Ayahuasca

11. April 2016 14:49; Akt: 13.05.2019 09:18 Print

Amazonas-Droge erobert die Schweiz

Das halluzinogene Getränk Ayahuasca wird in der Schweiz vermehrt konsumiert. Der Sitz der Drogen-Organisation wurde in die Romandie verlegt. Experten sind alarmiert.

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«Dieses Gebräu kann sowohl positive als auch negative Erfahrungen erzeugen. Der Konsum kann aber auf jeden Fall das psychische Gleichgewicht beeinflussen.» Corine Kibora, Sprecherin von Sucht Schweiz, spricht von der Droge Ayahuasca.

Bisher war das halluzinogene Getränk vor allem in der New Yorker Szene und bei Hobby-Drogentouristen im Amazonas beliebt. Nun aber verbreitet sich die Droge, die aus Lianen und Blättern hergestellt wird, auch in der Schweiz, wie Le Matin berichtet. Dies insbesondere dank Schamanenritualen, die auf beiden Seiten des Röstigrabens abgehalten werden.

Sitz der Organisation neuerdings im Kanton Waadt

Der Dachverband der schweizerischen Krankenversicherer Santésuisse verbreitete bereits 2013 eine Warnung: «Gemischt mit anderen Substanzen oder in hoher Dosis können die Halluzinogene zum Tod führen.»

Doch das Gebräu könnte sich hierzulande noch weiter ausbreiten. Denn die Organisation Ayahuasca International fordert dazu auf, Zeremonien in der Schweiz abzuhalten. Die Gruppe hat ihren Sitz auf Geheiss ihres Gurus, des Argentiniers Alberto José Varela, Ende 2015 in den Kanton Waadt verlegt.

«Wir fühlen die Verbindung zur Umwelt»

Wo sich das Haupthaus genau befindet, ist nicht bekannt. Doch eine Sprecherin des «ersten multinationalen Unternehmens von Ayahuasca» lädt Schweizer zu Workshops ein, die ungefähr alle zwei Monate in einem Dorf in der Nähe von Sitten stattfinden. Die dreitägigen «Trips» kosten 500 Franken.

«In dieser Region herrscht eine spezielle Energie, wir fühlen eine Verbindung zur Umwelt», sagt auch Laura, die Assistentin von Varela, zur Zeitung. Dazu komme, dass die Gesetze ihnen hier freundlicher gesinnt seien als an anderen Orten.

Schwammige Gesetze wegen DMT

Wer in der Schweiz die Droge konsumiert, bewegt sich rechtlich tatsächlich in einer Grauzone. In Frankreich, wo sich die Organisation von Alberto Varela bis vor kurzem aufhielt, sieht die Situation anders aus: Der Konsum der Droge wird dort streng geahndet.

«Die schwammigen Gesetze in der Schweiz basieren auf dem Umgang mit DMT, einer Substanz, die ebenfalls aus einer Liane gewonnen wird», sagt Anthropologe Jermey Narby, der sich auf indigene Kulturen spezialisiert hat, die diese Droge konsumieren. Weil die Pflanze an sich jedoch keinen Effekt erzeuge, sondern nur gemischt mit anderen Pflanzen zu halluzinogenen Reaktionen führe, sei einzig der Mix verboten.

Im «Le Matin» verurteilt er die angepriesenen Rituale in der Schweiz, wo «die Teilnehmer sich mit den übernatürlichen Kräften» verbinden sollen. «Varela macht mit dem Ayahuasca ein lukratives Geschäft – und das, ohne die nötigen präventiven Massnahmen zu ergreifen», sagt Narby.

Ayahuasca-Ausbildungszentrum in der Schweiz geplant

Die Hochkonjunktur der Droge hierzulande könnte auch laut einem welschen Schamanen für viele Menschen gefährlich werden. «Mehr und mehr Patienten erzählen mir von ihren Erfahrungen mit dieser Pflanze», sagt er. Während gewisse eine Art Erleuchtung erfahren würden, habe die Droge für viele einen kompletten Realitätsverlust zur Folge, «ein Teil meiner Arbeit besteht darin, diese Menschen zu pflegen».

Hunderte internationale Akademiker haben kürzlich einen offenen Brief unterschrieben, in dem Varela als verantwortungslos und unseriös bezeichnet wird. Doch in dessen Organisation gibt man sich unbeeindruckt: «Wir wollen ein europäisches Ausbildungs-Zentrum rund um Ayahuasca in der Schweiz eröffnen», sagt seine Assistentin Laura.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chnoblibrot am 11.04.2016 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    Warum ist es möglich, in der Natur vorkommende Pflanzen als illegal zu deklarieren? Meiner Meinung nach, dürfte dies gar nicht möglich/rechtens sein. Die Natur schenkt uns alle Möglichkeiten, um uns selbst zu heilen oder um spirituelle Erfahrungen zu machen. Substanzen, welche mit unnatürlich Mitteln / Zusatzstoffen hergestellt werden, deren Verbot kann ich nachvollziehen,

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  • Tobias ZH am 11.04.2016 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Drogen legalisieren

    Legalisiert endlich Cannabis und die anderen drogen. Denn das einzige was Verbote bringen sind mehr tote, Schwarzmarkt und überfüllte Gefängnisse. Denn weil die drogen verboten sind werden sie überall schwarz gehandelt. Und das häufig in extrem schlechter Qualität. Was die gefahren für die Konsumenten erhöht. Die verfügbarkeit wird durch ein Verbot nicht geringer. Heute kann jeder 12 Jährige jede Droge bequem im Darknet bestellen und hat sie ein paar Tage später im Briefkasten. Repression ist gescheitert wie auch damals in Amerika mit dem Alkohol. Verbote bringen gar nix

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  • Mr. Psychedelic am 11.04.2016 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Richtung einschlagen

    Find ich gut, dass es sowas in der Schweiz gibt. Aufklärung und Prävention, dies ist der Weg, welchen wir einschlagen müssen. Mit Verboten und harten Strafen wird diese bewusstseinserweiternde Substanz NICHT von der Erde verschwinden. Wem Schaden diese Leute ausser sich selbst? Apporpos Drogenkonsumenten verursachen hohe Gesundheitskosten. Hoch werden diese Kosten dann, wenn die Leute uninformiert sind. Breit informieren und somit schützen kann man das Volk jedoch nur, wenn der Konsum sowie auch der Besitz nicht mehr kriminalisiert wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • wianve am 11.04.2016 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als ob es nicht schon genug hat

    Was sind das für Menschen, die Suchende und Schwache verführen. Den brauchen wir nicht auch noch in der Schweiz. Öffnet die Augen und ihr werdet die Schönheiten der Natur ohne Drogen wahrnehmen.

  • Rönu am 11.04.2016 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Los

    Wann begreift die Welt endlich,dass der Mensch schon immer Drogen konsumierte?Legalisiert das ganze zeug und wir werden viel weniger Probleme haben.

  • Hans im Glück am 11.04.2016 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Illusion

    Es ist und bleibt eine Illusion zu glauben, mit einer Droge das Bewusstsein zu erweitern. Das einzige was man dann mit der Droge vor sich sieht : ist eine weitere Illusion.

  • Uhudler am 11.04.2016 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Droge Nummer 1

    Unglaublich! Wie heisst es im Bericht: .... Dieses Gebräu kann sowohl positive als auch negative Erfahrungen erzeugen. Was ist den mit Alkohol? Geduldet und toleriert! 5% der Bevölkerung sind Alkoholsüchtig! Aber das interessiert ja nicht mehr. Es ist einfach so. Eine Bitte: Verbietet doch einfach mal dieses Suchtmittel und viel Unheil bleibt uns erspart.

    • Chamäleon am 11.04.2016 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Uhudler

      Ich denke es sind weit mehr als 5%, viele würden sich eine Sucht nicht eingestehen...

    • Delphin64 am 11.04.2016 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Uhudler

      Alkohol gehört zur Kultur. Mit Alkohol kann man die Leute ruhigstellen. ( Sie denken dann nicht mehr so über die Missstände der Schweiz nach. ) Mit Alkohol kann man Geld machen! etc. etc.

    • Uhudler am 11.04.2016 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chamäleon

      Das kann schon sein. Offiziell sind es etwa 5%. Aber da gibt es ganz sicher eine Grauzone.

    • Uhudler am 11.04.2016 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Delphin64

      Wie wahr. Klar kann man damit viel Geld machen. Aber was uns die ganze Gesunheitsindustrie kostet! Und Zeche bezahlen leider auch die Gesunden.

    • Einmannarmee am 11.04.2016 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Uhudler

      das heisst nicht grauzone!!!! sondern dunkelziffer!! sorry musste sein

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  • TOMtom am 11.04.2016 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schon mal probiert

    haha ihr erzählt ja krasse Räubergschichtli! also ich habe an 2 solchen Wochenend-langen Sessions teilgenommen und wenn eines sicher ist, dann das, dass man davon nicht süchtig wird. zu einem Trip gehört Erbrechen und Durchfall und der Geschmack ist abscheulich. das ist keine easy-peasy Partydroge im Sinn von "let's have a Party" sondern bedeutet harte Arbeit. das macht man nicht einfach so wieder. aber ihr wisst ja eh alles besser ;-)

    • Boris3000 am 11.04.2016 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @TOMtom

      genau... schwarzgebrannter hochprozentiger ist immer noch schlimmer. und das ist leichter zu bekommen. :-)

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