50 Prozent mehr Fälle

05. März 2014 06:03; Akt: 05.03.2014 08:53 Print

Angst vor härteren Strafen führt zu mehr Fahrerflucht

Der Anteil von Unfällen mit Fahrerflucht ist in der Schweiz deutlich gestiegen. Ein möglicher Grund ist laut Experten die Furcht der Autofahrer vor härteren Gesetzen.

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Bei diesem Unfall in Eggersriet SG ergriff ein Autofahrer (19) die Flucht, nachdem er einen Velofahrer tödlich verletzt hatte. (Bild: Kantonspolizei St. Gallen)

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Den aktuellsten Fall vermeldet die Kantonspolizei Bern: In Walperswil streifte am Montagabend ein Auto beim Überholen ein anderes Fahrzeug – der Unbekannte fuhr einfach weiter. Solche Fälle nehmen zu, wie Zahlen des Bundesamts für Strassen zeigen.

Im Jahr 2012 entfernten sich bei 28 Prozent der 36'023 Unfälle ohne Personenschaden Beteiligte, ohne sich um den Schaden zu kümmern. 2004 lag der Anteil erst bei 26 Prozent. Eine weit deutlichere Zunahme zeigt sich bei Unfällen, bei denen Personen verletzt oder getötet wurden: In 6 Prozent der 18'148 Unfälle mit Personenschaden kam es zu Fahrerflucht – gegenüber 4 Prozent im Jahr 2004. Dies entspricht einem Anstieg um 50 Prozent. In absoluten Zahlen haben die Fälle nur abgenommen, weil die Gesamtzahl der Unfälle sank.

Angst vor Strafe oder Führerscheinverlust

Uwe Ewert, Verkehrspsychologe bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung, sagt: «Für Fahrerflucht kann es verschiedene Gründe geben: Panik, Alkohol, Angst vor Strafe oder Verlust des Fahrausweises.» Daten darüber, aus welchen Gründen Personen in der Schweiz Fahrerflucht begehen und aus welchen Altersgruppen sie mehrheitlich stammen, gebe es nicht. «Die internationale Forschung zeigt aber, dass es sich häufiger um Männer und eher nicht um ältere Personen handelt», so Ewert.

Stefan Krähenbühl, Sprecher der Stiftung Road Cross, glaubt, dass die harten Konsequenzen Lenker bei einem Unfall zur Flucht bewegen können. Gerade Junglenker, die den Führerschein erst auf Probe besitzen, hätten einiges zu befürchten, wenn sie in einen Unfall verwickelt werden: «Je nach Schwere des Verschuldens und des Unfalls sind sie den Führerschein schnell für mehrere Monate los, in schwereren Fällen müssen sie den Führerschein noch einmal erwerben, was für sie auch schmerzhafte finanzielle Folgen hat», so Krähenbühl.

Fahrerflucht verstärkt Leiden der Opfer

Zudem würden Junge tendenziell stärker als ältere Lenker zu irrationalem Verhalten neigen. «Das könnte dazu führen, dass sie auch eher Fahrerflucht begehen.»

Selbst wenn die Gesetzesverschärfungen dazu führen würden, dass es zu mehr Fällen von Fahrerflucht komme, seien diese dadurch aber nicht in Frage gestellt, findet Krähenbühl: «Wichtiger ist die abschreckende Wirkung, die verhindert, dass ein Unfall überhaupt passiert.» Aus Sicht der Opfer sei Fahrerflucht jedoch schlimm: «Sie erschwert es, das Geschehene zu verarbeiten und verstärkt dadurch das Leiden der Unfallopfer.»

(lüs/saw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Toni Lauber am 05.03.2014 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Lügen haben lange Beine

    Wir haben uns eben eine Gesellschaft gebildet, bei der man besser fährt wenn man lügt, als die Wahrheit zu sagen, die ehrlichen scheinen immer die Verlierer zu sein.

  • kritix am 05.03.2014 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und es wird noch schlimmer!

    Steigende Fahrerfluchtvorfälle sind eine ganz schlimme Entwicklung. Die permanente Angst vor Repression, einem sozialen und finanziellen Ruin durch unverhältnismässige Bestrafung im Strassenverkehr, und der damit verbundene Stress führen wohl bei charakterschwachen Personen zu solch gleichgültigem Verhalten. Erkennen kann das heute jeder im ganz normalen Strassenverkehr - Diese Aggression wie wir sie zur Zeit haben, gabs vor 10 Jahren noch nicht. Und Es Wird Noch VIEL Schlimmer!

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  • Nick Wilo am 05.03.2014 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist doch logisch

    In der Schweiz muss bei jedem kleinen Unfall direkt jemand gebüsst oder der Ausweis entzogen werden. Nichtbeherrschen des Fahrzeuges wirds dann genannt wenn den Behörden nichts anderes einfällt. Auf der Strasse muss man wie ein 100% fehlerfreier Computer funktionieren, diese entwicklung finde ich entsprechend auch wenig hilfreich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • V. ignette am 06.03.2014 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erklärung

    Soll mir mal einer erklären, weshalb mit Fr. 200.- gebüsst wird, wenn man noch nicht die aktuelle vignette kleben hat. Ah nein danke, brauche keine Erklärung...;-)

  • francis am 06.03.2014 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probleme

    wenn ich die weltentwicklung anschaue Klagen die Milchkühe der Strasse auf hohem Niveau ...

  • e.m. am 06.03.2014 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    aber hallo !

    Fahrerflucht ist nicht ok. kein zweifel. warum dann aber autofahrer so hart bestraft werden und im gegenzug andere gesetztesbrecher mit samthandschuhen angefasst werden kann ich beim besten willen nicht verstehen.

  • Faherer am 06.03.2014 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnise wahren

    Bei einem selbst Unfall wo niemand verletzt wurde kann man mit der Strafe, wenn überhaupt, auch einmal ein Auge zudrücken. Fahrerflucht und solche die an einem Unfall einfach davon fahren ohne Hilfe zu Leisten oder als Zeuge zu fungieren gehören erst recht bestraft. Den Ausweis zu entziehen ist nicht immer angebracht aber es scheint Mode zu sein. Die richtigen Verbrecher werden aber noch belohnt.

  • kleenex am 06.03.2014 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Autofahrer sind Luftverpester!

    Wie rege ich mich als Fussgänger auf über rücksichtlose Autofahrer auf dem Fussgängerstreifen, über einhändig fahrende Autofahrer (andere Hand am Handy), über bei laufendem Motor auf dem Trottoir parkierende, handytelefonierende Autofahrer, über rasende Autofahrer...etc etc etc. Deshalb: Milchkühe...sicher nicht!