Leistungsdruck

01. November 2016 05:46; Akt: 01.11.2016 08:57 Print

Angestellte sollen schlafen statt ausgehen

von B. Zanni - In Firmen lernen Mitarbeiter vermehrt, wie wichtig der Schlaf ist. Vor allem junge Menschen würden übermüdet arbeiten gehen.

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Mitarbeiter mit grossen Augenringen sehen Arbeitgeber nicht gern. Mittlerweile bieten viele Firmen Kurse und Seminare rund um den Schlaf an. Die Teilnehmer lernen etwa, wie viele Stunden Schlaf gesund sind und wie man «abschalten» kann. Die Arbeitgeber hätten gemerkt, dass sie davon nur profitierten, sagt Katrin Uehli, Fachspezialistin Präventionsangebote bei der Unfallversicherung Suva. «Ihnen ist bewusst, dass Mitarbeiter, die genug schlafen, weniger Unfälle machen, seltener krank sind, bessere Qualität liefern und kundenfreundlicher sind.»

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Auch Schlafkliniken registrieren eine erhöhte Nachfrage. «Die Unternehmen wollen den Mitarbeitern bewusst machen, dass genügend Schlaf wichtig ist», sagt Eva Birrer, Schlafspezialistin in der Seeklinik Brunnen. Zu den Kunden würden Unternehmen von der Bau- bis zur Dienstleistungsbranche zählen.

Übermüdet zur Arbeit gehen

Laut den Fachpersonen kämpfen vor allem junge Menschen mit Schlafmangel. «Sie arbeiten lange und gehen dann noch in den Ausgang oder einem Hobby nach», sagt Birrer. Da sie kaum Freizeit hätten, würden sie diese in die Nacht ausdehnen und übermüdet zur Arbeit gehen. Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements sollen Arbeitnehmer darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie dies vermeiden sollten. «Die ständige Müdigkeit kann in einem Burn-out und Depressionen enden.»

Auch Daniel Hicklin, Leiter Gesundheitsförderung in der Klinik für Schlafmedizin, stellt fest, dass viele Menschen die Ruhestunden reduzieren. «Sie packen eine Vielzahl an beruflichen und privaten Aktivitäten in ihre Freizeit.»


Sind Sie übermüdet oder haben Sie sonstige Schlafprobleme wegen der Arbeit? Dann melden Sie sich hier:


Hellwach in der Nacht

Oft könnten sich Mitarbeiter vom Job auch nicht abgrenzen, sagt Birrer. «Viele geraten in einen Teufelskreis.» Eine Angestellte für ein Projekt habe nach etlichen Überstunden nicht mehr einschlafen können. Hicklin berichtet, dass Ein- und Durchschlafprobleme oft mit Weiterarbeiten zu Hause und Einschlafen auf dem Sofa begännen. «Sobald die Betroffenen aber im Bett sind, setzen sie sich mit Schlafen derart unter Druck, dass sie hellwach sind.»

Die Versicherung Axa Winterthur bietet Seminare zum Thema Stress und Schlaf an. Die ständige Erreichbarkeit sei ein Schlaf-Killer, sagt Esther Graf, Fachverantwortliche Betriebliches Gesundheitsmanagement. «Die Arbeitnehmer lernen auch, mit den digitalen Medien vernünftig umzugehen und sich abzugrenzen.»

«Das ist paradox»

Pepo Hofstetter, Sprecher der Gewerkschaft Unia, kritisiert die Kurse. Diese seien reine Symptombekämpfung. «Es ist doch paradox, wenn Unternehmen immer mehr Leistung fordern und gleichzeitig verlangen, dass sie genug schlafen.»

Der Schweizerische Arbeitgeberverband verteidigt die Kurse. Laut Sprecher Fredy Greuter sind die Arbeitgeber dafür zuständig, dass die Arbeit risikofrei ausgeführt werden kann und der Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden gesichert ist. Weitere Gesundheitsvorsorge sei keine Pflicht. Die Arbeitnehmer könnten von solchen Kursen nur profitieren. «Auch tragen diese zu einem guten Ruf bei der Firma bei.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Mann am 01.11.2016 06:58 Report Diesen Beitrag melden

    Lebende Roboter

    Wenn es nach heutigen Firmen geht, soll der Arbeiter Abends komplett kaputt, nur noch ins Bett, nächsten Tag wieder 100% durcharbeiten, Abends wieder komplett kaputt. So dass man am Weekend auch nicht mehr Lust hat was zu unternehmen und Montags wieder 100% geben. Auspressen bis zum Umfallen und das wenig verdiente, für Steuern, KK und überteuerte Lebensmittel ausgeben. So läuft der Hase. Klar das man unter der Woche nicht Party machen sollte, aber ab und zu noch etwas Sport oder etwa Essen gehen für den Ausgleich ist nicht ganz verkehrt oder?

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  • Roland am 01.11.2016 07:13 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Stunden bei der Arbeit....

    ...mehr Zeit für Freizeit und Schlaf. Wieso wird von den Arbeitgebern nicht dieser Ansatz befördert?

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  • Kurt am 01.11.2016 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Der Arbeitgeber fördert Stress und

    fordert Schlafkurse, damit ihr mehr leistet. Die Arbeitgeber greifen in eure Freizeit ein!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hildi am 02.11.2016 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    Krank, wenn ich arbeite

    Meine Schwester arbeitet in der Gastro 12-Stundenschichten, weil das dort so gehandhabt wird. Sie ist nicht mehr die Jüngste und hat mittlerweile fast immer Körperschmerzen und andere Beschwerden, schläft deshalb sehr schlecht, muss um 5.00 Uhr raus. Komischerweise spührt sie von all dem fast nichts, wenn sie weg im Urlaub ist. Eigentlich sind unsere Wirtschaft und die Arbeitsverhältnisse wohl sehr stark mitverantwortlich für kranke Menschen und die hohen Krankenkassenprämien.

  • Steff R. am 02.11.2016 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ich schlafe gut

    Arbeiten ist ja schön und gut. Doch ich bin mit meinem Arbeitgeber weder verheiratet, verschwägert oder sonst wie verbunden. Ich habe damals ein Stück Papier unterschrieben, mehr nicht. Ist meine Arbeit getan, ist das Handy off, und danach bestimme ICH was läuft. Das Geschäft interessiert mich dann nicht. Passt das einer Bude nicht, bitte sehr, Ihr könnt Euch gerne einen neuen Sklaven suchen, der Arbeitsmarkt ist ja gu gesättigt. Nur ob das selbe Know How an Bord kommt, bezweifle ich. Wenn doch, hat es seinen Preis...

  • schreiber am 02.11.2016 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verdorbene Gesellschaft

    Kein Wunder dass die meisten Leute in der Schweiz nicht glücklich sind wenn das Leben nur aus Arbeit besteht! Irgendwie scheint alles sinnlos zu sein wenn man nur arbeitet um die Miete und Krankenkasse zu zahlen. Hier dreht sich alles nur ums Materielle. Auf menschliche Werte wird überhaupt nicht geachtet!

  • W.Achsam am 02.11.2016 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    System erhält sich am Leben

    Ich denke jeder 4 Arbeitnehmer hier in der Schweiz nimmt Psychopharmake um das Leben hier zu bestreiten. In Amerika ist es jeder 2te. Sah einen Dok Film aus den USA. Dieses System wurde in Amerika seit den 60 er Jahren geplant und zu Beginn des Neoliberalismus in den 70er umgesetzt. Nicht nur die Pharmariesen verdienen somit viel viel Geld, einerseits um die Depressions - & oder Burnoutgeschädigten mit Medikamente zu versorgen die wiederum Medikamente benötigen um die Nebenwirkungen in Schach zu halten. Sondern diese machen auch gefügig.Bald laufen wir alle rum wie Zombies.

  • David Berger am 02.11.2016 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit

    Herrje.. Ich (29) wünschte ich würde wenigstens eine Chance kriegen so arbeiten zu können. Habe Geschichte und Geographie auf Masterstufe sowie Lehramt Sek. II studiert. Keine Chance auf einen Job... und das seit 2 Jahren. Ihr jammeris, seit froh könnt ihr arbeiten

    • Hildi am 02.11.2016 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      Gastronomie

      Geh mal vorübergehend in die Gastronomie, dort bevorzugen sie öfters Studenten. Ich, KV, ü50 mit Gastroerfahrung bin denen zu alt.

    • ChickenPie am 02.11.2016 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      @David Berger

      Selber jammeri. Wenn man halt etwas lernt das niemand braucht, so muss man sich nicht wundern wenn man nichts findet. Wahrscheinlich haben Sie auch noch exorbitante Lohnvorstellungen und jede Menge Extrawünsche. Wenn jemand den Master macht, so wie Sie, sollte er eigentlich in der Lage sein einen Job zu finden (vor allem nach zwei Jahren!). Die meisten "jammeris" die hier über zu viel Arbeit klagen, arbeiten nämlich so viel weil es sonst einfach nicht reicht. Ihr Kommentar ist ja der blanke Hohne gegenüber denen. So, habe fertig!

    • David Berger am 02.11.2016 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ChickenPie

      5000 Brutto und ich wäre zufrieden, von wegen exorbitant...

    • ChickenPie am 02.11.2016 18:19 Report Diesen Beitrag melden

      @David Berger

      5000? Ok, das ist wirklich moderat. Dennoch würde ich die sog. "Workingpoors" nicht als Jammeris abstempeln.

    • SchockiertEr am 02.11.2016 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @David Berger

      Hallo? Überall herrscht Lehrermangel und es gibt arbeitslose Lehrer? Der Arbeitsmarkt ist nur noch pervers.

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