«Just Community»

19. Februar 2019 09:35; Akt: 19.02.2019 21:30 Print

An diesen Schulen haben die Kinder das Sagen

von P. Michel - Schweizer Schulen setzen auf Basisdemokratie. In der «Just Community» reden die Schüler mit, welche Regeln gelten. So funktioniert sie.

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An der Primarschule Steiacher in Brüttisellen entscheiden nicht die Lehrer allein über die Pausenplatzordnung. Auch die Schüler bestimmen im System «Just Community» basisdemokratisch mit. In jedem Klassenzimmer hängt ein Briefkasten, in den die Schülerinnen und Schüler ihre auf Papier formulierten Anliegen einwerfen können.

Pro Halbjahr kommen so rund 50 Vorschläge zusammen. Ein «Kinder-OK», bestehend aus acht Dritt- bis Sechstklässlern, wählt die aus ihrer Sicht dringendsten Ideen aus und bringt sie in die Lehrerkonferenz. Die gesamte Schülerschaft ab der ersten Klasse diskutiert dann in einer Vollversammlung darüber.

Es gibt schon Kampfwahlen um die Exekutive

Die «Just Community» ist ein Erfolg: Um die Wahl ins «Kinder-OK» entbrennen regelrechte Kampfwahlen, weil deren Mitglieder hohes Ansehen geniessen. In den Gängen hängen Plakate der Kandidaten. Die Leitung und Organisation der Vollversammlung organisieren die Schüler mittlerweile eigenständig.

So funktioniert die «Just Community»: Zum Video.

«Dass die Kinder entscheiden können, finde ich sehr gut», erklärte der 12-jährige Eren in einem Blog der Pädagogischen Hochschule Zürich. Die Vorschläge der Lehrer seien jeweils nicht so gut angekommen. Den Ansatz der «Just Community» verfolgen auch andere Schulen, beispielsweise das Schulhaus Dorf in Heiden AR. Eine Auswahl der Ideen an den beiden Schulen:

1
Lockerer Unterricht

Da es am frühen Morgen vielen schwerfalle, sich zu konzentrieren, schlug ein Schüler vor: «Ich würde mir in der ersten Stunde nur lockeren Unterricht wünschen.» Der Vorschlag schaffte es im Gremium des «Kinder-OK» an der Primarschule Brüttisellen aber nicht in die engere Auswahl.

2
Süsses am Pausenkiosk?

Es war ein Bedürfnis der Schüler in Heiden, selbst einen Kiosk zu betreiben. So brachten sie die Idee an die Vorbereitungsgruppe. In der Schulversammlung wurde dann festgelegt, ob es Süssigkeiten geben soll, ob man Profit machen darf, wer den Kiosk betreiben kann und wie oft er geöffnet sein soll. Das Resultat: Der Kiosk, der mittlerweile schon länger in Betrieb ist, öffnet zweimal die Woche, es gibt keine Süssigkeiten, dafür Bürli, Früchte, Gemüse, Dar-Vida oder Minipic, und er ist nicht profitorientiert.

3
Handarbeit abschaffen

Auch unrealistische Ideen können die Schüler im «Just Community»-System einbringen. In Brüttisellen befanden einige Schüler das Fach Handarbeit für überflüssig. Die Gegner argumentierten, eine Abschaffung sei laut Lehrplan 21 gar nicht möglich. Der Vorschlag wurde deshalb auch nicht weiterverfolgt.

4
WC-Regeln

Im Schulhaus Dorf in Heiden darf auch der Hauswart Themen in die Schulversammlung einbringen. So befand er, dass die Sorgfalt und Ordnung in den WC-Anlagen sehr zu wünschen übrig lassen. Während der Versammlung stellten die Kinder selber Regeln auf und gestalteten Plakate dazu, die bei den Toilettenanlagen aufgehängt wurden. Das Problem konnte dadurch weitgehend gelöst werden.

5
Flüchtlingskinder

In Brüttisellen beschäftigt die Schüler der Umgang mit den Flüchtlingskindern aus Syrien, Irak und Afghanistan. Diese lernen in zwei separaten Klassen Deutsch. Schüler bemängeln, die Flüchtlingskinder würden gemein behandelt. Andererseits blieben sie häufig unter sich. Es brauche deshalb mehr Integration. Über konkrete Massnahmen, die man der Lehrerschaft vorlegen will, diskutiert nun die Vollversammlung.

«Wir gehen so lieber in die Schule»

Bei den Schülerinnen der sechsten Klasse in Heiden kommt die Möglichkeit der Mitbestimmung gut an. «Praktisch jedes Kind geht lieber an diese Schule, weil es mitbestimmen kann», schreiben die Schüler gemeinsam an 20 Minuten (siehe Interview).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vatervonzwei am 19.02.2019 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    mit eurem grauenvollen Lehrplan 21, züchtet ihr zukünftige Dumpfbacken heran.

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  • Dalibor am 19.02.2019 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Katastrophe!!!

    Kinder sollen die Regeln lernen und folgen und nicht die Regeln bestimmen. Woher sollen die wissen, was richtig ist und was falsch?

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  • besorgter bürger am 19.02.2019 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    die bildung geht bachab

    Wann lernen die kids überhaupt noch was, wen sie die ganze zeit diskutieren sollen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Soso am 20.02.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach genial

    Endlich wird in der Schule wieder fürs Leben gelernt und nicht fürs Zeugnis.

  • Tristan15 am 20.02.2019 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Autonome Erziehung

    Unsere Linken wollen seit Jahren eine autonome Erziehung! Die Kinder sollen selbst bestimmen, was sie tun dürfen. Ein Eingreifen der Erziehungsberechtigten soll bestraft werden. Das Resultat dieser Methode sehen wir in der späteren Gewaltszene. Mit der Flüchtlingswelle hat sich diese Gewaltschwelle noch weiter gesteigert.

    • Soso am 20.02.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Ahnung

      Keine Ahnung, welchen Artikel sie gelesen haben, um so zu argumentieren. Traurig, wenn man solche Angst vor unbekanntem haben muss. Es steht nichts von Bestrafung, ausserdem halte ich es für unwahrscheinlich, dass Schüler, die in der eigenen Schule ein wenig mitbestimmen dürfen, später Gewaltbereit sind, im Gegenteil, so lernt man schon früh, dass man sich in einer Demokratischen Gesellschaft auch mal der Mehrheit beugen muss. Trotzdem alles Gute

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  • a.arpagaus am 20.02.2019 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Dachschaden?

    Seit wann tragen Kinder in der Schule während dem Unterricht Kappen verkehrt herum.

    • Soso am 20.02.2019 11:25 Report Diesen Beitrag melden

      Wie bitte?

      Was hat das mit einem Dachschaden zu tun? Wir leben in einem freien Land, da kann ich meine Kappe tragen, wies mir passt. Sonst keine Probleme?

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  • .. am 20.02.2019 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was habt ihr auch

    Was habt ihr das war an meinee Schule vor 15 Jahren normal. 4x im Jahr trafen sich alle Schulsprecher der Schule und brachten Vorschläge welche zuvor mit der Köasse besprochen wurden. Vor dem Schülerrat stele man seinen vorschlag vor und zusammen mit der Schulleitung und 1-2 Lehrer wird eine Einigung getroffen. Wichtig zu Wissen Kinder in diesem alter sind oft auch streng und direckt. Besonders Kinder welche zum Schülerrat gehören.

  • Aufgepasst am 20.02.2019 03:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Indoktrination

    Vollversammlung? So werden die Mitgliederversammlung linker Gruppierungen und Parteien genannt. Hier stellt sich also die Frage, warum ausgerechnet dieser Name? Probiert hier etwa die Lehrerschaft, die Kinder auf ein kübftiges sozialistisches Leben vorzubereiten? Dies hat in einer Demokratie wie unserer keinen Platz!

    • bassbeat am 20.02.2019 07:07 Report Diesen Beitrag melden

      Die tägliche kleine Verschwörungstheorie

      Jetzt aber schnell den Alu-Hut aufsetzen! Und immer wieder frage ich mich...... "Kann man noch tiefer sinken?" Dann lese ich 200min. und erkenne: JA!

    • soso am 20.02.2019 11:26 Report Diesen Beitrag melden

      @bassbeat

      Danke. So seh ich das auch. Vollversammlung, weil ALLE daran teilnehmen. Denken ist Glückssache....

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