Mord in Genf

16. September 2013 21:37; Akt: 16.09.2013 21:56 Print

Anthamatten soll Tötung gestanden haben

Am Sonntag wurde er in Polen verhaftet, heute Montag wurde Fabrice Anthamatten (39) der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Gegenüber der Polizei soll er die Tötung von Adeline M. gestanden haben.

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Einen Tag nach seiner Veerhaftung wird Fabrice Anthamatten dem polnischen Staatsanwalt vorgeführt. Gegenüber der Polizei soll er die Tötung von Adeline M. gestanden haben. «Er hat sich bei unseren Beamten für seine schreckliche Tat im Waldstück bei Genf entschuldigt», sagt der Chef der Deutschen Bundespolizei, Dieter Romann, über den zweifachen Vergewaltiger zur «Tagesschau».

Offenbar suchte er in Polen nach einer ehemaligen Therapeutin. Die Schweiz hat ein Auslieferungsgesuch gestellt. Da sowohl Polen als auch die Schweiz das europäische Auslieferungsübereinkommen des Europarates unterzeichnet haben, sind die Spielregeln klar.

«Erfahrungsgemäss ist die Zusammenarbeit mit Polen gut», sagte Folco Galli, Sprecher des Bundesamtes für Justiz, auf Anfrage. Gemäss Übereinkommen muss das Ersuchen schriftlich abgefasst und auf diplomatischem Weg innert 18 Tagen nach Verhaftung des mutmasslichen Täters in Polen eintreffen.

Die Frist ist in begründeten Fällen auf 40 Tage verlängerbar, wie Galli weiter erklärte. Das Auslieferungsverfahren im Ausland richtet sich nach dem jeweiligen Landesrecht. Wie lange das Auslieferungsverfahren schliesslich dauere, sei insbesondere vom Verhalten der inhaftierten Person abhängig. Ergreife diese die möglichen polnischen Rechtsmittel, so verlängere sich das Verfahren.

Die polnischen Behörden rechnen mit einer Dauer von drei bis vier Monaten, wie der polnische Konsul Marek Wieruszewski erklärte. Auch er verweist auf die noch unbekannte Taktik des Häftlings. Stimme dieser allerdings einer Auslieferung zu, so verkürze sich das Verfahren nur wenig.

Bezirksgericht von Stettin entscheidet

Über die Auslieferung entscheidet das Bezirksgericht von Stettin. Der mutmassliche Mörder, der wegen zwei Vergewaltigungen zu insgesamt 20 Jahren Haft verurteilt worden war, sitzt nun dort im Gefängnis. Der Mann werde derzeit von der Staatsanwaltschaft befragt, sagte deren Sprecherin Malgorzata Wojciechowicz der Nachrichtenagentur afp.

Der verurteilte Vergewaltiger war am Donnerstag bei seinem Freigang geflohen. Die Leiche seiner Therapeutin Adeline M., die ihn begleitete, wurde am Abend in einem Wald gefunden. Anthamattens Flucht endete am Sonntag an der deutsch-polnischen Grenze. Warum er dorthin wollte, ist unklar. Laut dem polnischen TV-Sender TVP wollte er zu seiner ehemaligen Therapeutin, die in Polen lebt.

Verhaftung war «kein Zufall»

Die deutsche Polizei hatte Hinweise darauf, dass der mutmassliche Mörder der Genfer Sozialtherapeutin in Richtung deutsch-polnischer Grenze unterwegs sein könnte. «Es war kein Zufall», erklärte eine Polizeisprecherin.

Aufgrund der Hinweise, aber auch der Informationen von Interpol seien die örtlichen Einsatzkräfte alarmiert gewesen. Sie hätten das Auto des Flüchtigen denn auch im Normalverkehr erkannt und seien diesem bis in die polnische Ortschaft Kolbaskowo gefolgt, erklärte Manina Puck von der Bundespolizeiinspektion Pasewalk weiter.

«Es war keine Verfolgungsjagd, sondern eine reguläre Verfolgungsfahrt in normaler Geschwindigkeit», sagt sie gegenüber Tages-Anzeiger.ch. In Kolbaskowo hätten die Beamten den Citroën angehalten und den Flüchtigen festgehalten, bis die polnischen Kollegen ihn dann festgenommen hätten. Der Mann habe keinen Widerstand geleistet und auch erklärt, dass sich die Tatwaffe in seinem Rucksack befinde.

(lüs/sda)