27. April 2005 00:38; Akt: 28.04.2005 00:27 Print

Armee: Brutale Verhöre und «Penis-Taufe»

Verhör-Übungen und «Penis-Taufen»: In der Schweizer Armee herrschen unhaltbare Zustände. Jetzt fordern Politiker ethische Richtlinien.

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20-jährige Schüler der Infanterie-Offiziersschule in Colombier in Gefangenen-Montur und mit Jutesäcken über den Köpfen: Zehn Stunden lang dauerte die Übung «Captivus» à la Abu Ghraib, dem berüchtigten Foltergefängnis. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin «Facts». «Diese Übung ist krankhaft», kritisiert Brigadier Rudolf Steiger, Direktor der Militärakademie in Wädenswil, der die Verantwortlichen «in aller Schärfe» zur Rechenschaft ziehen will. Damit nicht genug: In der Rekrutenschule Chur haben im Februar mehrere Soldaten einen Kameraden an Händen und Füssen gehalten, während ihm ein weiterer Soldat seinen Penis auf die Stirn legte. Die meisten Soldaten in der Kaserne hatten diese «Penis-Taufe» schon früher über sich ergehen lassen.

«Vor allem bei den Durchdienern gibt es oft eine Anhäufung von Rambos, die über die Grenzen schiessen», kritisiert SP-Nationalrat Boris Banga. Er hat ein Postulat seines Parteikollegen Hans Widmer unterzeichnet, das ein Konzept für die innere Führung der Armee fordert und auch ethische Richtlinien formuliert. Konkret heisst dies: Kein Platz mehr für Extremismus, Diskriminierungen und Verstösse gegen die Menschenwürde.

(csr)