April 2008 10:48; Akt: 07.04.2008 13:02 Print

Alter Cisalpino in den letzten Zügen

von Tina Fassbind - Die Tage der Pannen-Cisalpinos sind gezählt. Schon beim nächsten Fahrplanwechsel sollen neue Fahrzeuge zum Einsatz kommen, heisst es bei den SBB. 20minuten.ch-User weinen den Neigezügen keine Tränen nach und schildern ihre Pannenerlebnisse.

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Sie rollen bereits auf Schweizer Geleisen, die neuen Cisalpino ETR 610, die schrittweise die bisherigen Zugskompositionen ersetzen sollen. Trotzdem dauert es noch eine Weile, bis die ersten Passagiere mit den neuen Zügen in den Süden reisen können. «Beim nächsten Fahrplanwechsel ist der erste Einsatz der neuen Fahrzeuge vorgesehen», sagt SBB-Mediensprecher Roland Binz auf Anfrage von 20minuten.ch.

Übernahme der ersten Züge «in den kommenden Monaten»

Seit vergangenem Sommer finden laufend Testfahrten in der Schweiz statt, so Binz. Die Tests haben sich verzögert, weil es Verspätungen bei der Auslieferung der Zugskompositionen gab. Nun ist alles auf Kurs. «In den gegenwärtigen Testfahrten muss eruiert werden, ob der neue Cisalpino den hiesigen gesetzlichen Vorschriften und unseren Spezifikationen entspricht», erklärt der Mediensprecher. Bekommen die Fahrzeuge die nötige Zulassung für die Schweiz, können die SBB die ersten Fahrzeuge übernehmen. «Das wird in den kommenden Monaten der Fall sein.»

«Befindet sich in diesem Zug ein Lokomotivführer?»

Nicht alle werden den alten Cisalpino-Zügen nachtrauern. Vielen wurde es in den Neigezügen schlecht – falls die Züge überhaupt losfuhren. Die Cisalpino-Pannen waren geradezu legendär (siehe Linkbox).

Auch 20minuten.ch-Userin Luna erinnert sich an eine solche Pannenfahrt: «Ich sass mal im Zug zwischen Lugano und Zürich, als ich folgende Durchsage hörte: Befindet sich in diesem Zug ein Lokomotivführer? In Arth-Goldau hiess es dann: Dieser Zug fährt über Rotkreuz nach Zürich. Daraufhin tuckerte der Zug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h nach Zürich. Mit dem Ergebnis, dass die Verspätung am Schluss etwa 45 Minuten betrug.»

«Man wusste nie, was passiert»

«Also ich vermisse den alten Cisalpino ganz sicher nicht. Obwohl die Fahrten immer abenteuerlich waren - man wusste nie, was passiert», sagt 20minuten.ch-User Daniel Holdener. «Da ich im Tessin militärisch stationiert bin, benutze ich den Cisalpino relativ oft. Unter den WK-Kollegen haben wir dann während der Bahnfahrt immer Sprüche gerissen, die jeweils mit begannen.»

Er erinnert sich gleich an mehrere Pannenfahrten: «Wir sind schon im Gotthardtunnel eine halbe Stunde stehen geblieben. Wir wussten anfangs nicht, ob wir aussteigen oder sitzen bleiben mussten, weil das Personal völlig überfordert war. Im Januar funktionierte die Heizung nur in einem Wagen. Es war saukalt auf der Gotthardhöhe. Und einmal konnten wir im Bahnhof Zug nicht losfahren, weil irgend etwas defekt war. Es war eine kurze Anfahrbewegung zu spüren und ein ruckartiges Stoppen.»

Für 20minuten.ch-User Reto Buchs war ebenfalls in Zug Schluss: «Ich war mit einem Cisalpino von Schaffhausen nach Lugano unterwegs. In Zug hiess es: Endstation! Bitte alle aussteigen. Als ich dann ausgestiegen bin und auf die Anzeigetafel schaute, hatten zwei Cisalpinozüge 30 und 45 Minuten Verspätung.» Die Züge seien eben billig hergestellt worden, und darum gäbe es so viele Ausfälle, findet Buchs. «Die Sitze kommen mir vor wie Särge. Sie sind unbequem. Ich bin schon im neuen Cisalpino gesessen. Der ist hundertmal besser als der alte.»

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