Letzte Chance an Uni

21. März 2014 08:47; Akt: 21.03.2014 09:23 Print

Anti-Schreibstau-Kurse für Lizentiatsmuffel

Sie gehören zu einer aussterbenden Gattung: Bis im Oktober müssen Liz-Studenten ihre Abschlussarbeit abgeben. Auch studierende Parlamentarier stehen deshalb unter Zeitdruck.

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«Ihr Leiden hat nun ein Ende», schreibt die Universität Zürich in einem Newsletter an die Studenten, die noch im Lizentiatssystem eingeschrieben sind. Sie müssen sich bis im Herbst für ihren Studienabschluss anmelden und bis dahin alle Arbeiten einreichen. Seit 2006 ist eine Einschreibung fürs Liz-Studium nicht mehr möglich. Seither gilt an Schweizer Universitäten das sogenannte Bologna-System mit Bachelor- und Master-Stufe.

Doch es gibt sie noch, die Überbleibsel des Liz-Systems. Während die Studierenden an den meisten Schweizer Unis bereits ausnahmslos im Bologna-System studieren, gibt es an der Uni Zürich noch rund 1100 Liz-Studierende. Damit diese Langzeit-Studis doch noch zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, bietet ihnen die Uni Zürich Unterstützung an.

Unter dem Titel «Abgeben statt aufgeben» und «Gemeinsam gehts leichter» bietet sie verschiedene Workshops und Arbeitsgruppen an, die den Studenten dabei helfen sollen, einen allfälligen Schreibstau beim Verfassen ihrer Abschlussarbeit zu überwinden.

Die Kurse seien für Studierende gedacht, die sich beim Schreiben schwertäten oder unter Leistungsstress litten, sagt Uni-Sprecherin Nathalie Huber. Den Teilnehmern soll die Möglichkeit geboten werden, sich über ihre Probleme auszutauschen, sagt Schreibberaterin Alba Polo gegenüber der Uni-Zeitschrift «UZH News». Es gehe darum, alle Befürchtungen offenzulegen. Auch die Arbeitsorganisation und der richtige Einsatz von Pausen kommen zur Sprache.

«Weiss nicht, ob ich das unter einen Hut bringe»

Laut Nathalie Huber richten sich die Angebote an alle immatrikulierten Studenten, die sich am Ende ihres Lizentiatsstudiums befinden und die Liz-Arbeit noch nicht abgegeben haben. Dazu gehören auch die Nationalräte Cédric Wermuth und Balthasar Glättli. Sie versuchen seit Jahren, Politik, Beruf und Studium unter einen Hut zu bringen. Jetzt gilt es auch für sie ernst: Wollen sie einen Uni-Abschluss, müssen sie kräftig in die Tasten hauen. Denn die Deadline für die Einreichung ihrer Abschlussarbeiten ist im Oktober 2014.

«Ob es mir noch gelingt, meine Ämter mit den zeitlichen Erfordernissen des Studiums rechtzeitig unter einen Hut zu bringen, kann ich noch nicht sagen», sagt Balthasar Glättli (Grüne). Er studiert Philosophie, Linguistik und Neuere deutsche Literatur an der Universität Zürich. Daneben betreibt er mit Politbüro eine Einmann-Firma für Internetkampagnen. Sein Engagement als Nationalrat und die Zusatzbelastung als Fraktionspräsident stellten ihn vor eine grosse Herausforderung, so Glättli.

«Studium nicht abzuschliessen wäre dumm»

Optimistischer gibt sich SP-Nationalrat Cédric Wermuth: «Es ist mein Zeitplan, bis im Herbst meine Liz-Arbeit einzureichen.» Er studiert Politikwissenschaften, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Philosophie an der Universität Zürich. Wermuth ist überzeugt, dass er sein Studium rechzeitig abschliessen wird: «Es reicht.»

Für den früheren Juso-Präsidenten wäre es «dumm, nicht abzuschliessen». Als Nationalrat könne er alle vier Jahre abgewählt werden und irgendwann müsse er ja dann auch wieder zurücktreten: «Dann ohne Abschluss dazustehen ist brandgefährlich.»

«Jetzt ist es nur noch eine Fleissfrage»

Ein Kurs gegen Schreibstau ist für Cédric Wermuth kein Thema. Allerdings besuche er wie alle anderen das obligatorische Liz-Kolloquium. Er habe die Fragestellung und den Datensatz für seine Liz-Arbeit mit dem Titel «Das Kräfteverhältnis von kommunalen Exekutiven und Legislativen in der Schweiz» bereits zusammen: «Jetzt ist es nur noch eine Fleissfrage, das Ding niederzuschreiben.»

(cbe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.Ensch am 21.03.2014 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Chance für Einstein.

    Jetzt beginnt definitiv die Zeit der Hobbyintellektualität. Das anerkannt schlechte, weil nur auf das Sammeln von Punkten ausgerichtete Master-Bachelor-System hat es bereits geschafft, die Studenten nach unten zu nivellieren, und nun wird es definitiv zur Regel. Und dieses geistig korsettierende Systemgebilde ist sehr ausnahmenintolerant. Einstein hätte keine Chance mehr gehabt. Die Barrosos und Merkels hingegen werden leider begünstigt, denn studentische Selbstverantwortung ist hiermit gestorben.

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  • Gaudenz Florin am 21.03.2014 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mitleid! Sesselkleber

    Wenn man das selbst gepackte Rücksäckli dieser Jungpolitiker anschaut, hat man den Eindruck "von allem ein wenig, nichts vertieft"! Diese Langzeitstudis nehmen anderen, ernsthaften Studenten Plätze und Gelder weg! Wollen sich heute schon überall positionieren um dann als VR zu profitieren! Mein Sohn hat sein Jus-Studium im Welschland absolviert als Deutschschweizer - innerhalb von 9 Semestern fix durch inkl. Lizarbeit auf Französisch!

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  • Sil Foiera am 21.03.2014 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Abschluss in:

    ...Philosophie, Linguistik, Sozialgeschichte, etc... Na das sind wahrlich die Studienabgänger auf die wir warten und welche das Land weiterbringen. Ingenieure, Techniker, Informatiker, Mediziner, etc... das sind Leute die wir brauchen! Nebst gut Ausgebildeten Fachkräften in Bau, Industrie & Gewerbe. Philosophieren kann man dann immer noch zu Hause mit einem Buch bei Botwein & Cognac oder in der Beiz mit Bier & Freunden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman Bachmair am 21.03.2014 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sauglatte Studenten

    Sauglatt für Glättli, nicht wahr? Hat er sich ja selber aufgebürdet, also ist jedes Mitleid ja nur Verschwendung. Und Wermuth, welcher noch nie in seinem Leben gearbeitet hat, möchte unserem Land sagen, wie es zu funktionieren hat. Beide aus dem linken Lager, daher Fazit: Links bringt nichts! Die Fehlpolitik bestätigt dies ja umso mehr. So einfach ist das zu erklären.

  • Otto Bürger am 21.03.2014 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich das richtig?

    Herr Cédric Wermuth, welcher uns ständig erklären will wie die Welt zu funktionieren hat, was richtig und was falsch ist hat noch nicht mal ein Studium abgeschlossen? Genau er findet aber, dass ich (Studium abgeschlossen) bei der MEI "falsch" abgestimmt habe? Was erlaubt sich der Herr überhaupt?

  • Chrigi Sörgeli am 21.03.2014 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich!

    Der Herr Nationalrat Glättli, geb. 12. Februar 1972, ist bereits 42 Jahre alt und immer noch Student!

    • Kathrin K. am 21.03.2014 11:19 Report Diesen Beitrag melden

      Lebenslanges Lernen

      Bei uns an der Uni hat es jegliche Altersgruppen. Man sollte sich von dem Bild des jungen, naiven Studenten, der noch bei Mami und Papi wohnt, verabschieden. Man hat ein Leben lang die Möglichkeit, vom Bildungsangebot einer Universität zu profitieren. So lange man nebenbei Geld verdient und niemandem auf der Tasche liegt, sehe ich das Problem nicht.

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  • Sil Foiera am 21.03.2014 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Abschluss in:

    ...Philosophie, Linguistik, Sozialgeschichte, etc... Na das sind wahrlich die Studienabgänger auf die wir warten und welche das Land weiterbringen. Ingenieure, Techniker, Informatiker, Mediziner, etc... das sind Leute die wir brauchen! Nebst gut Ausgebildeten Fachkräften in Bau, Industrie & Gewerbe. Philosophieren kann man dann immer noch zu Hause mit einem Buch bei Botwein & Cognac oder in der Beiz mit Bier & Freunden.

    • Mariana W. am 21.03.2014 10:55 Report Diesen Beitrag melden

      Schade

      Dies höre ich immer wieder und das finde ich extrem schade. Während bei den von Ihnen erwähnten Tätigkeiten "Ingenieure, Techniker, etc." die Arbeit gleich sichtbar wird, ist es bei der Sozialgeschichte oder Linguistik nicht. Es ist jedoch gefährlich, wenn wir die Geisteswissenschaften schlechtmachen, weil sie der "Geist" eines Volkes sind, die Beherrschung der Sprache oder Geschichtsbewusstsein ist m.E. genauso wichtig, wie Menschen, die mit den "Händen" anpacken. Es wäre schön, wenn wir akzeptieren würden, dass jeder seinen Platz in der Gesellschaft hat, statt gewisse Berufe niederzumachen.

    • Mond & Sterne am 21.03.2014 11:07 Report Diesen Beitrag melden

      Es braucht alle!

      Sie können diese Berufsgruppen nicht so abwerten. Schlussendlich braucht es für ein funktionierendes System alle zusammen. Ohne Denker und Träumer wären viele Erfindungen nicht möglich gewesen.

    • phlogiston am 21.03.2014 11:10 Report Diesen Beitrag melden

      Kommentar war zu erwarten.

      Sie haben keine Ahnung wie anspruchsvoll die Philosophie als akademische Disziplin(nicht zwingend auch der Unterricht!) ist. Das macht man nicht einfach so nebenbei zur Entspannung.

    • Lukra Tiv am 21.03.2014 11:18 Report Diesen Beitrag melden

      Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

      Klar, es brauch auch die Geisteswissenschaften und ich verstehe auch, dass viele Arbeiten in diesen Fachrichtungen von Inspriation leben, die man nicht herbeizaubern kann. Drum, ok, s darf auch mal länger dauern mit einer Arbeit, aber meherere Jahre?? also bitte...das kann man nicht mehr mit mangelnder Inspiration entschuldigen, das ist Faulheit und mangelnde Effizienz. Ich studiere an der ETH, arbeite daneben 50% und muss meine Masterarbeit in 18 Wochen schreiben! Da ist eben Effizienz gefragt.

    • Sil Foiera am 21.03.2014 11:21 Report Diesen Beitrag melden

      Geisteswissenschaften

      Mir ging es nicht darum gewisse Berufe niederzumachen. Trotzdem sehe ich in den von Ihnen erwähnten Studienrichtungen keine direkte Wertschöpfung und würde sie daher eher im Nebenfach ansiedeln. Gerade z.B. in Physik ist Interesse an Philosophie aber durchaus anzutreffen, vor allem wenn es denn Richtung Quantetheorie geht. Ps: in Wien gabs früher zum Titel in Naturwissenschaften den in Philosophie dazu. (nicht sicher ob es immer noch so ist)

    • Sil Foiera am 21.03.2014 11:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Mond & Sterne

      Richtig, ohne Visionen gehts nicht. Galilei, DaVinci, Einstein, Berblinger, Lilienthal, etc waren aber nicht nur Denker, Träumer & Visionäre, sondern auch Praktiker. Die (nur) "denkende Elite" hatte schon bei den Hellenen mässigen Erfolg.

    • Mond & Sterne am 21.03.2014 12:22 Report Diesen Beitrag melden

      @Sil Foiera

      klar nur denken/träumen und nicht umsetzen führt letztendlich nicht zum gewünschten Ziel. Fakt ist für mich aber, dass es manchmal über lange GEdankengänge/reisen oder Träumereien zu Einfällen kommt, die man sonst nie gehabt hätte. Selbstverständlich setzt dies dann wieder voraus, dass der Einfall auch praktisch in die Tat umgesetzt werden kann. Dazu kommt noch, dass nicht alle Menschen gleich gepolt sind, es gibt Menschen, denen liegen die Geisteswissenschaften viel besser als die Naturwissenschaften. Warum muss man immer vergleichen und werten?

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  • Gaudenz Florin am 21.03.2014 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mitleid! Sesselkleber

    Wenn man das selbst gepackte Rücksäckli dieser Jungpolitiker anschaut, hat man den Eindruck "von allem ein wenig, nichts vertieft"! Diese Langzeitstudis nehmen anderen, ernsthaften Studenten Plätze und Gelder weg! Wollen sich heute schon überall positionieren um dann als VR zu profitieren! Mein Sohn hat sein Jus-Studium im Welschland absolviert als Deutschschweizer - innerhalb von 9 Semestern fix durch inkl. Lizarbeit auf Französisch!

    • licphil am 21.03.2014 10:19 Report Diesen Beitrag melden

      hopp hopp, schnell schnell

      9 Semester tönt ja extrem "vertieft". Die Genfer Schnellbleichen sind bekannt und berüchtigt. Entspricht vielleicht dem EU-Niveau, nicht dem Schweizer Niveau.

    • LIZ-Studentin am 21.03.2014 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      Traumeltern mit Traumkindern....

      Da schreiben sie wieder, die Superman-Eltern mit ihren Superman-Kindern. Ich bin von der Regelung aus Gründen betroffen, die nichts mit Faulheit zu tun haben. Bin in der Arbeitswelt hängengeblieben weil ich mein Studium von Anfang an komplett selber finanzieren musste und irgendwann nicht mehr parallel fahren konnte. Hätte auch gern einen Papi gehabt, der es finanziert.....

    • Ein Stein am 21.03.2014 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Jus

      Jus ist ja auch nur reines auswendig lernen....

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