Kinder, Kinder

02. März 2015 05:54; Akt: 02.03.2015 08:19 Print

Anspruchsvolle Eltern lassen Lehrer verzweifeln

Die Beratungen von Lehrern im Kanton Luzern sind sprunghaft angestiegen – auch wegen schwieriger Eltern. Im Extremfall wird gar der Anwalt eingeschaltet.

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Eltern, die für gute Noten ihrer Kinder auch den Anwalt einschalten, bringen viele Lehrer an ihre Grenzen. (Bild: Sigrid Olsson)

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277 Lehrer haben im Jahr 2014 Hilfe bei der Beratungsstelle der Luzerner Dienststelle für Volksschulbildung gesucht. Das sind 50 Beratungen mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie. Im Vergleich zum Jahr 2011 sind es gar 35 Prozent mehr. Eines der zentralen Themen der ratsuchenden Lehrer sind Probleme mit Eltern. Es geht um Mütter und Väter, die bei Konflikten oder Leistungsdefiziten ihrer Sprösslinge die Schuld beim Lehrer suchen, anstatt den eigenen Nachwuchs in die Pflicht zu nehmen.

«Die Bandbreite der Probleme nimmt zu, weil Eltern sich uneinsichtig zeigen», bestätigt Olivier Prince, Rektor an der Volksschule Ebikon LU zur «Zentralschweiz am Sonntag». Eltern würden sich immer häufiger einschalten, wenn Schüler ungenügende Noten schreiben. Laut Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, werde im Extremfall schon nach der zweiten ungenügenden Note mit dem Anwalt gedroht.

«Lehrer leiden unter diesen zermürbenden Situationen»

Dies bestätigen auch Lehrerverbände anderer Kantone. Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV), hatte selbst im vergangenen Jahr Knatsch mit Eltern wegen Noten. «Im Nachhinein wurde eine Lösung gefunden», so Lätzsch. Dass Eltern versuchten, Druck auf Lehrer auszuüben, komme aber immer wieder vor. Lätzsch: «Es geht um Laufbahnentscheide und die Eltern wollen nur das Beste für ihr Kind.»

Von «zermürbenden Situationen, unter denen Lehrer stark leiden», spricht auch Martin Gatti, Präsident Lehrerinnen und Lehrer Bern. «Wir haben vor zwei Jahren darauf reagiert, weil bei einzelnen Laufbahnentscheiden die Konflikte so gross waren.» Wenn sich Lehrer und Eltern über die Einstufung des Schülers nicht einig werden, können Kinder nun an einer zentralen Stelle eine Übertrittsprüfung absolvieren. Diese Prüfung sei letztes Jahr zum ersten Mal durchgeführt worden. «Sie ist ein sehr gutes Mittel gegen schwierige Eltern», sagt Gatti.

Entwicklung am Arbeitsmarkt bereitet Eltern Sorge

Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrer-Verbands bestätigt, dass Eltern immer extremere Forderungen und Vorstellungen haben. In seltenen Fällen würden dazu auch Anwälte eingeschaltet. Für sie ist klar: Die Eltern sorgen sich mehr um die Leistungen der Kinder als früher, weil die Anforderungen gestiegen sind. «Viele Berufe, die nicht so eine hohe Bildung verlangen, sind in den letzten Jahren weggefallen», sagt sie. Weil die Zusammenarbeit mit den Eltern schwieriger sei als früher, nehme man dies bereits in der Ausbildung auf und bereite die künftigen Lehrer darauf vor.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nicht-Lehrer am 01.03.2015 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunt mich nicht!

    Das erstaunt mich ÜBERHAUPT nicht: Eltern, die ihre Kinder täglich mit dem Auto zur Schule chauffieren und dabei noch gerade die Gelegenheit nutzen, den Lehrern zu erklären, was sie alles richtig machen sollen. Ich wäre als Lehrer, ehrlich gesagt, mit den Nerven auch ziemlich am Limit!

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  • Lars am 01.03.2015 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    verkehrte Welt

    Ich kenne einige Lehrer und die bestätigen das! Mit den Kindern haben sie keine Probleme, aber mit den Eltern. Wieso? Weil diese nicht akzeptieren wollen, dass ihr Kind vielleicht doch nicht so superintelligent und/oder brav ist, wie sie immer meinen. Wenn sich ein Kind früher bei den Eltern über den Lehrer beschwerte, gabs von den Eltern gleich nochmals einen Zusammenschiss. Heute verteidigen die Eltern ihre Prinzen und Prinzessinnen immer gegen die Lehrer. Kein Wunder will niemand mehr Lehrer werden!

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  • Fleur am 01.03.2015 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mini Meinig

    Erziehung ist Sache der Eltern, nicht der Lehrer. Wer die Verantwortung für ein Kind nicht tragen will, sollte keines machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R. S. am 03.03.2015 00:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann da nur sagen

    Lehrer haben diese Kinder nur eine begrenzte Zeit, aber Eltern haben ihre Kinder Lebenslänglich. Und wenn Eltern ihre Kinder nicht erziehen, erziehen Kinder ihre Eltern und die sind dann die Diener ihrer Kinder. Im schlimmsten Fall haben dann die Eltern Angst vor den eigenen Kindern. Also liebe Lehrer nur Mut, es geht alles vorüber und alles vorbei auch schwierige Eltern.

  • Frau Meier am 02.03.2015 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau Müller muss weg!

    Filmtipp zur Thematik: "Frau Müller muss weg!" Köstliches Beispiel von Eltern, die zu wissen glauben, wie es in der Schule laufen soll.

  • Tina am 02.03.2015 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider

    Es gibt sehr gute wie auch sehr schlechte Lehrer. Meine Eltern hatten sich nie für mich bei den Schlechten Lehrern beschwert. Ich war es, die bezahlte. Da tu ich meinen Kindern nicht an. Ich will für sie gute und nicht schädigende Lehrer.

  • Mia am 02.03.2015 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Perfekt

    Meine Kinder sind nicht perfekt Ihre Lehrerinnen sind nicht perfekt Ich bin nicht perfekt Na und? Unser Ältester lernt ein Handwerk - es passt - ist doch perfekt Oder?

  • Nadja am 02.03.2015 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder sind Privatsache

    Wir brauchen in diesem Land kein einziges Kind mehr. Jeden Tag kommen 300 Leute neu in die Schweiz. Wer Kinder will, soll selber für sie bezahlen. Deshalb muss man die öffentlichen Schulen abschaffen. Ich sehe als Steuerzahler nicht mehr ein, weshalb ich ständig immer mehr Steuern für immer mehr Leute bezahlen soll, die den Job der Eltern machen. Viele Eltern sind zu blöd oder zu faul, sich um ihre Kinder zu kümmern und die Kinder entsprechend nicht zu unterrichten. Es ist einfach unglaublich, welcher Aufwand, finanziell und personell für ein Kind betrieben wird: Nachhilfe da, Therapie dort.