Kiffer-Konzept

24. März 2014 21:23; Akt: 24.03.2014 21:23 Print

Anbau von Drogenhanf soll Bergbauern retten

Ein Experte schlägt vor, den Anbau und Konsum von Cannabis zu legalisieren. Die Produktion sollen Bergbauern übernehmen.

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Hanf gedeiht auch in höheren Lagen prächtig. (Bild: Keystone/Olivier Maire)

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Bergbauern im Bergell, Unterengadin oder Verzascatal sollen im Auftrag des Staates jährlich rund 100 Tonnen Cannabis produzieren – und so die Nachfrage in der ganzen Schweiz abdecken. Das Cannabis würde dann unter strengen Auflagen über lizenzierte Abgabestellen an Volljährige verkauft, der Verkauf und die Weitergabe an Minderjährige würde bestraft. Ein solches Kiffer-Konzept schlägt Thomas Kessler, ehemaliger Drogenbeauftragter des Kantons Basel-Stadt, der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen vor. Das Gremium wird sich diese Woche an einer Tagung mit dem Bericht des Experten befassen.

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Soll die Schweiz Cannabis legalisieren?
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Drogenhanf als Rettung für strukturschwache Regionen? Für Kessler ist das keine abwegige Idee: «Weltweit gibt es einen Trend zur Regulation, weil man eingesehen hat, dass Prohibition mehr Schaden als Nutzen hat.» Er ist überzeugt, dass auch die Schweiz nicht darum herumkommen wird, die Abgabe und den Anbau von Cannabis zu regeln. «Der kleinzellige Anbau in den Berggebieten hätte den Vorteil, dass die Felder leichter zu schützen sind, während man im Mittelland hohe Zäune um die Felder ziehen müsste.» Zudem würde der Hanfanbau die wirtschaftliche Lage der Bergbauernbetriebe markant verbessern.

Lukratives Geschäft

Kessler schätzt, dass in einem regulierten Markt jährlich 100 Tonnen Cannabis im Wert von rund einer Milliarde Franken nachgefragt würden. Ein Grossteil der Erträge würde unter anderem für die AHV und IV, Prävention und Mehrwertsteuer an den Staat zurückfliessen. Den Bauern würden rund 100 Millionen Franken oder pro Betrieb bis zu 30000 Franken jährlich bleiben.

Der Agronom betont, dass der Hanfanbau in der Schweiz eine lange Tradition hat und bis in die 70er-Jahre Hanffaseranbau betrieben wurde. «Die Pflanze ist sehr robust.» Das Problem an der Prohibition sei, dass die illegale Produktion nicht kontrolliert werde. «Heute ist das Cannabis häufig mit Pestiziden oder sogar Schwermetallen belastet.»

«Bauern droht ein Image-Problem»

Beim Bauernverband gibt man sich laut «SonntagsZeitung» vorsichtig neugierig. Gemäss Thomas Jäggi vom Schweizer Bauernverband würden sich genügend interessierte Bauern finden, falls es eine gesetzliche Grundlage geben würde. Gabriel Ammann, Präsident der Oberwalliser Landwirtschaftskammer ist gegen eine Legalisierung. Auch er denkt aber, dass die Bauern die Nische besetzen würden. «Das ist eine rechtliche Frage. Aber wenn es eine Einkommensquelle gibt, wird der Bauer sicher nicht nein sagen.»

Skeptisch ist Bergbauer und BDP-Nationalrat Hansjörg Hassler: «Die Idee klingt zwar verlockend. Aber wenn Bergbauern den problematischen Cannabis-Konsum unterstützen, könnten sie sich ein Image-Problem einhandeln.» Die Bauern in den Berggebieten sollten sich stattdessen auf den Anbau von nachhaltigen, qualitativ hochwertigen Produkten konzentrieren. Die Diskussion, ob Bauern Drogenhanf anbauen dürfen, müsse man erst dann führen, wenn sich die Gesetze änderten.

Volk schmetterte Hanf-Initiative ab

2008 hatte das Schweizer Stimmvolk die Hanf-Legalisierung klar abgeschmettert. Spätestens seit Anfang Jahr der US-Bundesstaat Colorado Cannabis legalisiert hat, ist das Thema aber auch in der Schweiz wieder aktuell. Die eidgenössische Kommission für Drogenfragen lässt sich deshalb über verschiedene Regulierungsmodelle informieren. Laut Kommissionspräsident Toni Berthel will man gewappnet sein, um Bundesrat und Verwaltung fundiert beraten zu können.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tomislav am 24.03.2014 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Legalize it!!!

    Cannabis legalisieren, aber: Ab 18 nach einer Ausweiskontrolle. Nur an Menschen verkaufen die auch in der Schweiz leben und eine Aufenthaltsbewilligung haben. (Kein Drogentourismus) Mit einer akzeptablen Steuer (Damit der Staat auch profitiert) Nicht in unmittelbaren Nähe von Schulen, Spitäler, Psychiatrien etc. Darf nur von Bauern angepflanzt werden. Bekiffte sollen gleich behandelt werden wie Betrunkene (Damit meine ich z.B. Am Arbeitsplatz, beim Autofahren etc) Ist denn das so schwer dies umzusetzen?

    einklappen einklappen
  • Simon am 24.03.2014 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalize it!!!

    Kiffen ja jetzt schon alle.. also wenn es Legalisiert wird , müsste man wenigstens nicht immer schauen ob die Cops kommen :p

  • bauer am 24.03.2014 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bauer

    wenn dann bin ich mein eigener bauer :'D

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 25.03.2014 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee!

    Das wäre ja eine richtige Win Win Win Situation! Wir gewinnen, weil es legal wird, die Bauern gewinnen, weil wie Geld verdienen und der Staat gewinnt weil es mehr Steuereinnahmen gibt!

  • Kariny am 25.03.2014 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Jawohl!

    Besser Hanfbauern, als Milchbauern, die subventioniert werden müssen. Hanf ist Nachhaltig und man kann damit viele praktische, 100% abbaubare Ware schaffen. Kleider, Seile, Dämmplatten. Und halt für Tee, Tabletten etc. Würde es gut finden!

  • Jean Perr am 25.03.2014 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    AB 18 Ha Ha.....

    Und die die nicht +8 sind warten vor den Geschäften bis jemand kommt der alt genug ist um für sie Gras zu kaufen. Das hatten wir doch schon bei den Hanfläden.......

  • nheinz am 25.03.2014 00:58 Report Diesen Beitrag melden

    Hanf

    Ziat: "Die Bauern in den Berggebieten sollten sich stattdessen auf den Anbau von nachhaltigen, qualitativ hochwertigen Produkten konzentrieren" Zitat ENDE. Was gibt's für nachhaltigere, qualitativ hochwertigere Produkte, die sich auch verkaufen lassen wie frische Semmeln!

  • heidi gisi am 25.03.2014 00:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hanf vom Bauer? Das, macht mich sauer!

    Erst Asylheime in die Berge verlegen und dann nebenan Hanfplantagen anlegen. Jedem Bergbauer eine Käpslipistole zum Selbstschutz abgeben und viele,viele Sozialarbeiter, Psychiater, Ärzte sowie Polizisten ausbilden, um die Folgen des staatlich verordneten Kiffens aufzufangen. Dabei müsste der Staat alles Interesse an einem gesunden und gescheiten Nachwuchs haben. Und dafür sorgen, dass unsere Jugend gesunde Milch,Butter und Käse zu essen hat. Hergestellt von Bergbauern, die nicht um ihre Existenz kämpfen sollen. Wie "arm"dran muss ein Land denn sein, wenn es mit Kiffen noch reicher werden muss?