Chronische Krankheiten

07. April 2019 10:22; Akt: 07.04.2019 10:22 Print

Apotheker verweigern teure Medikamente

Vorauszahlungen für hochpreisige Medikamente bringen kleinere Apotheken in Schwierigkeiten. Immer mehr weisen deshalb Kunden ab.

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Gesundheit hat ihren Preis – die Leidtragenden sind dabei die Patienten. Wie eine im Dezember publizierte Studie aus der Westschweiz zeigt, haben einige Apotheker Angst, dass ihnen die Krankenkasse die teuren Medikamente nicht zurückzahlt.

Wie die «Sonntagszeitung» berichtet, befragte die Studie rund 60 Apotheker, die Patienten mit Hepatitis C haben. 14 davon verweigerten mindestens einem Kunden die benötigten Medikamente.

Studienautor Jerome Berger sagt: «Apotheker kaufen Medikamente beim Grossisten oder direkt bei den Produzenten. Anschliessend sitzen sie so lange auf den Kosten, bis die Krankenkasse diese zurückerstattet.» Besonders für kleine Apotheken stellt dies ein Problem dar.

«Warten seit Juli auf das Geld»

Durchschnittlich dauert es mindestens drei Monate bis die Krankenkassen die entsprechenden Medikamente zurückerstattet haben. Das Problem existiert jedoch nicht nur in der Westschweiz.

Philip Bruggmann, Präsident von Hepatitis Schweiz sagt der Sonntagszeitung: «Wir kennen Patienten aus der ganzen Schweiz, die abgewiesen wurden. Bei einem Betroffenen warten wir seit Juli auf das Geld der Kasse.»

Er sieht das Problem nicht bei den Apotheken sondern der Krankenkassen und den Herstellern der Pharmazien: Es sei traurig, dass Apotheken Kranke abwimmeln. «Aber ich kann sie verstehen, wenn sie sonst selbst in ihrer Existenz bedroht sind», sagt Bruggmann.

Rund 200 Menschen sterben jedes Jahr an Hepatitis C - trotz Heilmittel

Der Verband der Schweizer Krankenversicherer zeigt sich über die Vorwürfe erstaunt, da Apotheken ein Recht auf Rückvergütungen innerhalb von 30 Tagen haben. Ein Problem ist es jedoch wenn die Rechnungen von Apotheken nicht korrekt ausgefüllt sind, dann kann es zu Verzögerungen kommen.

Rund 200 Menschen sterben jedes Jahr an Hepatitis C, trotz der bereits wirksamen Heilmittel. Über 14'000 Franken kostet die Packung einer entsprechenden Arznei. Zur Heilung sind drei solche Schachteln notwendig.

(fss)