Im Pyjama statt im Büro

12. März 2020 14:05; Akt: 12.03.2020 14:05 Print

«So ‹gut› schaffe ich im Corona-Homeoffice»

von M. Steiger - Ich arbeite jetzt in der Stube und versuche, mich nicht ablenken zu lassen – und gelegentlich eine richtige Hose anzuziehen.

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Das bin ich, auf der Terrasse des 20-Minuten-Newsrooms in Zürich. Wegen Corona sind viele Arbeitnehmer zurzeit im Homeoffice – so auch ich. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Einer der grössten Vorteile ist auf jeden Fall, dass das Pendeln wegfällt. Ich muss also weder im Stau stehen noch mich wie eine Sardine in einen Zug quetschen. Damit habe ich auch viel mehr Zeit für ein richtiges Zmorge. Ich kann sogar meinen Tee in Ruhe trinken, statt ihn wie normalerweise in einen To-go-Becher zu füllen und dann auf der Küchenzeile zu vergessen. Ausserdem fällt «schön anziehen» erstmal weg. Ich trage gerade den zweiten Tag in Folge eine sehr bequeme «Nightmare Before Christmas»-Leggins (die Füsse habe ich nur zu Anschauungszwecken hochgelegt, imfall). Einer der grössten Nachteile am Homeoffice ist dagegen die Ablenkung. Im Hintergrund läuft der Fernseher (weil ich es nicht so gern still habe) und ich laufe ständig zum Kühlschrank. Apropos laufen: Ich habe mir fest vorgenommen, nicht in meinem Wohnzimmer zu versauern, sondern regelmässig rauszugehen. Zum Beispiel für einen kurzen Spaziergang über Mittag. Das Allerbeste am Homeoffice ist mein neuer Kollege: Kater «Mögi» begleitet mich in den Rauchpausen. Nichts ist so therapeutisch, wie einer Katze den Bauch zu kraulen. Da fallen Stress, Schreibblockaden und Motivationsschwierigkeiten einfach ab. Aber trotz meines pelzigen neuen Lieblingskollegen vermisse ich meine echten Arbeitskollegen und den kreativen Austausch mit ihnen. Bis sich die Lage normalisiert hat, hole ich mir Inputs halt per Videotelefonie.

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Aus Corona-Gründen sind zurzeit viele Angestellte daheim. Auch ein Teil der 20-Minuten-Redaktion arbeitet seit gestern vom heimischen Pult aus. Und obwohl es nicht das erste Mal ist, dass ich Homeoffice mache – dieses Mal ist es irgendwie anders.

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Normalerweise habe ich eine sehr genaue Vorstellung davon, was ich an meinem Homeoffice-Tag erledigen muss: eine bestimmte Anzahl Artikel, zum Beispiel. Doch weil ich nun auf unbestimmte Zeit von daheim aus schaffe, habe ich Mühe, mir ein exaktes Tagessoll zu setzen – wann hört meine Arbeit auf, wenn ich das «Büro» gar nie verlasse? Und muss ich eigentlich die nächsten Wochen etwas anderes anziehen als Trainerhosen oder Pischi?

Routine
Kein Pendeln für mich

Natürlich hat Homeoffice viele Vorteile. Ich kann am Morgen ganz gemütlich zmörgele und Tee trinken! Ich muss nicht mehr pendeln und deswegen weder im Stau stehen noch mich in einen überfüllten Zug quetschen. Ich muss auch keine «richtigen» Kleider anziehen, sondern kann den ganzen Tag in meinen «A Nightmare Before Christmas»-Leggins rumgammeln.

Ich kann mal eben schnell eine Wäsche machen oder irgendwas aufräumen, wenn ich eine kleine Schreibblockade habe. Die Versuchung, dann elend zu verhängen, ist aber gross. Sie kennen das bestimmt vom Aufräumen: Man springt von Aufgabe zu Aufgabe, nur um einer anderen aus dem Weg zu gehen. Ich beginne also damit, Kleider in den Schrank räumen, plötzlich wühle ich im Wandschrank und auf einmal sortiere ich die Grümpelschublade – alles nur, damit ich das unangenehme Telefoninterview ein bisschen aufschieben kann.

Ablenkung
Prokrastination für Fortgeschrittene

Das ist aber bei weitem nicht das grösste Problem. Das grösste Problem sind die vielen Versuchungen! Ich arbeite im Wohnzimmer (in meinem «Büro» im Keller hat es zu viele Spinnen), den Fernseher direkt in meinem Sichtfeld. Nun gehöre ich zu den Menschen, bei denen der TV häufig läuft, weil ich das Geplapper im Hintergrund mag (ich bin nicht gern allein, dazu gleich mehr) und weil immer irgendwas in der Glotze kommt, was ich sehen will.

Jetzt aber zusammenreissen, auch wenn grad «Shopping Queen» läuft! Also schnell die Aufmerksamkeit etwas anderem zuwenden und zack! – schon stehe ich zum x-ten Mal heute vor dem Kühlschrank. Mist! Zum Glück haben meine Mitbewohnerin und ich keine Hamsterkäufe gemacht und horten nicht unbeschränkt Fressalien.

Pausen
Mein neuer Lieblingskollege

Das Allerbeste am Corona-Homeoffice ist mein neuer Kollege bei den Rauchpausen: Nachbarskater Mögi wartet jeweils schon auf dem Bänkli draussen auf mich und ich weiss jetzt: Katzenbäuche streicheln ist therapeutisch und löst allerlei Schreibblockaden oder Motivationsprobleme in Luft auf.

Das funktioniert so lange, bis Mögi checkt, dass ich die ganze Zeit zu Hause bin. Unermüdlich maunzt er mich vom Fensterbrett aus an, als wäre er in seinem Leben noch nie gestreichelt worden. Das lenkt, zugegeben, vielleicht ein bisschen vom Wesentlichen ab.

Isolation
Mir fehlt der Austausch

Natürlich hat die Corona-Isolation nicht nur Vorteile. Ich bin nicht besonders gern allein, ich mag keine Stille (deswegen der Fernseher), und ich vermisse meine Arbeitskollegen und Vorgesetzten (schleimschleim).

Auch inhaltlich merke ich, dass mir andere Meinungen und Inputs zu meinen Texten fehlen. Aber jä nu: Bis sich die Lage beruhigt hat, wird halt viel videotelefoniert.

Bleiben Sie gesund!