Fresspäckli

14. Januar 2020 04:49; Akt: 14.01.2020 13:42 Print

Armee ärgert sich über Gratisbier für Rekruten

von J. Probst/Q. Llugiqi - Wenn Rekruten ein nettes Briefchen schreiben, schicken ihnen Firmen Fresspäckli zu. Das Militär hat daran keine Freude.

Mit diesen Tipps überstehst du die Rekrutenschule. (Video: pam)
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Am Montag startete die Winter-Rekrutenschule. Rund 11'600 Rekruten mussten laut Zahlen der Schweizer Armee einrücken. Sie werden die nächsten Monate zu Soldaten gedrillt: mit kilometerlangen Märschen und wenig Schlaf.

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Doch die jungen Männer bereiten sich auf die Strapazen der Rekrutenschule vor: So postet etwa die Instagram-Seite Armysieche, die über 26'000 Abonnenten zählt, Tipps für die angehenden Soldaten. Dort verraten Altgediente, welche Socken ideal für die Kampfstiefel sind oder dass eine Powerbank essenziell sei (siehe Video oben).

Gratisbier für Rekruten

Ein Tipp hat es in sich: «Schreibt Firmen an und sagt ihnen, dass ihr in der RS seid», schreibt ein User. Denn, so behauptet er: «Oft schicken sie euch ein Päckli.» Immer Snacks auf sich zu haben, sei sehr wichtig, sagt auch der Betreiber der Seite, der anonym bleiben will. «Je nach Koch isst man in der RS nicht gut, da ist man froh um Getreideriegel oder Trockenfleisch.»

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20 Minuten hat bei Firmen nachgefragt. Und tatsächlich: Einige senden gratis Fresspäckli an Rekruten. Fleischverarbeiter Bell etwa schickt Rekruten laut Sprecher Fabian «in der Regel» etwas zu, wenn sie die Firma anschrieben: «Ein Fresspäckli von uns enthält meist Trockenfleisch und Snacks.» Es sei eine «schöne Geste» den Rekruten gegenüber.

Und auch die Brauerei Feldschlösschen: «Es gibt die Tradition, dass wir Rekruten eine Freude mit einem Fresspäckli machen, wenn wir freundlich angeschrieben werden», sagt Sprecherin Gaby Gerber.

Die Brauerei stelle dann jeweils «ein kleines Paket» zusammen: «zum Teilen mit den Kollegen der Einheit.» Solche Fresspäckchen für Rekruten, die alkoholfreies und normales Bier beinhalten, sollen «ein kleines Dankeschön für ihren Einsatz für die Schweiz» sein.

«Wir tun ein Sixpack ins Päckli»

Gratisbier gibt es auch beim Konkurrenten Heineken, zu dem die Marken Calanda, Eichhof und Haldengut zählen: «Wir verschicken im Sommer etwa vier bis fünf Fresspäckli pro Woche an Rekruten, im Winter sind es etwas weniger», sagt Sprecher Antonio Govetosa.

«Ins Päckli tun wir ein Sixpack des Lieblingsbieres und Werbegeschenke wie T-Shirts und Schlüsselanhänger.» Das soll ein Goodie für die Rekruten sein, die Heineken «einen lustigen oder originellen Brief schreiben», so Govetosa. Eine gezielte Werbekampagne sei es nicht.

Der Energydrink-Hersteller Red Bull verschickt zwar nicht direkt Getränke, erklärt aber, dass interessierte Rekruten bei gewissen Grosshändlern zu besonderen Konditionen Red Bull in die Kaserne bestellen könnten.

Auch Detailhändler Coop hat ein Herz für Rekruten: «Wir senden den Rekruten jeweils Coop-Geschenkkarten, mit denen sie sich dann selber eine passende Lebensmittelauswahl zusammenstellen können», so Sprecherin Marilena Baiatu. Damit wolle der Detailhändler «den Rekruten den Alltag mit Coop-Produkten kulinarisch etwas versüssen».

Armee: «Unnötig und eher geschmacklos»

Bei den Rekruten kommen die Päckli der Firmen gut an (siehe Box). Gar keine Freude daran hat jedoch die Armee: «Die Angehörigen der Armee werden gut und ausreichend versorgt und ernährt», sagt Armeesprecher Daniel Reist. Dass Rekruten um Fresspäckli bitten, finde das Militär «unnötig und eher geschmacklos». Es gebe bedürftigere Leute, die eher Hilfe brauchten als die Rekruten.

Besonders stört sich die Armee an den Bier-Paketen: «Alkohol in Rekrutenpäckchen ist verpönt», so Reist. Es sei nicht vorgesehen, dass Brauereien Bier an Rekruten schickten, denn schon Alkohol im Zimmer zu haben, sei verboten. Das Bier dürfe höchstens im Privatauto gelagert werden und nur im Ausgang getrunken werden.

Die Brauereien appellieren derweil an die Selbstverantwortung der Rekruten: «Wir gehen davon aus, dass sich die Rekruten an die geltenden Regeln des Militärs halten, und unser Bier nur in ihrer Freizeit geniessen», sagt Heineken-Sprecher Govetosa. Auch Feldschlösschen-Sprecherin Gerber betont, dass das Päckli ausserhalb der Dienstzeit genossen werden soll.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr.Tell am 14.01.2020 05:55 Report Diesen Beitrag melden

    Echt ez?

    Die Päckli (gerade auch von Feldschlösschen) waren ein Highlight meiner RS und haben eine motivierende Wirkung bei mir und den Anderen gezeigt. Keine Ahnung was die Armee da zu motzen hat. Im Gegenteil, da zeigen sich Firmen pro Militär und die nörgeln noch?! PS: das Bier landete auf dem KP und wirde für den Ausgang abgeholt.

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  • Fingeringer am 14.01.2020 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Fresspäckli sind hip

    Halloo??? Als ob das was neues wäre.. Ich hatte mich jedesmal über Päckli gefreut und es hatte mir den Militärdienst zumindest Gaumentechnisch etwas aufgebessert

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  • Marlies2018 am 14.01.2020 05:56 Report Diesen Beitrag melden

    Dschungelcamp

    Die heutige RS ist ja eh mehr eine Art Dschungelcamp. Der eigentliche Sinn, dass die Armee in der Lage sein sollte, das Land zu verteidigen, ist im Hintergrund.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 14.01.2020 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    UT statt Militär

    Zum glück machi jetzt Zivildienst :)

  • Adrian Thoma am 14.01.2020 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst den Rekruten die Päckli!

    die Begründung der Armeesprecher, weshalb Fresspäkli nicht gern gesehen sind ist unsinnig. Ich war vor gut 20 Jahren in der RS und unsere Generation hat ja nicht der Armee, auf dem Weg ins heute in irgendeiner Weise geschadet. Es wäre wirklich Schade, wenn solche, aus meiner Sicht schöne Schweizer Traditionen verschwinden, nur weil jemand fadenscheinige Bedenken äussert.

  • Gabriel von Ow am 14.01.2020 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    sorry aber...

    Die Ernährung ist ungenügend, einseitig mit teilweise viel zu wenig Kalorien. Erfahrung als Durchdiener. Auch wenn die Führung das Gegenteil immer während wiederholt, wird es nicht wahr. Ich finde das einfach nur erbärmlich.

  • B.H. am 14.01.2020 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    Auch ein Bundesrat schickte Päckli

    Wir hatten damals, also RS 1999, in der 1. Woche an BR Ogi geschrieben und für den schönen Sommer gedankt, den wir verbringen durften... ca. in der 9. Woche kam ein Päckli mit Schoggi und kurzem Schreiben von "unserem" Bundesrat. Also wenn's der Chef VBS macht. Wo ist das Problem???

  • Kritischer AdA am 14.01.2020 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor

    Immer weniger junge Männer motivieren sich für die Schweizer Armee. Vielleicht sollte die Apéro-Etage im Führungsstab nicht auch noch die wenigen Freuden in der RS oder dem WK kritisieren. Wir haben nun einmal ein Milizsystem, da steht nicht jeder der Armee mit gleichem Enthusiasmus gegenüber. Deshalb sind Dinge zur Motivation, wie Fresspäckli, Ausgang und ein anständiger Umgang zwischen Kader und Truppe um so wichtiger. Würden die hohen Tiere dies kapieren, wäre die Armee evtl. wieder attraktiver.