Spitalfinanzierung

30. Mai 2011 16:28; Akt: 30.05.2011 16:38 Print

Angriff auf die Fallpauschalen

Einführung der neuen Spitalfinanzierung sorgt für Wirbel in Bern. Linke und Ärzte wollen nun die Fallpauschalen verschieben.

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Eine Allianz aus Ärzteschaft und linksgrünen Politikerinnen will die Einführung der neuen Spitalfinanzierung verschieben. Weil noch zu viele Fragen offen seien, solle diese nicht bereits auf Anfang 2012 gelten. In der Sommersession sind entsprechende Anträge geplant.

Die Allianz sorgt sich insbesondere über die Einführung der Fallpauschalen. Ab 2012 sollen die Spitäler im stationären Bereich nicht mehr die effektiven Behandlungskosten vergütet bekommen, sondern eine festgelegte Pauschale, die von der Diagnose und dem Standort des Spitals abhängt.

Wegen der Pauschalen werde es viel Druck auf Patienten und Spitalpersonal geben, sagte Reto Krapf, Chefarzt der Medizinischen Universitätsklinik Bruderholz in Basel, am Montag vor den Medien in Bern. Auch würden Anreize geschaffen, wirtschaftlich attraktive Diagnosen zu stellen.

Während der Sommersession der Eidgenössischen Räte wollen darum die Nationalrätinnen Yvonne Gilli (Grüne/SG), Christine Goll (SP/ZH) und Katharina Prelicz-Huber (Grüne/ZH) mit Anträgen versuchen, ein Moratorium für die neue Spitalfinanzierung zu erreichen - oder zumindest einige Begleitmassnahmen bei einer Einführung ab 2012.

Prelicz-Huber, die auch den Verband des Personals öffentlicher Dienste (vpod) präsidiert, zeigte sich zuversichtlich, Lösungen finden zu können, bei denen «niemand das Gesicht verliert». Goll sagte, auch im bürgerlichen Lager sei kaum jemandem wohl mit der neuen Spitalfinanzierung - das zeige der Versuch, die Prämien und Spitaltarife per Dringlichkeitsrecht einzufrieren.

Ein möglicher Weg wäre gemäss Goll, vorerst nur die häufigsten geplanten Operationen über Fallpauschalen abzurechnen. Begleitende Forschung solle die Auswirkungen aufzeigen. Vor der definitiven Einführung der Fallpauschalen müssten aber auf jeden Fall die Anstellungsbedingungen des Spitalpersonals gesichert werden.

FMH gegen Moratorium

Der ärztliche Ruf nach einem Moratorium entspricht allerdings nicht der offiziellen Position der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH). Zwar zeigt sich diese ebenfalls kritisch gegenüber den Fallpauschalen und verlangt deshalb national einheitliche «Übergangsregelungen» während mindestens dreier Jahre.

Die Übergangsregelungen sollten verhindern, dass «gut arbeitende Spitäler Verluste schreiben, nur weil ihr Behandlungsspektrum im Fallpauschalensystem noch nicht genügend abgebildet ist», teilte die FMH am Montag mit. Die Spitäler benötigten finanzielle Garantien.

«Das Fallpauschalensystem hat sieben Monate vor der Einführung nach wie vor Mängel», schreibt die FMH weiter. So gebe es offene Fragen bei den Weiterbildungskosten von Ärztinnen und Ärzten oder beim Patienten-Datenschutz. Auch sei die Begleitforschung noch nicht glaubwürdig sichergestellt.

Weiter verlangt auch die FMH die Sicherung der Arbeitsbedingungen und der Personalbestände, bevor die Fallpauschalen definitiv eingeführt werden. Ein Moratorium hatten die Delegierten der FMH- Ärztekammer vergangene Woche aber abgelehnt.

Der Verband der Schweizer Spitäler H hatte seinerseits am letzten Freitag bekannt gegeben, die Spitäler seien bereit, die neue Spitalfinanzierung anzuwenden.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fuchs Patric am 05.06.2011 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Verschiebung bringt nichts!

    Eine Verschiebung der Einführung der Fallkostenpauschale wird wenig bringen. Seit Jahren ist bekannt, dass auf den 1.1.2012 das neue Finanzierungssystem eingeführt wird. Viele Spitäler haben sich entsprechend vorbereitet und investiert. Und einige Spitäler haben bis heute nichts gemacht - was schlichtwegs fahrlässig ist. Und ob diese Spitäler nun beteit sind, sich mit den Fallkostenpauschale auseinander zu setzen ist fraglich. Darum ist eine Verschiebung keine Alternative.

  • D.H. am 31.05.2011 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarzpeter-Spiel und mehr

    Tönt theoretisch gut, ist aber in der Praxis ein Schwarzpeterspiel zwischen den Kantonen, Spitälern und Kassen auf dem Buckel der Patienten und des Personals mit zahlreichen Zielkonflikten und ungelösten Problemen. Ein nicht zu Ende gedachter Schnelllschuss! Der Gipfel, offenbar wird auch noch der Datenschutz im Interesse des Patienten ausgehebelt. Legitime Interessen sollen der Betriebswirtschaftund erst noch mit offenem Ausgang und dauerndem Clinch und Stress geopfert werden. Juristische Folgen sind absehbar. Da gibt es nur eine Antwort: Zurück an die Absender!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fuchs Patric am 05.06.2011 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Verschiebung bringt nichts!

    Eine Verschiebung der Einführung der Fallkostenpauschale wird wenig bringen. Seit Jahren ist bekannt, dass auf den 1.1.2012 das neue Finanzierungssystem eingeführt wird. Viele Spitäler haben sich entsprechend vorbereitet und investiert. Und einige Spitäler haben bis heute nichts gemacht - was schlichtwegs fahrlässig ist. Und ob diese Spitäler nun beteit sind, sich mit den Fallkostenpauschale auseinander zu setzen ist fraglich. Darum ist eine Verschiebung keine Alternative.

  • D.H. am 31.05.2011 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarzpeter-Spiel und mehr

    Tönt theoretisch gut, ist aber in der Praxis ein Schwarzpeterspiel zwischen den Kantonen, Spitälern und Kassen auf dem Buckel der Patienten und des Personals mit zahlreichen Zielkonflikten und ungelösten Problemen. Ein nicht zu Ende gedachter Schnelllschuss! Der Gipfel, offenbar wird auch noch der Datenschutz im Interesse des Patienten ausgehebelt. Legitime Interessen sollen der Betriebswirtschaftund erst noch mit offenem Ausgang und dauerndem Clinch und Stress geopfert werden. Juristische Folgen sind absehbar. Da gibt es nur eine Antwort: Zurück an die Absender!